Was ich interessant finde und zur Diskussion stellen möchte 137

vor 3 Monaten
Liebe MK-Freunde und Freundinnen,
ich möchte gern mal eine Beobachtung zur Diskussion stellen und mal von euch hören, ob ihr gleiche Erfahrungen gemacht habt und ob ihr daraus gelernt habt.
Folgende Situation, die fast immer gleich abläuft:
TFP-Shooting; das Model bekommt noch am selben Tag über einen Online-Ordner alle Bilder des Shootings zur Ansicht und zur Auswahl von maximal 20-30 Bildern zur Nachbearbeitung.
Von den circa 30 Bildern, die das Model auswählt, würde ich selber maximal 2-3 auswählen. Die Schnittmenge ist also gering, was ich darauf zurückführe, dass Jungs und Mädchen einen komplett unterschiedlichen Geschmack haben. Im Prinzip alles i.O.
Jetzt fange ich an, die Bilder des Models zuerst zu bearbeiten, sie hat Priorität und bekommt die Bilder in hoher Auflösung ebenfalls über einen Online-Ordner. Die Resonanz ist oft nicht mehr , als ein kurzes „Danke, die Bilder sind klasse“, nichts mehr, als eine Freundlichkeitsfloskel.
Viel schlimmer ist, dass ich, nachdem ich die Bilder des Models bearbeitet habe, erstmal eine Pause für die Bilder des Shootings brauche und dann eigentlich nie mehr zu meinen eigenen Favoriten komme.
Was mir noch durch den Kopf geht, ist folgender Gedanke: Wenn der Geschmack zwischen Jungen und Mädchen so unterschiedlich ist und der Junge die Bilder nach seinem Geschmack bearbeitet, dann können diese Bilder eigentlich dem Model gar nicht perfekt gefallen. Das widerspricht sich vom Prinzip. Ich tendiere glaube ich dazu, den Models inzwischen die RAW-Dateien anzubieten und ihnen die Möglichkeit zu geben, selber Hand anzulegen. Nach eigenem Geschmack und dann mit Freude für alle Seiten.

Welche Erfahrung macht ihr täglich und wie geht ihr damit um?

Viele Grüße
Frank
vor 3 Monaten
Ich würde das nicht auf Jungs und Mädels zurückführen, sondern auf Eigensicht des Models und Sicht des Fotografen. Mir fallen sofort unvorteilhafte Hände, optimierungsfähige Posen nicht zur Pose passende Ausdrücke und ungeschicktes Makeup auf. Modelle achten eher auf ihre (vermeintlichen) Schwachstellen wie Falten, Krähenfüße etc. und sehen Schwachstellen ihres gewohnten Makeups einfach nicht. Entsprechend sind die Schnittstellen bei der Beurteilung der Bilder mitunter recht klein.

Die Konsequenz: a.) Ich wähle die Bilder zur Bearbeitung aus. b.) Vor der Bearbeitung durchlaufen alle Bilder eine Voroptimierung (Gruppeneinstellung in LR und Hautretusche in PS) die dank bildsensitiver Tools in weiten Teilen automatisiert über Nacht abläuft. Diese bekommt das Model zusätzlich als JPEG. RAWS verbleiben immer bei mir. c.) Eine eigene Nachbearbeitung - oder die Vergabe einer Nachbearbeitung - durch das Model ist erlaubt, ich schaue sie mir auch gerne an, die Nennung als Fotograf bei nicht von mir bearbeiteten Bildern ist aber von meiner ausdrücklichen Zustimmung abhängig.

Was die Resonanz angeht - entweder es gibt Folgeshootings oder aber auch nicht. Dieser Gradmesser ist mir wichtiger als Bildkommentare, die wegen der oben beschriebenen Diskrepanz in der Perspektive erfahrungsgemäß nur bedingt weiterführen.

Ich weiß nicht wie dein Workflow aussieht, aber ich haltes es mit Jason Lanier - selten mehr als 5 Minuten Bearbeitung pro Bild. Das klappt mit den passenden Makros auch bei komplexen Greenkey-Montagen.

