Der "Female Gaze" in der Aktfotografie 31

1 week ago
In der MK gibt es nur wenig Fotografinnen, und die, die hier aktiv sind, widmen sich nicht immer der Aktfotografie. Das ist insofern interessant, als dass es gerade junge Fotografinnen sind, die seit ein paar Jahren oftmals neue Ideen in die zeitgenössische Aktfotografie einführen, etwas, das sich hier in der MK nicht abbildet.

Fotografinnen, die sich mit dem Thema Akt auseinandersetzen, hat es natürlich immer schon gegeben, man denke nur an Bettina Rheims, Ellen von Unwerth, beide eher im Glamour- und Modebereich sowie der Werbung tätig, oder die früh verstorbene Francesca Woodman. Fotografinnen der mittleren und jungen Generation sind nach wie vor oftmals unbekannt, obwohl einige von ihnen Ausstellungen in Galerien und Museen haben, in der Berichterstattung regelmäßig thematisiert werden und häufig auch in den Sozialen Medien, hier sei Instagram hervorgehoben, sehr aktiv sind. Als Beispiele seien hier genannt Sarah Zak, die im letzten Jahr bei Seltmann + Söhne ihr Buch "#sarahlikesprettygirls" veröffentlicht hat, Eylül Aslan, deren Tinderprojekt vor ca. drei Jahren in der Kunsthalle Bremen zu sehen war oder die in New York lebende Polin Aneta Bartos, deren Bilder onanierender Männer derzeit in Berlin bei Chaussee36 ausgestellt werden und die auch an der Ausstellung "masculinities" im Martin-Gropius-Bau beteiligt ist. In Berlin drängt gerade die junge Fotografie-Quereinsteigerin Jacqueline Louan vermehrt an die Öffentlichkeit mit ihren großen Tableaus unbekleideter Frauengruppen. Hier auf der Mk fiel mir schon vor Jahren Resa Rot aus Leipzig positiv auf. Es gibt sehr viel mehr nennenswerte junge Fotografinnnen, die sich der Aktfotografie widmen, die den sogenannten Female Gaze in dieses Genre einführen.

Mich interessiert nun, welche jungen Fotografinnen – die sich auch der Aktfotografie widmen - euch in letzter Zeit aufgefallen sind? Wen findet ihr interessant, vielleicht sogar inspirierend, wen würdet ihr den MK-Mitgliedern vorstellen wollen und warum?
1 week ago
Female Gaze und aktuell (also nicht 15 und auch nicht 45 Jahre her) :

https://www.linsenflirt.com/paare
https://www.linsenflirt.com/creative-portrait

Von Portraits bis zu erotischen Miniaturen ... sonst sehen wir hier diese meist von männlichen Fotografen inszeniert, wenn "der Gärtner das Gebüsch trimmt" oder "Schneeflocken den Wald berieseln"
1 week ago
Zum Tinder-Projekt von Eylül Aslan habe ich nun die beiden Berichte in der Vogue und im Spiegel gelesen, und weil ich gerade noch im Bus saß : Auch wenn es hier um Akt geht - Frauen können sehr deutlich auch durch die Wahl ihrer Kleidung beeindrucken, dazu noch Styling und Make-up. Das denke ich, wirkt auch in die Aktfotografie hinein ...
Sie ist eine richtig gute Fotografin. Sie beherrscht den gesamten Prozess und ich finde ihre Fotos wahnsinnig cool
http://www.instagram.com/elfoxberlin
(auch auf der mk)
1 week ago
Neue Ideen? Mal ehrlich, seit es Fotografie gibt, ist doch inzwischen jedes Sujet bedient worden.
Einzig neu sind die Gesichter.
1 week ago
Es gibt/gab auch hier in der MK einige verdammt gute (auch Akt)fotografinnen, viele im Vergleich zum täglichen Photostream hier der lebende Gegenbeweis zu Mad Toms Kommentar. Naja, vielleicht richtig das in der Fotografie jedes Sujet schon bedient wurde, aber zumindest hier in der MK stechen sie schon heraus.

