Ist Bildqualität heute noch wichtig ? 76

3 months ago
Schärfe und Co sind keine ausschließlichen Kriterien für gute Bilder. Es kommt immer darauf an, was man machen möchte, wozu die Bilder gemacht werden. Eine der erfolreichten Modefotografinnen der Welt, Sarah Moon, hat Unschärfe und Verwackelung zu ihrem Markenzeichen gemacht. Seit Jahrzehnten erscheinen ihre Fotos in der Vogue etc und erst vor zwei oder drei Jahren war eine ihrer musealen Retrospektiven in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Oder schaut euch das Werk eines der bedeutendsten japanischen Fotografen, Daido Moriyama, an, der seit den 1960er Jahren, als er Mitglied bei Provoke war, eine von Verwackelung, Unschärfe etc lebende Straßenfotografie macht. Empfehlenswert sind seine wohl schon über hundert Bücher unddie unzähligen Museumskstaloge (mein Favorit ist der Katalog des MOCA in Kalifornien von vor ca 10 Jahren, Stray Dog ist sein Titel, glaube ich.) Moriyama ist es u.a. wichtig, auch ohne Blick durch den Sucher Atmosphären einzufangen. Ihr seht, man kann einfach nicht von seinen eigenen Qualitätsvorstellungen ausgehen und sie verallgemeinern. Bei jeder Art zu fotografieren gibt es grandiose Macher und welche, denen es nicht gelingt, gute Bilder zu kreieren.
3 months ago
Ich glaube in diesem Thread ging es wohl eher um unbeabsichtigte Unschärfe oder gedankenloses Knipsen als um bewusst eingesetzte Stilmittel.
3 months ago
Ich werde wohl nie verstehen, warum jemand Bilder fürs Internet knipst, um damit möglichst viele Likes und Blablubb-Kommentare zu erhalten?

Das kann doch nicht der Sinn der Fotografie geworden sein - oder etwa doch?

Und btw @Felix_91 ... im Gegenteil: Landschaften bringen mehr und leichter Geld, als Aktfotografien, wenngleich diese als Einzelstück betrachtet dann wieder höher im Preis stehen.
3 months ago
Ich hab die Tage eine interessante Feststellung gemacht.... ich hab meine liebsten Bilder in DINA4 Größe bei saal digital drucken lassen, weil ich ein Portfolio machen wollte, in dem ich auch mal blättern kann... ich war schockiert, wie viele der Bilder, die am Rechner eigentlich prima aussahen in gedruckter Form wirkten.... nämlich viel viel unschärfer als digital. Und das lag nicht an der Bildqualität, das waren alles Printdateien mit einer hohen Pixelauflösung. Aber es hat die Sicht auf den ein oder anderen Fotogragen nochmal verändert, weul sie Arbeiten von ein paar Fotografen wirklich gestochen scharf waren.
Ich glaube aber auch, dass die Bildschärfe in der heutigen Zeit zunehmend unwichtiger wird.... vieles wird doch sowieso nur noch fürs Internet produziert... wer druckt sich seine Bilder denn noch aus? ^^
#65
Heute ist es nur noch wichtig wer ein Bild gemacht hat und wer darauf zu sehen ist. Wenn man es erst mal geschafft hat kann man den größten Mist hochladen (Selfies usw.) und bekommt trotzdem seine Likes, Kommentare usw. Bin gespannt wo das noch hin führt.
Mal eine Frage in die Runde:

Wo sind denn in der Prä-Internet-Ära die ganzen Fotos der Hobbyisten gelandet? Gehe ich recht in der Annahme, daß die in erster Linie in Schubladen verstaubten oder im besten Fall mal zum Treffen des Fotoclubs mitgenommen wurden, um sie dort herumzuzeigen?

Was ist also so schlimm daran, wenn man als Hobbyist heutzutage "nur" für Likes bei Facebook & Co knipst?

Und ja, ein bisschen Anerkennung ist natürlich angestrebt. Zugleich möchte man als Modelknipser natürlich auch ein paar Bildchen vorzeigen können, mit denen man wiederum wieder auf Modelsuche gehen kann. Irgendwas muß man den Models ja schließlich präsentieren. :-)



@ Heinz Drstak

Ein gewohnter Prozess, das mit dem Hinterherhinken von Trends. Die Hobbyisten hinken beispielsweise der Vogue hinterher und die Vogue hinkt beispielsweise dem ZOO Magazine hinterher.
#68
3 months ago
@Tom:
War bei deinen letzten beiden Posts irgendwie Alkohol im Spiel? ;)

Nein. Eher ein stundenlanges Blättern durch diverse Model-Instagram-Blogs...;-)
Bei dem ich dann irgendwann dachte: Okay, ich weiß, es gibt Menschen mit übergroßen Nasen. Aber doch nicht so viele...
3 months ago
ch werde wohl nie verstehen, warum jemand Bilder fürs Internet knipst, um damit möglichst viele Likes und Blablubb-Kommentare zu erhalten?

