Die Aktfrage 122

3 months ago
Ich habe mir mal Gedanken darüber gemacht warum ich eigentlich Akt Fotografiere.

https://martin-hirsch.com/der-aktfaktor/

Auslöser dazu war mal wieder die übliche Frage eines Außenstehenden. Nachdem sich da doch ein paar rege Diskussionen zu dem Thema entwickelt haben, möchte ich das hier auch mal zur Diskussion stellen.

Ich sehe in der Beantwortung dieser Frage übrigens keine Rechtfertigung, sondern eher als Versuch der 'neuen Prüderie' etwas entgegenzuwirken, bevor beim Fragesteller eine extreme 'Radikalisierung' eintritt, wie sie leider mittlerweile schon oft zu beobachten ist.
3 months ago
Nun, das ist einfach zu beantworten. Mir macht es Spaß; es ist der Bereich in der Fotografie, der mich - wenn es um die Frage des Selberfotografierens geht - am meisten interessiert. Außerdem betrachte ich gerne schöne Frauen, bin also auch Voyeur (was nach der Gomringer-Debatte schon eine gewagte Äußerung ist). Als weiterer Aspekt kommt hinzu, dass ich mit eben diesen Fotos auf dem Kunstmarkt bisher ganz ordentliche Erfolge erzielt habe und auch deshalb weitermache. Hier ein Interview mit mir aus dem Jahr 2013 über meine Arbeit und wie ich dazu gekommen bin: http://www.obstundmuse.com/pepper/
interessant, da ich da selber nie ne druckreife Erklärung für habe schaue ich mir Deinen Ansatz gerne an...ich komme bei der Frage nämlich regelmässig ins Schwimmen...und denke ich müsste mich rechtfertigen. für mich ist vermutlich Dein Aspekt der Ehrlichkeit am Relevantesten. kein Versteckspiel, der Mensch nackt und nackt quasi.
3 months ago
Rechtfertigen will ich mich da definitiv nicht. Aber ein bisschen Aufklärung und Abgrenzung von irgendwelchen 'Hauptsache nackt' Knipsern kann nicht schaden :D
3 months ago
Wie ich neulich schon mal darstellte:
Von allen sich aus Aktshootings ergebenden Aspekten macht mich am glücklichsten der Moment, in dem das Model mir durch Entfernen ihrer gesamten Kleidung ausdrückt, dass sie sich bei mir wohl fühlt und mir vertraut.

Ich bin da also eher spirituell als sexuell unterwegs, und damit führen Models und ich bisher immer ganz vorzüglich.

Leider macht die besagte "neue Prüderie" Aktshootings für eher mittelmäßige Fotografen kaum noch erhältlich bzw. wenn dann kaum noch bezahlbar. Und so ist mein Account relativ tot .
was ist denn der Hintergrund der Leute die Dich fragen, also welches Bild haben die denn davon, was ist deren Vorstellung !?

der Aspekt der Abgrenzung macht auf alle Fälle Sinn :)
Ben...Deinen Beitrag hatte ich so undeutlich im Hinterkopf...das ist etwas was ich auch so empfinde...das Vertrauen meines Gegenübers ist Teil des Ganzen. das ist besonders.
3 months ago
Mir fällt dazu immer ein Fernsehbeitrag eines langjährigen Frankreich-Korrespondenten der ARD ein. Als den Posten in Paris aufgab und nach Deutschland zurückkehrte, machte er eine kleine Serie von Reportage-Features aus Frankreich für den "Weltspiegel".
Ein Feature beschäftigte sich mit einem französischen "Werbepapst", und den fragte der Korrespondent, warum eigentlich Sex und Erotik eine so große Rolle in der französischen Werbung spielen würden, eine deutlich größere Rolle als in anderen westlichen Ländern.

Der "Werbepapst" antwortete darauf: "Ein Drittel des Lebens ist Sex und Erotik. Und deshalb ist in Frankreich auch ein Drittel der Werbung Sex und Erotik..."

Finde ich bis heute überzeugend.

Warum "Akt-Kunst"? Weil der Körper des anderen oder auch des gleichen Geschlechts den Menschen fasziniert, und der auf diesen Körper gerichtete Sexualtrieb neben dem Überlebenstrieb der stärkste Trieb überhaupt ist. Beim Menschen gerne auch entkoppelt vom Fortpflanzungstrieb, dafür dann kulturell verarbeitet.

