Der "Female Gaze" in der Aktfotografie 31

1 week ago
Damit das nicht unter geht.
Danke an Marcello Rubini und pepper für die von Euch kürzlich angestoßenen neuen Themen. Sie sind ein wertvoller Beitrag für die MK Forumsdiskussion und die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Fotografie, gerade weil man hier so unterschiedlicher Meinung sein kann.
1 week ago
@ MAINpics
Die unterschiedlichen Meinungen finde ich auch interessant, eben weil die hier genannten Künstlerinnen auch so unterschiedlich oder eben auch vergleichbar sind ...
#23
1 week ago
SEE so/easy/ey Interessante Gegenüberstellung der Arbeiten von Louan (die, wie gesagt, noch ganz am Anfang einer möglichen Karriere steht) mit denen von Beecroft und Tunick. Ich hatte seinerzeit das Glück, Beecrofts Inszenierung in der Nationalgalerie Berlin sehen zu können. Eine Tolle Arbeit. Die Fotos sind ja quasi das Nebenprodukt davon. Wenn ich mich jetzt richtig erinnere, hat Beecroft die teilnehmenden Frauen bezahlt. Sie hat sie vorher auch selber gecastet oder casten lassen.
1 week ago
@ pepper

Du hast ja einige interessante Fotografinnen genannt mit teils sehr vielseitigem Spektrum. Als ich dann zu Jaqueline Louan "recherchierte", fielen mir die konzeptionellen Parallelen zu Vanessa Beecroft auf, aber auch deren konträre Gestaltungen.
Und super, daß Du damals dort warst, und quasi unser "Augenzeuge" bist, auch wenn diese Performance schon 15 Jahre her ist. Meine Kenntnisse sind auf die damaligen Medienberichte beschränkt, aber ich wäre da auch sehr gerne dort gewesen. Klar, da ging es auch um die Wechselwirkung zwischen den Darstellerinnen und dem Publikum - wobei da (dem Nylonfetisch zugute, so wie bei Newton dem S/M-Gedanken) das Publikumsinteresse seitens der Veranstalter offenbar vollkommen unterschätzt wurde. Wie meine SC hier wohl hinreichend zeigt, bin ich da auch sehr affin, und so war mir sofort klar, daß durch die Strumpfhosen das Ganze noch getoppt wurde !
1 week ago
@ pepper ... Ergänzung :
Hier habe ich es gefunden - die Gage betrug 350 € und der Eintritt 10 € :

https://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/vanessa-beecroft-versammelt-100-nackte-berlinerinnen-zu-einem-lebenden-bild

Und so unterschiedlich sind die redaktionellen Meinungen : Hier wird der Voyeurismus immerhin als gewollt und einkalkuliert benannt, gleichwohl aber mit "Erotik ? Fehlanzeige" umschrieben, so wie auch anderenorts von peinlicher Betroffenheit geschrieben wurde. Eine "Kollision der Blicke" aus 20 Metern Distanz ... was wohl auch nur die jeweils vordersten Reihen betraf, dürfte aber auch von der Verweildauer der jeweiligen Zuschauer abhängig gewesen sein. Vielleicht ist es manchen Zuschauern auch gelungen, längere Zeit oder sogar die gesamten 3 Stunden dort zu verweilen.
Die Castings seien "direkt vor Ort" erfolgt, die meisten Frauen dürften also aus Berlin und Brandenburg gekommen sein. Denkbar ist aber auch, daß manche dafür extra aus größerer Entfernung anreisten, um bei dieser Performance mitzuwirken.
Nur die Gagen beliefen sich demnach insgesamt schon auf 35.000 € ... um keinen Verlust zu machen, wären also eh min. 4.000 Besucher erforderlich. Der Ansturm von Tausenden müßte somit doch ganz gewollt gewesen sein ;-)) Aber die Frage nach einer gewinnträchtigen Gestaltung von Kunst wäre ein anderes Thema ...
1 week ago
SEE so/easy/ey Danke für die Infos. Ihr Geld verdient Beecroft ja vor allem mit den Fotografien. Für den Abend der Performance wird sie wahrscheinlich ein Honorar von der Neuen Nationalgalerie erhalten haben. Das Eintrittsgeld wird dafür als Museumseinnahme verbucht worden sein.
1 week ago
@ pepper
Gerne ! :-)) Von der VB55 gibt es aber leider kein Buch ... nur von der VB53 als Einzelwerk "Signed Edition", sowie das VB 08-36 erschienen bei Hatje Cantz 2000. Ein Beecroft-Buch namens VBLV existiert auch, aber da stand das LV aber nicht für 55, sondern für Louis Vuitton.
Insofern war die VB55 wohl auch finanziell gesehen ein tolles Geschenk an die vielen interessierten Besucher. Bei 40 statt 10 € Eintritt wäre die Bilanz ausgeglichen gewesen ... (oder haben die "Frontfrauen" in den vorderen Reihen, aber eben nur diese die höheren Gagen erhalten)
Wie war denn Dein Eindruck ...? Konntest Du problemlos hin und her gehen, vielleicht doch auch an den Seiten entlang der Säulen ? Denn dieser Bericht spricht auch wieder von Tumult, von Geschiebe und Gedrängel :