Ich schmeisse mal ein paar Favoriten wie Astrid Schulz Fotografie, Sprache der Seele, ResaRot, Mick Schultke in den Raum, die natürlich nur paar wenige Beispiele aus meiner Geschmacksblase sind (und hoffentlich wg. der Mentions jetzt nicht sauer sind). :)

Edit: Sehe jetzt erst daß Resa schon im Eingangsbeitrag erwähnt wurde... sorry! :D
1 week ago
#6 Die Frage war, ob es was neues gibt. Ich bin der Meinung, nein, es gibt nichts neues. Es war alles schon mal da. Das heißt nicht, daß es keine guten Fotografen/-innen gibt, die tolle Ideen haben ;-).
1 week ago
Ich habe ja schon beim Schreiben etwas zurückgerudert... Du hast Recht daß Fotografie wahrscheinlich ausgeschöpft ist, ich wüßte nicht was noch Neues kommen sollte bis es Holografien oder ähnliche Abkehr von 2D gibt. Und ganz ehrlich, umgehauen hat mich Fotografie nie, es gibt tolle Fotos und weniger tolle, aber daß mir in dieser Kunstform mal die Sprache wegbleibt erwarte ich eigentlich nicht.
1 week ago
Ich muss Mad Tom da entschieden widersprechen. Es gibt immer wieder großartige, frische, also neue Sichtweisen auf das Thema Akt. Zu recht Stars unter den Aktfotografen wurden beispielsweise Ren Hang und Ryan McGinley, die jeweils einen völlig neuen Blick auf das Thema Akt hatten bzw. haben und ihre ganz eigenen Bildwelten schufen und schaffen (Ren Hang hat sich vor einigen Jahren das Leben genommen, keine 30 Jahre alt), Bildwelten, die einen hohen Wiedererkennungswert haben. Und natürlich entwickeln auch viele der jungen Fotografinnen neue bildliche Ideen, die in jeder Hinsicht zeitgemäß sind und nicht nur neue Gesichter präsentieren. Diese Fotografinnen findet man nicht unbedingt auf der MK, aber u.a. im Kunstkontext.
1 week ago
Zunächst tangiert es mich nicht, ob der Schöpfer einer Fotograf weiblich, männlich...ist. Ich muss aber auch gestehen, dass ich die von den Medien angepriesenen Talente nicht beobachte und verfolge. Da gibt es oft ganz andere Motivationen als die Qualität der Bilder selbst.
Auf jeden Fall sind mir Künstler bzw. Serien nicht nachhaltig aufgefallen. Oft gefallen mir einzelne Arbeiten oder zwei, drei Bilder aus einer Serie gut. Es ist wie in der Musik. Da gibt es Protagonisten, die mir in der Tendenz ganz gut gefallen aber nicht in allem was sie machen.
Nach Genres alleine filter ich auch nicht. Mich sprechen so gut wie alle Genres an. In der MK schaue ich mich so gut wie nie aktiv um aber häufig sehe ich auch hier tolle Ergebnisse.

Das war zwar nicht die Fragestellung aber zur Inspiration nutze ich keine Ergebnisse anderer Künstler oder Fotografen, ich verstehe mich nicht als Copyshop. Theater und Kabarett sind tolle Quellen aber auch das Tagesgeschehen ist voll davon.

Fazit: Ja es gibt jeden Tag Neues zu bewundern aber ich habe auch nicht den Anspruch, dass die Fotografie immer wieder etwas revolutionär hervorbringt. Im Gegenteil Ich erfreue mich auch an handwerklich toll gemachten Arbeiten und wenn ich sehe, dass der Erschaffer sich dabei ein paar Gedanken gemacht hat.
1 week ago
Ehrlich gesagt sehe ich das großartig Frische in peppers Beispielen nicht, Wiedererkennungswert ja, aber nichts davon ist Revolution - gehypte Fotostars gab's gerade in der Kunstwelt schon immer und das wenigste davon habe ich verstanden geschweige denn gemocht. Ich sehe das nichtmal als Nachteil, denn bei meiner Persönlichkeitsstruktur würde ich mich nicht in Fotografie versuchen wenn es eine Kunstform mit unerreichbaren Limits wäre. Für mich ist es schwer mit zu hohen Qualitätsansprüchen und zu großen Idolen einzusteigen, daher ist aus mir z.B. kein Musiker geworden, da sind meine Ansprüche an mich selbst viel zu hoch. Aber dennoch, innerhalb dieses etwas enger gesteckten Rahmens Fotografie kann ich mich durchaus an sehr gelungener Fotografie erfreuen, es gibt Fotografen die finde ich sogar richtig toll. Aber es ist nicht der Level von Genialität (und damit auch Einschüchterung) von Kunstformen wie Musik. Es gibt keinen "Mozart oder Miles Davis der Fotografie".
1 week ago
Ich sehe das Frische in Peppers Beispielen schon und besonders auch das Zeitgemäße.

Auffällig ist bei vielen die konsequente Abkehr von klassischen Schönheitsklischees hin zur Erkundung der ungeschminkten Persönlichkeit bis hin zum Eindringen in ganz intime Bereiche. Letzteres oft auch im bloßen Wahrnehmen im Gesicht oder Naturkontext. Das entspringt auch der Beschäftigung mit dem Selbst, nicht umsonst sind da sehr viele stille Selbstporträts dabei.
Ich finde auch, Körperliches wird viel haptischer eingefangen und hat kaum etwas mit dem zu tun, was hier üblicherweise aufgeblättert wird.

