Model-Hände am Kopf: Gibt es überzeugende Bilder? 211

4 months ago
Aber schön, dass im Titel extra Model-Hände gesagt wird. Die könnten ja auch von sont wem sein. ^^
#201Report
4 months ago
..sieht bei ungünstigem Bildschnitt auch so aus. Unheimliche Hand aus dem off ;D
#202Report
4 months ago
Man kann die gesamte Kunstgeschichte durchforsten und wird
so gut wie keine "natürliche" Pose finden. Was ist
an den Posen griechischer Plastiken natürlich? Nichts. Und welche Geschichten
erzählen sie? Keine. Sie verherrlichen nur den menschlichen (oder göttlichen)
Körper. Historisch betrachtet war der reine, von allen mythischen, religiösen,
narrativen und sonstigen Bezügen befreite Akt ein wichtiger Schritt zur
Autonomisierung der Kunst.

Hier wie in anderen Bereichen läuft der Ruf nach dem
Natürlichen wie auch sonst fast immer - auf Kitsch hinaus.
#203Report
4 months ago
Rodivo
Hier wie in anderen Bereichen läuft der Ruf nach dem Natürlichen wie auch sonst fast immer - auf Kitsch hinaus.
Nach meiner Beobachtung vielmehr der nach "Posing", da gibt es mehr überzeichnende Anleitungen zum Künstlichen als solche zum Natürlichen. (Auch schon Ende des 19. Jh. in der Kunst, was auch Kitsch zur Folge hatte.)

Die Frage dahinter lautet also: Wie kitschig darf (oder gar soll) es eigentlich sein?

Und deine Feststellung der historischen Sicht halte ich schon für fragwürdig.
#204Report
4 months ago
Historisches Posing wirkt auf mich natürlicher. Historisch taucht weniger die Zahn-oder Kopfweh-Pose auf. Mal abgesehen vom typischen Denker. ;) Bei Aktstatuen tippen sie ans Schlüsselbein, halten einen Stoff an der Schulter oder stützen am Diwan den Kopf auf die Hand auf. Alternativ halten Sie seeeehr gerne was in der Hand. Klar, sonst erkennt man die Figur nicht. Aber kaum sitzt ne Eule auf der Schulter und eine Papierrolle in der Hand wirds plausibler. Oder Kränze, Krüge, Waffen, Zepter, Stäbe, Reichsäpfel.. Beim gemeinem Volk ohne Blingbling lohnt sich das viele Meisseln ja gar nicht. Quasi das Götter- und VIP-Branding des Altertums.

Natürlich verherrlichen sie das ästhetische. Zum eine weil es dem gesunden Idealbild entspricht. Und dass dann mal ein alter, glatzköpfiger, adipöser Zenturio als Adonis idealisiert dargestellt wird, ist auch klar. Sonst gibt's den Tod statt den Sold. Der Auftraggeber bestimmt. Also soooo frei war die Kunst früher sicher nicht.
#205Report
Bei eng geschnittenen Portraits werden solche Hände oft zu "Geisterhänden", also Hände, die aus dem Nichts ins Bild ragen und schlimmsten Fall die "Kopfweh-Pose" einnehmen. ;-)
Also immer dran denken, dass eine Anbindung an den Körper sichtbar sein sollte, sonst sieht es merkwürdig aus.
#206Report
4 months ago
Marcello RubiniWenn ich, spontan wie hier fast immer, so etwas schreibe, hab ich
meist noch andere Dinge im Kopf. Laut Rousseau ist der
Mensch von Natur aus gut, erst die Natur macht ihn
aggressiv. Also: Zurück zur Natur. Das nenne ich
Kitsch. In Wirklichkeit war der Mensch schon in
seinen Vorformen über viele 100 000 Jahre
ein Raubtier, und das wirkt nach. Erst die
Kultur macht ihn einigermaßen erträglich. Oder die
lieben Leute, die sich in den Wald zurückziehen,
um "ganz natürlich" zu leben: gut gemeint, aber
blauäugig. Sie dürften sich nicht mal einen Lendenschurz
umbinden. Wenn Menschen nur noch
"natürlich" dargestellt werden sollten,
dann wären wir alle - nun ja, nicht unbedingt
Akt-, aber doch zumindest Nacktfotografen.

In der bildenden Kunst sind posenfreie Abbildungen
höchstens als unbemerkte Schnappschüsse zu haben,
und die taugen dann meist nicht viel. Etliche
der berühmtesten "Schnappschüsse" sind in Wahrheit
überhaupt nicht authentisch, sondern
gestellte Aufnahmen, für die Menschen veranlasst wurden, irgendeine
Pose einzunehmen.

In der Malerei und Bildhauerei
haben wir es nahezu immer mit Posen zu tun. Kunst
heißt nun mal: gestalten, verdichten, dichten, idealisieren,
Wirkungen provozieren, zurechtbiegen, zuspitzen,
herausarbeiten - und vieles mehr. Posen gegen
das angebliche realistische/ungestellte/natürliche/authentische
Abbild auszuspielen ist Kitsch, denn: Realismus
in der Kunst unrealistisch. (Damit ist natürlich
nicht der kunsthistorische Realismusbegriff gemeint,
obwohl zum Beispiel gerade die im Zeichen des
sozialistischen Realismus entstandenen bildnerischen Werke
alles andere als realistisch wirken - was sie
keineswegs schlechter macht.)

Also: Nichts gegen Posen, Hauptsache das Bild
taugt etwas.
#207Report
4 months ago
Rodivo, okay, soweit "natürlich" als affektierte "Rückkehr zur Natur" verstanden werden soll, kann das in Kitsch ausarten. Aber so habe ich "natürlich" hier nicht verstanden, sondern als eine Körpersprache und -haltung, wie sie aus dem normalen Leben schlüssig und damit glaubwürdig erscheinen.
Und was ich als "Posing" bezeichne, ist an keine Schlüssigkeit gebunden (z.B. erzählerischer Natur) sondern eine artifizielle Haltung, die sich bestenfalls völlig abgekoppelt ästhetisch begründet. Schon dieser Ansatz trägt Gefahren des Kitsches in sich.

Und die Beiträge hier suchen ja nach einer Glaubhaftigkeit der Haltung.
Rein ästhetisch gesehen können die Hände quasi überall hingehalten werden.
#208Report
4 months ago
Marcello Rubini
Ich will hier keine Reklame für meine SC machen, nur etwas
verdeutlichen. In der zweiten Reihe von oben sitzt
das Model auf einem Stuhl und hat völlig
unmotiviert den linken Arm erhoben. Obwohl dieses Bild
auch noch technische Mängel aufweist (schwarze Hand, Haarsträhne
im Auge), ist es auf meinem bescheidenen Niveau
ziemlich gut angekommen. Ich denke,
der Arm wirkt als Blickfang - und hat sich damit schon gerechtfertigt.
Schlüssigkeit hin, Glaubwürdigkeit her.
Dass Likes keine Qualität verbürgen, ist mir klar!
#209Report
Hand aufs Herz: Die Hand am Kopf kann auch mal passen
#210Report
6 days ago
oder extrem gut wirken finde ich
#211Report

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