Das letzte Shooting ... 11

Das Thema zum Verbleib unserer Bilder, wenn wir verstorben sind, bringt mich noch auf einen anderen Gedanken - so wie in diesem Zitat anklingend :

Man könnte ja zu gegebener Zeit die Modell-Fotografie aufgeben und sich der Fotografie von Gartenpflanzen widmen.


Ist man in einem Lebensabschnitt, in dem die persönlichen Kontakte immer weniger werden, weil mehr Freunde und Verwandte sterben, als man neue kennenlernt ? Oder ist man aktiv dabei, neue Kontakte zu knüpfen, weiteren Menschen zu begegnen ? Und woraus besteht das Fotohobby ? Shootings und nochmal Shootings, oder gäbe es noch viele andere Motive, wie eben Gartenpflanzen ? Wobei das Wort Gartenpflanzen auch die Frage nahelegt, ob man im Garten noch einpflanzen, jäten, mähen usw. kann - denn das wäre in etwa auch ein Gradmesser, wie intensiv und flexibel man noch Shootings machen kann.

Mehrere Antworten sind möglich, und wer hier etwas schreibt, möge bitte auch "ich formuliere meine Antwort selbst" anklicken.
1 year ago
Man kann auch abwechselnd Gartenpflanzen und Modelle fotografieren. Ich lasse meine Zeit nicht in Lebensabschnitte aufteilen. Die meisten hier sind keine 25 mehr und wissen, dass der Alterungsprozess meist eine langsame Angelegenheit ist, die fast alles, was man so tut schwieriger werden oder erscheinen lässt. Manches wächst aber auch - beispielsweise die Erfahrung. Da nicht vorhersehbar ist, wie man sich beim Altern entwickeln wird, ist es verlorene Zeit, das genau zu planen.

Dass ein Shooting das letzte war, werden die meisten von uns erst danach realisieren.
Ich möchte doch noch berühmt werden.

Das finde ich gut. Das ist doch ein Grund nicht freiwillig aufzuhören. :))
1 year ago
Eines der spannendesten Momente in der Fotografie mit Menschen ist die Auseinandersetzung mit aller Art von Menschen. Ob diese Bilder die Grenze zur Ewigkeit überschreiten ist dabei das kleinste Problem.
Ich kann über vieles mitplaudern. So geniesse ich Diskussionen mit Modellen aus allerlei Berufsgruppen von der Verkäuferin im Lebensmittel Grosshandel über Pflegefachpersonen über Mathematikerinnen, Ärztinnen, KunsthistorikerInnen, Missen aus allerlei Wahlen und Krebskranken. Vor allem wenn ich Portraits versuche ist mir auch die intellektuelle oder zumindest sprachlie Auseinandersetzung wichtig.
Das mit dem "Menschen kennen lernen" und "diesen Kontakt zu halten"geht leider immer mehr verloren.
Ich hätte gerne zu so einigen Menschen (Modellen) welche ich so im Leben kennen gelernt habe einen längeren und öfteren / intensiveren Kontakt gehabt.

Leider sind die "jungen Menschen" zu schnelllebig geworden.
Heute kennen lernen und übermorgen bist Du schon aus deren Leben verschwunden.

Ich denke aber das diese Menschen, es mit dem älter werden, auch zu schätzen lernen wie wichtig manchmal Kontakte sind.
1 year ago
Als ich klein war, da bin ich gerne zu einem Bekannten gegangen, welcher für Vorträge immer Kakteen fotografiert hatte. Ich fand das immer spannend.
Leider war das noch in den 70er Jahren und auf die Idee Frauen in Nylons abzulichten wäre ich selbst nie gekommen. Es klingt verrückt aber ich dachte immer das dann die Welt den Atem anhält.
Später, als ich es dann tatsächlich tat, interessierte sich erstmal kein Mensch dafür. Logisch, warum auch. Da bin ich nicht der einzige gewesen. Aber ich dachte das.
Heute kann ich mich darüber nur amüsieren.

Bilder von Gartenpflanzen, das braucht man sicher keinen Termin zu machen.
Aber ist das so interessiert wie eine reale Frau mit Fleisch und Blut?
Hält man keine Vorträge auf diesem Gebiet so kann die Fotografie von Pflanzen schnell langweilig werden.
Interessanter empfinde ich da schon wie sich die Umgebung verändert hat. Wie sah es früher bei uns aus und wie jetzt? Teilweise hat sich da enorm was getan.
Früher hatten wir im Dorf 5 Bäcker, 5 Einkaufsstätten, 3 Tischlereien, 2 Schlossereien, ein Fischgeschäft, ein Schuhmacher und einige sonstige Geschäfte. Heute: fast nix mehr! Eigentlich sehr traurig.
Da hat sich viel verändert. Aber mehr zum Nachteil.