So hat man zuvor das Selbstverständnis des Fotografierens nur selten aufgefasst. Und wenn man das an sich nicht neu finden will, so ist es als Bewegung in der Fotokunst schon sehr eigen. Und emanzipiert sich völlig von tradierten männlichen Erwartungshaltungen.

Neu ist vielleicht auch nicht der Verzicht auf technische Eleganz, aber der ist schon recht deutlich. Technische Raffinesse oder sogenannte Basics werden bei bewußter Anwendung auffällig oft als Zwischeninstanz erkannt, die die unmittelbare Begegnung zwischen Fotograf und abgebildetem Menschen behindert. Denn die Essenz des Gesuchten findet sich nicht über handwerkliche Fototechnik.

Ich denke auch, dass der Spruch "war alles schon mal da" ziemlich billig ist und nicht selten beweist, dass der Behauptende nicht wirklich aufmerksam und deutlich das Eigene und Besondere wahrnimmt oder sich nicht die Mühe dazu machen will. Vergleichbare Ausgangsgedanken führen nicht zu ähnlichen Ergebnissen.

Ich erkenne da schon einen neuen fotografischen Blick. Im Interesse und im Machen.
1 week ago
Casa de Chrisso zu #11
Diese neue Art des Fotografierens hat keinen Hype- oder Genie- oder Kultanspruch. Natürlich freut sich jede(r) über Aufmerksamkeit und evtl. Erfolg mit dem was er/sie macht. Das hindert nicht an Bescheidenheit. Dieser Umstand müßte dir doch entgegenkommen, wenn ich dich richtig verstanden habe.
Gute Position sich unaufgeregt mit dem zu beschäftigen, worum es eigentlich geht. Und du bist ja auch fündig geworden ....
1 week ago

Ich denke auch, dass der Spruch "war alles schon mal da" ziemlich billig ist und nicht selten beweist, dass der Behauptende nicht wirklich aufmerksam und deutlich das Eigene und Besondere wahrnimmt oder sich nicht die Mühe dazu machen will.
sorry, aber diese Rhetorik fide ich ziemlich anmaßend. Willst Du Meinungen hören oder die Nutzer missionieren? Jeder kann sich auch zu jedem Bild was zurecht schwurbeln aber es gibt aus meiner Sicht kein richtig oder falsch sondern subjektive Sichtweisen und darauf basierende Bewertungen.
1 week ago
MAINpics Die Rhetorik von Marcello Rubini ist keineswegs anmaßend, sondern analysierend, was in einer Debatte sehr wohl zulässig ist. Einer - auch in meinen Augen - etwas simplen Aussage etwas Fundiertes - und das ist der Gesamtbeitrag, aus dem Du gerade nur einen Satz zitierst - gegenüberzustellen, ist genauso eine ernstzunehmende Meinungsäußerung wie die, die Du gerade verteidigst. Anmaßend ist das nicht, vielleicht aber etwas unbequem. Ich kann auch keinerlei Missionierungswillen in Marcellos Beitrag erkennen, wohl aber einen Hinweis auf mögliche mangelnde Sachkenntnis des von ihm Kritisierten. Solch einen Sachverhalt zu benennen muss erlaubt sein und ist sicherlich nicht ehrabschneidend.
1 week ago
Macht es denn für Euch als Betrachter einen Unterschied welches Geschlecht der Künstler hat? Für mich hat das keine Relevanz, das Resultat muss mich irgendwie überzeugen.
1 week ago
Wenn es um den "Female Gaze" geht, läßt sich das weibliche Geschlecht wohl nicht ausblenden ... es geht also um die Künstlerinnen und Fotografinnen, und eben deren Sichtweisen (in Erinnerung an die "Diverse"-Diskussion könnte man allenfalls Transgender-Künstlerinnen eben mit einbeziehen)

Da pepper im Eingangsbeitrag Jaqueline Louan erwähnte, bringe ich als Gegenbeispiel doch nochmal Vanessa Beecroft ins Spiel :
Bei beiden sind nackte Frauen als Gruppe fotografiert/inszeniert, bei Beecroft in der VB55 stehen sie zunächst in Reih und Glied, wie auf dem Kasernenhof angetreten, nach Haarfarben getrennt, die Rothaarigen in der Mitte zwischen den Blondinen und Brünetten, und "durchsichtig uniformiert" in Feinstrumpfhosen.
Nach einiger Zeit wandeln sich die Haltungen, manche bleiben stehen, andere sitzen oder liegen.

