Ist Helmut Newton noch zeitgemäß? 99

2 weeks ago
Helmut Newton ist sicher auf die eine oder andere Weise Vorbild für manchen Fotografen hier, und wenn auch nicht, so doch sicher von vielen ein geschätzter Fotokünstler.
Eine anvisierte Ausstellung in Berlin zu seinem 100sten Geburtstag musste auf Sommer nächstes Jahr verschoben werden, aber eine 85 Meter lange Wand mit Bildern und Zitaten provoziert wie eh und je Feministinnen und führte zu Sprayerprotest:
https://www.fotointern.ch/archiv/2020/11/09/nachlese-helmut-newton-one-hundered-openair-in-berlin/?fbclid=IwAR1bbuvdqGekuiYTGxjI2LTW2SYSC6kOhfwWlf0bnQ20qNzf6m0ul0R9VH0

Es stehen damit nach wie vor diverse Fragen im Raum, worüber ich eine Diskussion besonders hier reizvoll fände, gerade weil viele von uns ja in bestimmten Aspekten das Newton-Konzept fortführen und trotzdem gleichzeitig mit feministischen Ansichten/Forderungen sympatisieren.

1. Feministinnen halten die Feststellung, dass Newton ja eben Frauen mochte, besonders starke und selbstbewusste, für zumindestens doppelbödig oder widersprüchlich. Ist das so?

2. Man kann Newtons Fotografie auch als historisch einordnen, halt revolutionär und passend in seiner Zeit. Als aktuelle Erscheinung wäre Newton damit abgehakt und nur mit historischer Betrachtungsweise reizvoll und gewissermaßen korrekt. Oder ist sein Konzept heute noch so aktuell wie damals? Und noch ebenso provokativ?

3. Wenn dem so ist, wie ich vermute, dass Helmut Newtons Fotografie auch für manche von uns noch Vorbildcharakter hat (und ich meine besonders nicht nur die "alten" unter uns), welche Qualitäten sind dabei noch so inspirierend, dass sie auch in der heutigen Ära der Frauendarstellung guten Gewissens als relevant bezeichnet werden können?

(Punkt 2. tangiert natürlich auch den Streit darüber, ob man ideologisch nicht mehr geeignete Positionen aus der Kulturgeschichte unkommentiert der Rezeption entziehen sollte. Darüber wollte ich aber an dieser Stelle nicht streiten, wenn's geht.)
2 weeks ago
Für die damaliege Zeit war es bestimmt revolutionär......weil es eben kaum Fotografen gab, die dieses Thema "angefasst" haben. In der heutigen Zeit wurden die Bilder niemanden mehr groß beeindrucken. Heute fällt das ja schon unter "normal". Das gleiche sehe ich auch mit der Kunst. Wenn Heute jemand eine Mona Lisa malen würde....wäre das auch nicht wirklich der Bringer. Ich sehe HN eher historisch mit einem gewissen Vorbildcharakter.
Und Feministinnen haben immer was zu meckern...
2 weeks ago
Ich frage mich was daran so schrecklich ist wenn ein Fotograf Frauen fotogarfiert? Helmut Newton hat seine Modelle nicht entblößt oder sexistisch dargestellt. Das die sogenannten Feministinnen sich immer über alles aufregen um sich aufzuregen ist mittlerweile bekannt und zu ignorieren. Sie glauben Kunst kontrollieren zu können was die Nazis und Kommunisten auch schon versucht haben es aber glücklicher weise nicht geschafft haben.
#4
In der Tat habe ich da auch schon mal drüber nachgedacht.

Man kann drüber streiten ob Newton das Frauenbild stärkte oder schwächte ..ob es frauenfeindlich war oder nicht.

Allerdings sind zwei Dinge für mich Fakt.

Kunst bedarf auch das Glück in die Zeit zu passen, sei es auch dass man seiner Zeit voraus ist. Und ein Künster den den Zeitgeist dann doch nicht so wirklich interessiert, dennoch glaube ich das Newton heute nicht emrh so erfolgreich mit diesen Bildern wäre denn a) wäre es so nichts neues mehr b) würde die Kunst nicht so herausstechen in den Überflut der Bilder aber auch c) der Feminismus reglementiert sich kaputt, das Wort Frauenfeindlich wird so inflationär benutzt das man es kaum noch wahrnimmt. Man spricht den Frauen ab das sie es wirklich gewollt haben, wenn es dem harten Kern der Feministen missfällt
2 weeks ago
Marcello Rubini

Endlich mal ein wirklich interessantes, wichtiges Thema - auch
über die Frage Newton ja/nein hinaus. Danke dafür!