Auf die Frage "Warum fotografierst Du nackte Frauen?" ist meine Antwort immer: "Stell Dir vor, Du gehst durch die Fußgängerzone, und plötzlich kommt Dir eine von Dir als hübsch empfundene nackte Frau entgegen. Drehst Du Dich um und guckst ihr hinterher? Ja? Ich auch."
3 months ago
Rechtfertigen will ich mich da definitiv nicht. Aber ein bisschen Aufklärung und Abgrenzung von irgendwelchen 'Hauptsache nackt' Knipsern kann nicht schaden :D

Wieso sollte sich ein "Hauptsache nackt Knipser" denn rechtfertigen müssen?

Entweder muss sich keiner rechtfertigen, oder alle... Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, warum man sich von jenen "abgrenzen" müsste, zumal die Einstufung sowieso subjetiv und Geschmackssache ist.
#10
#11
3 months ago
Ich frag mich wo ihr immer diese "neue" Prüderie seht. Mein Eindruck ist eher daß wir sowas von übersättigt an billigen Nacktbildern sind daß es wieder eine gesunde Nachfrage an mehr Qualität gibt, daran hab ich überhaupt nichts auszusetzen.
Also ich "kann" Akt nicht, ich habe aber die Möglichkeit nackte Menschen zu fotografieren, welche ich bei Frauen wahr nehme. Mein Antwort kokettiert durchaus mit dem "was der Fragesteller hören will (vgl. Blogeintrag Threadstarter). Ich sage dann immer: Es ist schon schick, wenn eine schöne Frau mich fragt "soll ich mich jetzt ausziehen?"... (tatsächlich so passiert)

However. Ich bin einfach gestrickt. Ich finde es toll diese Möglichkeiten zu haben und sie zu meinem Hobby zu machen. Ich mache Fotos, die ich selbst gerne sehen würde. Fine Art Akt bewundere ich und erfreue mich daran, bin selbst aber weit davon entfernt. Genauso bewundere ich aber auch die Anarchie eines Russ Meyers.
Also Titten raus Mädels, schön dass es sowas gibt...

Eine neue Prüderie kann ich nicht unbedingt erkennen, wohl aber dass das Lager zwischen Hatern und Lovern genauer definiert wird und die Grauzone etwas schwindet.
3 months ago
Ein sehr gut geschriebener Blogartikel mit gelungenen, geschmackvollen Bildern, gefällt mir sehr gut! Die gezeigten Aufnahmen ergänzen den recht knapp dargestellten Text auch so, dass man versteht, worum es dir Martin, also dem Autor geht und deine persönliche Sichtweise wird deutlich.

Nun darf ich ein bisschen Adocatus Diaboli spielen (das aus der Sicht einer Bloggerin, die selbst schon über Akt geschrieben hat und ähnliche Probleme bei der Beantwortung hatte). Keins der Bilder ist eigentlich ein Akt im klassischen Sinn, am ehesten noch das letzte Bild (das ich übrigens Weltklasse finde). Letztlich entziehst du dich damit der Frage, weshalb du Akt fotografierst, indem du ein anderes Sujet beschreibst: Ästhetik, Andeutung, Zurückhaltung, Wertschätzung der Person. Das ist Personenfotografie mit wenig Textil bis verdeckter oder angedeuteter Teilakt. Das eigentliche Thema, deine Aktfotografie, ist im Artikel abwesend.

Wer einen nackten Menschen fotografiert, egal ob mit Textil garniert oder mit ganz wenig Licht angedeutet, wird sich immer angreifbar machen. Schon allein auf einem Blog explizite Fotos zu zeigen, würde Stirnrunzeln heraufbeschwören, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass man dann einen Jugendschutz einbauen muss und wer will das schon ...

Ich gewinne aus dem Artikel den Eindruck, dass der Autor sich der Eingangsfrage elegant entzogen hat.
3 months ago
Ich antworte auf die Frage immer das mir Angeln zu langweilig ist und Bergsteigen zu gefährlich.
@pam.meier
finde ich eigentlich nicht so. Der Duden beschreibt "Akt" als: 4.(bildende Kunst) künstlerisch [stilisiert] dargestellter nackter menschlicher Körper
Von der alleinigen Sichtbarkeit primärer oder sekundärer Geschlechtsmerkmale steht da nichts. Das es den Shootingbereich "verdeckter Akt" oder "verdeckter Teilakt" gibt ist witzig, aber nicht die Norm. Im Grunde genommen bedeutet dann ein "verdeckter Teilakt" angezogen sein.
#17
3 months ago
@Pam: Ein verdeckter Akt ist wieder Name schon sagt durchaus ein Akt. Auch das verdecken der primären Geschlechtsmerkmale durch die Pose (siehe Bild 2 des Blog Beitrages) macht aus einem Akt keinen Nicht-Akt. Von daher stimme ich dir da nicht ganz zu. Ein Akt muss keineswegs bedeuten dass man Lippenlesen kann. Das ich persönlich eher zu ästhetischem Akt als zu Schnappschüssen neige, hat da wenig damit zu tun.