https://jaquelinelouan.com/portfolio-item/where-we-come-from/

https://www.sueddeutsche.de/kultur/kunst-im-bau-steht-still-lacht-nicht-1.420425

https://www.instagram.com/jaqueline.louan/

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/beecroft-performance-die-nackten-und-die-zoten-a-350611.html

Auch bei "Where we come from" von Jaqueline Louan sind die Frauen zunächst in Kreisen und Spiralen angeordnet "sortiert", erscheinen dann aber "naturverbundener" in aufgelockerter Mischung sitzend, stehend, liegend, teils auch einander berührend, wobei einige auch ganz freizügig posierten - jedoch ohne mit einem Publikum in zehnfacher Überzahl konfrontiert zu sein.

In der bildlichen Nachschau ist dies aber schon beliebiger, welches dieser Fotos am meisten und am intensivsten betrachtet wird, und ob mehr Männer oder mehr Frauen es anschauen.
Stellt sich nicht auch die Frage, was die Models bewog, da oder dort dabei zu sein ... hätten die Frauen der "VB55" auch bei "Where we come from" mitgemacht, und umgekehrt ?
Und was wäre, wenn die darstellenden Frauen durch Männer ersetzt, oder paarig gemischt worden wären ? Also 50 Frauen und 50 Männer in der Nationalgalerie, oder 3 Dutzend Models im Wald und die Hälfte männlich ?
Wie hätten diese Inszenierungen sich dann von Spencer Tunick unterschieden ?
1 week ago
pepper was gibt es denn gegen eine simple Aussage einzuwenden? Nur durch Schwurbelei alleine bekommt eine Aussage nicht mehr Inhalt. Es muss jedem erlaubt sein, sich so zu artikulieren, wie er es kann oder für richtig hält. Ein Vorschlag. Könnte man vielleicht auf einzelne Arbeiten referenzieren, um Aussagen zu konkretisieren und "Sachkenntnisse" zu belegen bzw. eine These oder Meinung zur Diskussion zu stellen? Dies hielte ich für sinnvoller als einen gegenstandslosen Raum zu betrachten und darüber zu debattieren.
1 week ago
t.spors#16 Ja, für mich macht es das. Jedenfalls wenn erkennbar wird, dass eine geschlechtsspezifische Betrachtungsweise wesentlich das Ergebnis bestimmt. Wenn das nicht der Fall ist, ist es mir auch egal. Um ersteres geht es hier aber.

SEE so/easy/ey Du kannst nicht ein professionelles Reisemodel der MK mit einer Mitwirkenden im Kunstkontext oder einem Modell aus einem Aktzeichenkurs an der Kunsthochschule gleichsetzen. Völlig verschiedene Motivationen, Herangehensweisen und Welten.
Toll aber ziemlich selten sind die, die in beiden Welten gerne agieren.

@MAINpics: Es steht dir doch frei, auf meine "Schwurbelei" (ich habe den Eindruck, damit meinst du mich) eine Gegenthese zu antworten, ich würde mir das sogar wünschen. Das könnte durchaus erhellend sein. Ich erwähnte nur, dass eine knappe Formulierung wie "war alles schon mal da, nix Besonderes" mich wenig überzeugen würde.
1 week ago
Marcello Rubini die Schwurbelei meine ich im Allgemeinen. Wir hatten zu Schulzeiten in der Oberstufe im Fach Deutsch ein Spiel. Das Ziel war es mindestens 1 min einen Redebeitrag zu leisten, in dem inhaltlich nichts zum Thema beigetragen wurde, ohne aber bei der Lehrerin aufzufliegen. Und Du wirst Dir vielleicht denken können, was das Ergebnis war. In den meisten Fällen wurden die Beiträge von der Lehrerin mit Lob honoriert. Die "Schwurbelei" war seitdem für mich allgegenwärtig. Umso mehr freue ich mich über klare Formulierungen und deutliche Statements mit Substanz.
Und bitte, meine Schulmemoiren sind nicht auf dich gemünzt sondern eher dem Umstand geschuldet, das hier keine konkreten Bilder im Raum stehen, über die gesprochen werden. Ich schätze Deine Beitrage und freue mich über die Inhalte, die darin vorkommen.
Gerne können wir hier in die Diskussion kommen, ohne das Bedürfnis meinerseits jemanden zu überzeugen, und bevorzugt anhand eines Beispiels. Auf jeden Fall ist das Ausgangsthema vielversprechender als die wiederholenden Frustrationsbeiträge zu TFP Chancen, Wandermodellen oder misslungenen mobilen MK Versionen.

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