Grüße, Charly
Also selbst mit langjährigen Shootingpartner ist es immer noch so, dass das Model grundsätzlich einen anderen Geschmack hat, als ich als Fotograf. Bei männlichen Models kann ich aber die technische Seite eher klar machen. Wahrscheinlich weil sie nicht so auf "Schönheit" bedacht sind wie weibl. Models. Die wollen es eher cool, oder chrakterlich als "Rollenspieler".
Was die Bearbeitung oder den Workflow angeht, so "verbiege" ich mich nicht mehr um zu gefallen. Wenn Menschen mit mir arbeiten, so kennen sie meine Bilder. Die mögen einen erkennbaren Stil haben oder nicht, aber es sind die Art Bilder, die ich nun mal mache. Klar gehen Experimente, aber die sind dann eben auch gesondert zu betrachten.
Frank...wieviel Zeitaufwand hast Du denn so pro Bild beim bearbeiten ?
#5
vor 3 Monaten
Ich will immer Rohdaten - aus mehreren Gründen. Verschiedene Geschmäcker sind auch ein Grund aber auch um Details in der Bearbeitung.
Außerdem bin ich kein Freund von 10 Bildern, die im Grunde alle gleich sind und ich mich fragen muß ob dieses oder jene Set wirklich total in die Hose gegangen ist. Ich mag mehr grundlegend verschiedene Fotos.

Du kannst wirklich gut bearbeiten .... was hältst du davon, dem Model die Wahl zwischen Rohdaten und bearbeiteten Bildern, die auschließlich du aussuchst zu lassen? Du steckst sicher auch mehr Energie in Fotos, die dir selbst gefallen, als die die halt das Model will. Ein bißchen Großzügigeit schadet nicht. zB wenn dabei zu wenig Fotos rauskommen bearbeite vllt auch noch ein paar die für dich noch OK sind oder wenn wenn wirklich ein total verkacktes Set dabei war halt ein paar unbearbeitete, die noch so halbwegs sind.

Bei manchen Fotografen würde ich mich verarscht fühlen und bei einem, der das mit den Rohdaten gewissenhaft unter den Tisch fallen hat lasssen habe ich mich auch verarscht gefühlt - bei dir denke ich daß jeder sehr zufrieden sein wird ;)


Mir sind aber schon öfters Probleme mit Rohdaten zu Ohren gekommen. Manche unwissende (Anfänger-)Models stellen die Fotos unbearbeitet oder echt grottig ins Netz, selbst wenn das Foto grobe technische Mängel hat und schreiben dann groß drunter wer das Foto verbrochen hat. Dagegen würde ich mich absichern. zB daß sie dir die Fotos vorher zeigen muß und du ggf. die Pflicht zur Namensnennung in ein Verbot der Namensnennung umwandelst, oder daß sie überall dazuschreiben muß, das sie die Fotos selbst bearbeitet hat
also ich lass die Leute auswählen wenn ich selber nicht recht vorankomme, am ehesten wenn es um schlechtes Hautbild geht was ich zuletzt ein paar mal hatte. das bremst mich total aus und dann packe ich die Bilder zum betrachten in n Ordner und mache mich dann erstmal an die ausgesuchten Fotos. eine Diskrepanz wie bei Frank ergibt sich da bei mir aber eher nicht.
der Normalfall bei mir ist das ich drauflos bearbeite und mein Modelmensch dann n Haufen Bilder kriegt. Probleme wer was mag gibt es da meist nicht, ist ja geuegend Auswahl da. das die Geschmäcker sich unterscheiden kommt vor und das ich mich mal am Kopf gekratzt habe was da ausgewählt und hochgeladen wird...ja kommt vor.

mein Tipp: mal mit den Modellen reden woran es liegt, Rohdaten bringen vielen Leuten gar nichts. macht Frank sicher nicht ohne das zu besprechen aber trotzdem. besser auswählen lassen und vielleicht die Anzahl der Bilder eingrenzen damit Eigen- und Fremdgeschmack sich ausgleicht.
vor 3 Monaten
"Ich tendiere glaube ich dazu, den Models inzwischen die RAW-Dateien anzubieten und ihnen die Möglichkeit zu geben, selber Hand anzulegen. Nach eigenem Geschmack und dann mit Freude für alle Seiten."

Ich gebe die RAW-Daten auf Anfrage immer raus, so habe ich einfach weniger Aufwand für die Bearbeitung...
Natürlich muss Mann oder Frau in der Lage sein, die RAW-daten zu berarbeiten...
....und es gibt Models, die das können!
Finde ich echt klasse!
vor 3 Monaten
Selbst bei einem TfP - Shooting würde ich NUR Fotos rausgeben, von denen ich überzeugt bin, und das auch nur so, wie ich sie bearbeitet habe (also nie RAW-Dateien). Wenn ein Model alle Bilder haben möchte oder bearbeitungstechnisch selber Hand anlegen will, würde ich ein TfP-Shooting gar nicht erst machen. Aus dem Grund bevorzuge ich Pay-Shootings. Es gibt aber auch Modelle, die mich inzwischen gut kennen, die meine Fotos mögen und die wissen, was sie bei mir erwarten können (eine Anzahl von Prints sowie jpgs für das Internet) und deshalb auch TfP nach meinen Bedingungen machen.
das von den Models wenig Resonanz zurückkommt,spiegelt den Zeitgeist wieder,geht einher mit Absagen,Unpünktlichkeit u.s.w.
vor 3 Monaten
Jeder Mensch sieht sich doch selbst am kritischsten. Das tut natürlich auch ein Model. Ich bearbeite in der Regel 5 Fotos, welche sich das Model ausgesucht hat und 2-3 Bilder zusätzlich die ich noch gut finde. Es kommt allerdings schon vor, dass ich meine Vorschläge schicke und dann das Model sich darauf nicht gefällt weil es irgendwas an sich störend findet. Ist normal... Respektiere das auch, da ich selbst auch nicht im Netz landen möchte auf Fotos bei denen ich mir nicht selbst gefalle.