@BS: Gute Antwort :D

@TomRohwer: Da hast du mich missverstanden. Ein Nacktknipser brauch sich genau so wenig zu rechtfertigen. Aber ich persönlich möchte mich von diesen Leuten dann doch abgrenzen. Selbst gut gemachter Pornart spricht mich deutlich mehr an als einfach mal draufzuhalten wenn was nacktes vor der Linse rumhüpft. Genau diese Leute (obacht Verallgemeinerung) sind es doch, die der Aktfotografie (und nicht nur dieser) einen schlechten Ruf verpassen.
3 months ago
@BS: Gute Antwort :D


Neugier kann man auf unterschiedliche Art und Weise begegnen ^^

Wer Blümchen/Tiere/Eisenbahnen fotografiert wird nie gefragt "warum" er das macht.
3 months ago
@Martin Hirsch: "Genau diese Leute (obacht Verallgemeinerung) sind es doch, die der Aktfotografie (und nicht nur dieser) einen schlechten Ruf verpassen."

Ich beschäftige mich nun schon seit sehr langer Zeit mit Fotografie und kann nicht feststellen, dass Leute, die "einfach mal draufzuhalten" auch nur ansatzweise irgendeinen schlechten Einfluss auf den Ruf der Aktfotografie haben.

Wer überhaupt keinen Akt mag, wird nicht weiter beeinflusst durch diese Leute, denn er/sie findet die Schnappschüsse sowieso blöde, genauso wie alle anderen Akte auch. Wer hingegen ein Interesse an der Aktfotografie hat, aber zum Beispiel nur auf Glamour, Life Style etc steht, dem werden womöglich trashig gemachte Akte nicht gefallen. Er/sie wird diese Aufnahmen unter Umständen auch gar nicht verstehen (was man auch nicht immer erwarten darf. Erwarten darf man in solch einem Fall lediglich, dass diese Person dann nicht glaubt und kundtut, dass nur seine/ihre Meinung Gültigkeit besitze, denn das ist sicherlich nicht der Fall). Und schließlich gibt es die Menschen, die Akt ganz generell interessant finden und da auch keinerlei Scheu haben einen tradierten künstlerischen Akt ebenso spannend zu finden wie einen Schnappschuss aus dem Schalfzimmer eines Hobbyknipsers. Alles hat schließlich seine Berechtigung . Mit Sicherheit können viele diese Generalisten aber sagen, was kunst- oder fotohistorisch von Bedeutung ist, was als kommerzielle Fotografie gut ist und was einfach als Phänomen der Zeit in Bezug auf erotischer Hobbyfotografie anzusehen ist. Es ist wie in der Literatur. Ein Bastei-Krimi verdirbt auch nicht den Ruf der gehobenen Literatur, er findet genauso seine Leser wie meinetwegen Auerhaus von Bov Bjerg oder der Zauberberg von Thomas Mann.

Übrigens geht auch kein Modell den Aktfotografen und -fotografinnen verloren, wenn es mal schlechte Akte sieht. Wer sich generell abgestoßen fühlt, der oder die würde sowieso nicht als Aktmodel arbeiten. Bei denen, wo es vielleicht Zweifel gibt, kann ein persönliches Gespräch evtl. den Mut wecken, es doch einmal zu versuchen. Und dann ist da noch der Faktor Zeit. Manchmal wächst im Lauf einer langfristigen Zusammenarbeit bei manchen vormals aktkritischen Modellen doch die Lust, es einmal mit dem Akt zu versuchen. In der Regel wissen diese Modelle dann sehr genau, was sie wollen, welche fotografischen Stile ihnen gefallen, was sie ausprobieren möchte. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das auch durchaus pornografisch sein kann, trashig, wenig elegant. Es ist dann ein Ausprobieren, ein Spaß an der ungezügelten Aktfotografie an sich. Alles ist eine Typenfrage, jeder Mensch ist anders, die Vorstellung eines jeden ist verschieden. Und das macht das Ganze hier doch so spannend. Mir ist Vielfalt mit schlechten Sachen dazwischen lieber als die große Langeweile eines von wem auch immer abgesegneten Konformismus.

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