Aus demselben Grund, aus dem Leute andere Inhalte posten, um damit möglichst viele Likes zu bekommen. Menschen suchen Anerkennung für sich und ihr Tun, und in den Zeiten sozialer Netzwerke sind das nun mal eher Likes als Applaus auf dem Marktplatz.

Das kann doch nicht der Sinn der Fotografie geworden sein - oder etwa doch?

Fotografie ist eine Sprache, eine Form der Kommunikation. Mit der derjenige, der ein Foto macht oder ein Foto veröffentlicht, anderen Leuten irgendetwas zeigen möchte.

Sei es: "So sah meine Pizza heute abend aus!", sei es: "So sieht der Hermine nackt aus!", sei es: "Diesen Blick auf den Bodensee hatte ich heute vormittag in natura..." Sei es was auch immer.

Das Faszinierendste an vielen Fotos von Ansel Adams finde ich übrigens, daß man die Landschaft, wenn man selber mal an der Stelle steht, von der aus Adams ein Foto gemacht hat, überhaupt nicht wiedererkennt...
Adams arbeitet fotografisch ein Aussehen von Landschaften heraus, das mit dem tatsächlichen Aussehen der Landschaft nur begrenzt zu tun hat.
Das spricht nicht gegen seine Bilder, jeder der schon mal bewusster Landschaft fotografiert hat, kennt das Phänomen - man steht in der Landschaft und denkt sich "Hm... eigentlich sollte das hier jetzt doch ganz toll aussehen. Wieso ist es aber so banal?" Und dann fängt man an zu versuchen, das Besondere, das Dramatische, das nicht so Offensichtliche herauszuarbeiten und in ein Bild zu gießen.

Ist ein bißchen wie mit Aktfotografie - da sieht man auch öfter mal Fotos von einem Menschen und denkt "Wow! Einfach nur WOW!" Und dann steht man diesem Menschen gegenüber und denkt: "Hä? HÄ??"

Bis man erkennt: ne, so sieht die Dame in Wirklichkeit überhaupt nicht aus - aber man kann sie so fotografieren und so zeigen, daß sie dann für den Betrachter des Fotos so aussieht.
(Erinnert mich an ein Erlebnis mit meiner örtlichen CDU-Bundestagskandidatin und mittlerweile auch MdB. Vor der Wahl im September 2017 war natürlich alles mit ihrem Foto zuplakatiert. Hübsche Frau. Nein, eine wirklich schöne Frau. Und dann wollte ich sie ein paar Tage vor der Wahl empört durch den verbalen Reißwolf drehen, angesichts der unverschämten Forderung aus allen Parteien, die Legislaturperiode auf 5 Jahre zu verlängern. Damit die blöden Wähler nicht mehr so oft rumnerven und man bequemer durchregieren kann...
Also, dachte ich mir, jetzt bringe ich meine Empörung direkt an die Kandidaten. Der oder die Erste, die mir heute über den Weg laufen, kriegt die volle Ladung ab. Und ich mache ein Angebot: ich wähle den/die, der/die mir sagt: Ich werde ggf. dagegen stimmen.
Die Feiglinge trauten sich aber in den letzten Tagen vor der Wahl gar nicht mehr auf die Marktplätze. Gab nicht mal mehr Stände. Bis auf die CDU. Schließlich fand ich am CDU-Wahlkampfstand ein paar Leute. Und zwei große Plakate mit Bildern der Kandidatin. Und eine Frau, bei der ich mich fragte: "Ist sie das? Oder ist sie das nicht?" Ich habe dann vorsichtshalber einen CDU-Hiwi gefragt. Sie war es.
Nach einem etwa einstündigen Gespräch war mir dann aber klar: die ist nicht Teil der Lösung. Sie ist definitiv Teil des Problems...
Hübsch ist sie aber trotzdem. Auch in echt. Nur eben... irgendwie anders.)
3 months ago
ich war schockiert, wie viele der Bilder, die am Rechner eigentlich prima aussahen in gedruckter Form wirkten.... nämlich viel viel unschärfer als digital. Und das lag nicht an der Bildqualität, das waren alles Printdateien mit einer hohen Pixelauflösung. Aber es hat die Sicht auf den ein oder anderen Fotogragen nochmal verändert, weul sie Arbeiten von ein paar Fotografen wirklich gestochen scharf waren.