Fotos von mir selbst bemängle ich auch oft und nen Mädel sagt dann ,Was?? Das sieht doch voll gut aus".

Das ist einfach ganz normal... Tft hat für mich auch nicht nur die Bedeutung umsonst an Bilder zu kommen sondern hat trotzdem auch viel mit Vertrauen und Respekt dem Menschen gegenüber zu tun. Klar auch wenn was vertraglich geregelt ist muss man nicht drauf pochen. Ein gutes Verhältnis zum Model, und dadurch eine Bindung an mich als Fotograf, ist mir wichtiger als unbedingt ein Foto mehr oder weniger zu haben.

Ansonsten mache ich es wie du. Stelle per Dropbox dem Model alle JPEG zur Verfügung als Vorauswahl (habe immer RAW + JPEG eingestellt). Die Auswahl wird dann natürlich in RAW bearbeitet und dem Model in voller Auflösung sowie Social Media optimiert zur Verfügung gestellt. RAW Dateien gebe ich nicht heraus. Meine bisherigen Models könnten damit eh nichts anfangen da sie selbst kein Programm haben was das lesen kann.

Und zum Thema Resonanz: Bisher kam immer ehrlich gemeintes Feedback oder auch mal ne Sprachnachricht per Whats App anstatt ein plumpes "Danke". Normal lade ich als Fotograf nach dem Shooting noch auf ein Häppchen oder was zu trinken ein aber ist auch schon anderes rum vorgekommen. Pizzeria und das Model hat für drei Personen bezahlt - für mich und eine Freundin welche assistiert hat.

Oft schicke ich auch den Zwischenstand an meine Models und nehme Vorschläge an in welche Richtung ich bearbeiten soll. Hab viele Mädels erlebt, welche sehr dezente Bearbeitung bevorzugt haben und kein übertriebenes Dodge & Burn und sowas.
Feedback ist echt ein Dauerbrenner und ich habe da auch schon alles erlebt - von hoher Begeisterung bis zu null Reaktion.
Bekomme ich Feedback bin ich immer begeistert, bekomme ich keines lauf ich da aber auch nicht mehr hinterher.

Bei TFP Shootings mache ich es jetzt so, dass ich parallel auf eine zweite Karte in der Kamera schreibe, also eine mit RAW für mich und eine mit JPGs für das Model.
Nach dem Shooting bekommt das Model gleich die zweite Karte und kann mit den Fotos machen was er/sie will.
Ich selber stelle ausgewählte, bearbeitete Fotos in eine cloud (bei mir google fotos) und sende den expliziten Link dem Model.
Über die Kommentar-Funktion könnte das Model nun Fotos als favs oder nogos kennzeichnen, nogos lösche ich und favs würde ich bevorzugt selber veröffentlichen.
Bei den nogos steht manchmal auch ein Grund, aber in der Regel frage ich da nicht weiter nach. Gibt es keine nogos gehe ich von einer Zustimmung aus.
Ich bearbeite Fotos minimal, dauert im Schnitt nicht länger als fünf Minuten. Habe ich ein Foto bearbeitet und hochgeladen was ich nun wieder aus dem Pool lösche habe ich nicht so sehr die Zeit vertan wie vielleicht andere. Bin ich wiederum in Verzug mit der Bearbeitung hat das Model auf alle Fälle ja die JPGs und die sind eigentlich auch schon nicht schlecht.
vor 3 Monaten
Die Stapelverarbeitung in Lightroom nutze ich selbst auch aber wenn hochwertige Hautretuschen inzwischen auch schon von der Automatik erledigt wird fragt man sich langsam ob es sich noch lohnt dieses Hobby zu haben.
In der elektronischen Musikszene übernimmt inzwischen längst der Computer das komponieren und deshalb wollen immer weniger den Scheiß hören. Wie es aussieht geht die Fotografie den selben Weg und mal ehrlich, die Jungs mit den Handys fotografieren die Mädels dort wo auch deren Lebensmittelpunkt ist und sie können es dann tun wenn die gerade besonders entspannt und gut drauf sind.
Die nächste technische Revolution wäre dann, du schiebst deine Bilder in einen Cloud Ordner, wählst den Bearbeitungsstil und wartest bis dein Bild entwickelt ist. Die Rechenleistung dafür übernimmt dann ein Großrechner. Wer braucht dann noch Fotografen?
vor 3 Monaten
@Charly3 Was für eine Software ist das denn die Hautretuschen im Stapel bearbeiten kann?
vor 3 Monaten
Bei TfP suche ich aus und lasse das Model maximal auf der Kamera durchschauen.