http://www.kunstmarkt.com/pagesmag/kunst/_id77242-/journal_berichtdetail.html?_q=%20
1 week ago
Ich finde die finanziellen Überlegungen soweit nicht konstruktiv für die leitende Fragestellung.

Die Vermutung, dass zwischen künstlerischer Absicht und verzerrender Rezeption ein Widerspruch auftauchen könnte, schon eher. Wenn man das (mehr oder weniger bewußte Missverständnis) als verallgemeinerndes Problem (Risiko) bei erotischer oder intimer Fotografie in den Raum stellt, tut sich ein auch jenseits davon bekanntes Problem in der zeitgenössischen Kunst auf.
Ich habe aber vielmehr das Gefühl, dass die betroffenen Künstlerinnen/Fotografinnen sich darüber hinweg setzen, um ihren Anspruch nicht zu gefährden. Das halte ich für richtig. (Konkret am Beispiel: Die Strumpfhosenlösung als künstlerische Strategie aufzugeben, weil ein paar Fetischisten anreisen könnten ...)
1 week ago
@ Marcello Rubini
Das Mißverständnis als Risiko ... stimmt, mißverstanden zu werden, oder das Publikum zu irritieren, oder aber auch zu sensibilisieren, ist ja auch Bestandteil des modernen Theaters. Und da kann es dann auch sein, daß z.B. Uniformfreaks und Fans von NS-Symbolen da hingehen, nur um diese inszeniert zu sehen, obwohl die Intention des Regisseurs völlig gegenteilig war.
Wohlgemerkt kein Aufruhr, keine Buh-Rufe, nur die heimliche und rein visuell genossene Freude, dies so gesehen zu haben, genauso wie ein Voyeur mit fetischistischer Neigung .... auch wenn die Assoziation mit einem Appell im Straflager bezweckt war.
Um hier zum "female gaze" zurückzukehren ... Beecrofts Inszenierungen geschehen vielleicht überhaupt wie von einer männlichen Warte aus, und rufen wohl vorwiegend männliches Publikum auf den Plan, auch wenn gerade die Berliner Performance doch von einer abweisend kühlen und herben Anmutung geprägt sein sollte. Mit Strapsstrümpfen hätte sie den erotischen Effekt gezielt hervorgekehrt, und ganz nackt ? Farblich sortieren wäre eine Option gewesen ... schwarze Strumpfhosen für die Brünetten und die hautfarbenen für die Blondinen. Oder "deutsche" Farben historisch verknüpft : Die Strumpfhosen in schwarz, weiß und rot, passend zu den Haarfarben schwarz-brünett, rot und gold-blond. Als symbolhafte Aussage wäre es mir so plausibler.
Die Berichterstattungen klingen aber so, als hätte sie vorrangig den Tumult vermeiden sollen ... dann hätte sie unter Beibehaltung der sonstigen Gestaltung da besser 100 Männer hinstellen müssen ?

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