Was man noch fotografieren könnte, wäre die Jetzt-Situationen aber in 3D.
Das macht kaum einer. Die 3D-Fotogrfie ist sehr spannend und hat mit Sicherheit Zukunft.
Noch muß man sich die 3D-Bilder mit einer Farbbrille ansehen, es gibt auch Polarisationsbrillen- aber die werden kaum genutzt.
3D hat ein großes Zukunftspotential, besonders wenn man irgendwann 3D-Bilder ohne Brille betrachten kann.
Als "rüstiger" Rentner kann man vieles unternehmen - radfahren, wandern, im Garten arbeiten, vielleicht auch Motorrad fahren und Fußball spielen. Wer Sport betreibt, Gitarre oder Saxophon spielt, wird gewiß auch problemlos zur Kamera greifen können. Vielleicht war/ist man aber schon mit 40 oder 50 so beeinträchtigt, daß gelenkig balancierende Tätigkeiten und die ruhige Hand, die man für das Auslösen freihand benötigt, mittels Stativ und Fernauslöser zu unterstützen oder ersetzen sind. Da hat man dann aufgrund der begrenzten eigenen motorischen Fähigkeiten auch Hemmnisse, die den Verlauf eines Shootings beeinträchtigen, was die Anforderungen an sich selbst wie auch an das Model betrifft. Eine schnelle Schußfolge auf das tanzende, springende oder sonstwie in Bewegung befindliche Model wäre somit wesentlich erschwert, und ein längeres posierendes Ausharren des Models notwendig.
"Ich habe dieses Bild gemacht" ... den Aufwand und die Mühen, die der Erzeugung dieser Aufnahme vorausgingen, können im Bild erkennbar sein oder auch nicht - und so kann der subjektive Wert eines solchen Resultats doch weitaus höher sein als der objektive, den die taxierend betrachtenden Experten dafür ermitteln. Dabei ist in der Malerei etwa "mundgemalt" oder "fußgemalt" durchaus als Leistung anerkannt.
1 year ago
Ich habe zu Coronazeiten angefangen, die Blumen aus meinem Garten zu fotografieren.
https://fineartphotoawards.com/winners-gallery/fapa-2022-2023/professional/nature
1 year ago
Das hast Du sehr gut gemacht! Die Blumen sehen toll aus.

Zur Corona Zeiten hatte ich im Studio viele Modelle abgelichtet.
Das Studio war ja fast immer frei.
Was wäre denn bei einer 8 Jahre dauernden Bettlägerigkeit oder eben so starken Bewegungseinschränkung, daß man z.B. kaum noch eine Treppe gehen kann ? Nur jede/r Vierte oder Fünfte wäre daran interessiert, sich in dieser Phase das eigene bildli- che Lebenswerk vor Augen zu führen ... 'doch noch berühmt zu werden', indem diese Bilder vielleicht erst Generationen später, im 22. Jahrhundert wertgeschätzt werden, wünschen sich doppelt so viele. Das jetzt und heute im Lebenszyklus - aktiv Ideen umsetzen und aktiv Kontakte knüpfen - ist vierfach wichtiger (je 8 zu 2 für die Resultate), aber wo ist die Phase des Genießens der eigenen Früchte und Erfolge ?
Als Zwischenbilanz halte ich fest :
- Shootings sind 'ferner liefen', anderes ist wichtiger : 10
- Möglichst vielen interessanten Menschen begegnen : 10
- Möglichst viele Ideen verwirklichen : 9
- Möglichst lange Shootings machen : 8
- Ich möchte doch noch berühmt werden : 4
- Möglichst oft meine Bilder betrachten : 2

Im Thema von heiko leipzig geht es auch um die Frage, was am Tag X aus einer Fülle von Aufnahmen werden und übrigbleiben soll - einer Menge von 100 wichtigsten, ausgewählten oder aber vielleicht 5.000, 15.000, 70.000 oder 150.000 Aufnahmen aus 1000 oder 10.000 unterschiedlich gestalteten Sets mit 10 oder 20, 100 oder 200 oder eben gar 1000 Menschen - denn es gibt ja Bildbände wie '1000 Portraits' oder '1000 Akte'.
Wenn ich dies auf ein anderes Hobby umlege, wo kontinuierliches Aufbauen und Vervollständigen, Tauschen und Besprechen des selbst gewählten Themas wichtig ist, sähe dies
so aus :
- Sammelhobby ist egal, anderes ist wichtiger : 10
- Sammler/Bastlertreffen, Vereine und Flohmärkte besuchen : 10
- ein interessantes Sammelgebiet und dazu die besten Exponate haben : 9
- möglichst oft und lange Events (Messen, Börsen, Vereine) dazu besuchen, Kataloge und Infos dazu lesen : 8
- meine Sammlung ist so einzigartig, daß sie Wettbewerbe gewinnt und in Museen und Ausstellungen gezeigt wird : 4
- möglichst oft die eigene Sammlung betrachten : 2

90% erarbeiten sich ein tolles Sammelgebiet, spezialisieren und konzentrieren sich darauf und suchen und sammeln dazu die besten und passendsten Exponate, aber nur 20% genießen es, die vollständig abgeschlossene Sammlung selbst zu betrachten, sich tagtäglich oder jedenfalls immer wieder in dessen Betrachtung zu erfreuen ? Das Italien-Album ist voll und kommt in den Schrank, dann suche und sammle ich Frankreich und gleichzeitig noch Österreich - und dann sammle ich noch Luftpost weltweit, schaue aber die Italien-Sammlung nie wieder an ? Wenn man Italien nun nicht mehr interessant findet und dieses Album seit 10 Jahren nicht mehr angeschaut hat, dann verkauft man das, um die Luftpostsammlung weiter betreiben und vervollständigen zu können ... oder man blättert im rollbaren Sessel sitzend und in Erinnerung an Apulien und die Toskana schwelgend durch das Album ...
Und deshalb hat man doch auch Gina, Veronika und Erika fotografiert, um deren tolle Schönheit und wunderbare Ausdruckskraft immer wieder anschauen zu können ?

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