Sogar bei Pay mache ich das lieber und in der Regel bucht man mich, weil man meine Bilder mag und sich auf meinen Geschmack verlässt.

Damit fahre ich sehr gut. :)
vor 3 Monaten
@Lichtermeer
Leider ist deine Befürchtung nicht soweit hergeholt...
vor 3 Monaten
@Lichtermeer: Welche Automatik macht den bitte Hautretusche? Ist mir nicht bekannt... Ich habe noch das Programm Portrait Pro 15 womit sich relativ schnell einfache Retuschen machen lassen aber man sieht es selbst bei so einem Programm, dass es nur eine Notlösung ist. Über eine richtige Beautyretusche über Photoshop führt meiner Meinung nach noch kein Weg vorbei wenn man es professionell machen will ohne Farben und Details zu zerstören.
vor 3 Monaten
Vielen Dank für die tolle Resonanz und die vielen guten Anregungen. Stapelverarbeitung habe ich bislang bei Fotos von Shootings nicht angewendet. Ich würde befürchten, dass die Individualität der Bilder darunter leiden könnte. Für die Bearbeitung benötige ich in der Regel zwischen 10 und 30 Minuten pro Bild. Gerade bei Bildern, die ich nicht selber ausgesucht habe, dauert dies eher 30 Minuten. Der Grund dafür liegt darin, dass ich ein Bild, dass mir eigentlich von der Aufnahme, dem Posing, dem Licht etc. nicht optimal gefällt, durch Nachbearbeitung zu einem Foto mache, dass mir dann auch gefällt. Neben Farb- und Kontrastkorrekturen, individueller Hautretusche und Veränderung des Lichtfokus, ändere ich dabei auch den Hintergrundumfang, um das Model besser bildwirksam zu platzieren. Es gibt dann verschiedene Bildvarianten und manchmal bleibt von einem Ganzkörperportrait nur noch der Kopf übrig, und der gefällt mir dann optimal.
Ich denke, ich muss mich bei der Bearbeitung eher zurücknehmen, da ich damit den Bildern meinen Geschmack und meinen Anspruch an Ästhetik aufdrücke. Das ist aber eigentlich nicht das, was das Model vielleicht möchte. Vielleicht würde ihr die Autokorrektur und Standard- Hautretusche reichen. Aber ich würde in meinen Augen damit ein nicht optimales Paket abliefern.
Natürlich kann ich mit den Models darüber sprechen und ich mache dies auch. Eigentlich müsste man die Bearbeitung der Wunschbilder in Anwesenheit des Models machen. Das wäre glaube ich der optimale Weg für beide Seiten. Aber das kostet dann noch mehr Zeit.
vor 3 Monaten
Bearbeitung erfolgt ausschließlich im Beisein des Models sofort nach dem Shooting.
Das minimiert die Zeit und Menge der Bildbearbeitung ungemein
und die Wünsche des Models können exakt berücksichtigt werden.
also Frank (der TO)...ich denke Deine Bilder sind Deine Bilder und Dein Standard ist Deiner, den zurücknehmen verwässert das was dann beim Model ankommt. eher eine reduzierte Menge an Fotos bearbeiten. soweit ich das sehe machst Du so oder so mehr als ich, also sitzt Du eh schon an jedem Bild n Zacken länger rum. das schluckt mordsmässig Zeit und Nerven vor allem wenn man es an Bildern macht die einen selber nicht so interessieren. aber aus meiner Sicht möchte Dein Model schon Deine Ästethik...ich meine, wieso sollte sie (oder er) sonst mit Dir Fotos machen ?

Feedback ist immer so ne Sache, nach manchen Fototreffen hat sich bei mir der Kontakt praktisch erledigt. ansonsten kriege ich das ja über die Kanäle wie Instagram oder fb mit was gefällt oder nicht. und dadurch das die Leute wieder vor meine Kamera treten. oder eben nicht. am konkretesten ist es natürlich wenn Du die fotografierte Person schlicht fragst und um Feedback bittest. da sind manche zu faul zu, aber manche machen das sicher gerne.

Thema geschlossen