Im Durchlicht - als Dia - oder auf einem Display (Monitor, Bildschirm) mit eigener Leuchtkraft wirken alle Fotos deutlich kontrastreicher und schärfer als gedruckt oder ausbelichtet auf Papier.
Das liegt daran, daß der mögliche Kontrastumfang auf Papier um ein vielfaches geringer ist als im Durchlicht oder auf einem Display.
Und "mehr Kontrast" wirkt auf den normalen Betrachter immer als "schärfer". (In Wirklichkeit ist es vereinfacht gesagt aber genau andersherum. Wenn man Schärfe als Auflösungsvermögen - Linien pro Millimeter - definiert, dann ist die Schärfe sowohl von Objektiven als auch von Trägermedien umgekehrt proportional zum Kontrast. Je mehr Kontrast, desto weniger Linien pro mm, je mehr Linien pro mm, desto weniger Kontrast.)
3 months ago
Mal eine Frage in die Runde:

Wo sind denn in der Prä-Internet-Ära die ganzen Fotos der Hobbyisten gelandet? Gehe ich recht in der Annahme, daß die in erster Linie in Schubladen verstaubten oder im besten Fall mal zum Treffen des Fotoclubs mitgenommen wurden, um sie dort herumzuzeigen?

Die Antwort ist einfach: es gab viel weniger Fotos.

Als ich anfing, engagiert zu fotografieren, bin ich mit acht 36er Filmen für drei Wochen in den Urlaub gereist... Filmmaterial war nicht nur relativ teuer, und in Farbe sowieso, auch die Weiterverarbeitung kostete Geld, und wenn man auch nur 20 Filme - 720 Aufnahmen - entwickeln und Abzüge davon vergrößern wollte, war man eine Woche lang jeden Abend ein paar Stunden damit beschäftigt.

1977 verbrauchte ein dpa- oder AP-Fotograf im Schnitt fünf 36er Filme pro Tag. 5! Das war relativ viel. Der durchschnittliche Fulltime-Pressefotograf machte etwa 50.000 Aufnahmen im Jahr. Ich habe 1979, 1980 für ein ganzes Fußballspiel in der Verbandsliga maximal 4 Filme verbraucht. Mehr hätte ich am frühen Sonntagabend zwischen Abpfiff und Abgabeschluss gegen 22 Uhr in der Redaktion auch gar nicht verarbeiten können. Vom Stadion nach Hause fahren, Filme entwickeln, fixieren, trocknen. Sichten (ich hab's ohne Kontakte gemacht), dann die besten zehn oder fünfzehn Aufnahmen aussuchen und die vergrößern (was wieder entwickeln, fixieren, trocknen einschließt), und dann mit dem Kram in die Redaktion fahren...

Das galt für "Hobbyisten" noch viel mehr. Und die Fotos landeten dann in Albums, manchmal - selten - auch an der Wand. Oder wurden zu Weihnachten verschenkt. "Fotokalender" hat man noch mit Originalabzügen bestückt, die mit dem Klebestift auf Kalendervordrucke geklebt wurden...

Der große Traum von manchen war die Veröffentlichung in einer Fotozeitschrift, und die ganz ambitionierten haben sich an Wettbewerben beteiligt, zu denen Originalvergrößerungen mit der Post geschickt wurden. (Manche Wettbewerbe wollten sie aufgezogen, andere nicht. So oder so kamen die Bilder nach Monaten oft etwas ramponiert und verknickt zurück...)
#73
3 months ago
@ Edge
Versuchs doch mal da:
http://www.profotolab.de/
Die sind nicht schlecht!
2 weeks ago
Die technische Qualität (also Megawixel, Schärfe, Farbechtheit und Geruchsneutralität etc.) von Bildern ist
mir als Fotograf und auch als Betrachter erstmal völlig egal, Ausnahme: analogfilm, der weckt automatisch
Emotionen bei mir, auch wenn jemand einen Quadratmeter Autobahn damit fotografiert. Wen interessiert schon, welche Pinsel ein berühmter Maler verwendet hat, oder wer will behaupten die Anzahl seiner Pinselstriche sind ein Kriterium für die Qualität des Kunstwerkes.
Und der Grund, warum ich Fotos mache, ist nicht die Ergebnisse selber zu betrachten, sondern die Lust am "herzeigen" dieser Bilder.
#76

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