Erst mal nur ganz vorläufig:

Was Feministinnen in Fragen der Kunst sagen, ist mir
weitgehend schnuppe. Schon deshalb, weil es zahllose
Strömungen im Feminismus gibt. Und auch
deshalb, weil mir schon die Frage "Und was halten
unsere lieben Feministinnen davon?" gegen den
Strich geht. Wahrscheinlich fragt man (sich)
auch schon: Und was werden unsere Muslime
sagen?


Worauf es wirklich ankommt, ist
einzig und allein die (künstlerische)
Qualität.

Ich hab gelesen, das bei den im öffentlichen Raum
gezeigten Newton-Fotos bewusst auf Aktaufnahmen
verzichtet wird: Man will keinen Ärger. Dahin sind
wir gekommen. Und die "Kulturschaffenden"
kneifen mal wieder. Sie kneifen fast immer wieder.
Die einen aktiv, indem sie bestimmte Sachen nicht
mehr zeigen, die anderen passiv, indem sie nicht
aufschreien.

Keine Ahnung, was für ein Konzept Newton hatte, ich
würde eher von einem Stil sprechen: starke, stilisierte
Frauen, so unnahbar wie verführerisch; oft statuenhafte Posen,
frei von Kitsch, mondäne Welt, teure Interieurs...
Klar, dass diese Fokussierung auf die Reichen und
Schönen so nicht vorbildhaft sein kann, schon
gar nicht für Amateure. Aber bei Newton
selbst wird solch ein Einwand wegen seiner ungeheuren
Kreativität und Vielseitigkeit nahezu gegenstandslos.
#7
2 weeks ago
Moments & Emotions

"Allerdings sollte man die Frage dann fairerweise auch weiterdenken: welches Frauenbild prägt jeder Einzelne von uns mit seiner Fotografie mit?!"

Das ist doch reiner Kitsch - und eine maßlose Überschätzung dessen, was
wir (Fotografen) hier tun.

Und wenn schon, dann musst Du diese Frage
auch an unsere Models richten.

Wer prägt heute das Frauenbild? Moments nicht, ich nicht, nicht mal
Herr Newton, sondern die Frauen selbst: Wir haben eine Kanzlerin , eine Kriegs- und noch etliche
andere -ministerinnen, mehrere Parteivorsitzende, prominente
Wissenschaftlerinnen und Schrifstellerinnen, von den
viele erstklassige Arbeit leisten. Die Medien sind
voller Frauen, in Bezug auf einen der angesehensten Berufe überhaupt,
den Arztberuf, wird mittlerweile schon von einer Feminisierung gesprochen.

Das alles ist gut so, und das prägt heute unser Bild der Frau. Dagegen fallen ein paar (Amateur-)Fotografen
mit ihren weitgehend unsichtbaren Produkten überhaupt nicht ins
Gewicht.
Marcello Rubini
Ein schönes Thema.
Die provozierende Art der weiblichen Darstellung gab es ja schon häufiger. Ich denke da z.B. an Egon Schiele.
Was bei Newton tatsächlich neu war, ist die Tatsache, dass er Frauen selbstbewusst und stark dargestellt hat. Ich denke das war neu und das bewundere ich an seiner Arbeit.

Feminismus und Nacktheit. Was soll man da äußern?
Natürlich haben Feministinnen etwas gegen die kommerzielle Darstellung nackter weiblicher Haut. Das liegt in der Natur der Sache. In Newtons Arbeit sehe ich eben angesprochene Ansätze die eher feministisch sind, als die bis dato herrschende Darstellung von nackten Frauen. Der Feminismus muss als Initialzündung über das Ziel hinausschießen um die "normalen" Ziele zu erreichen. Ist ja wie auf dem Basar. Möchtest du 100% bekommst du 80%, forderst du aber 120% erreichst du dein Ziel, die 100%. Feminismus und andere Bewegungen funktionieren ähnlich.

Ich kenne einige von seinen Arbeiten. Wer nicht?
Ich werden bestimmt unbewusst davon beeinflusst was Ausdruck und Pose anbelangt.
Ob er revolutionär war? Allgemein in der Fotografie bestimmt nicht, in der Art und Weise wie er seine Modelle agieren lies, ganz bestimmt.
2 weeks ago
Ich würde mich gerne, wenn ich darf, Rodivo in #6 anschließen.
Meiner Einschätzung nach ist jede Form von "ismus" für eine fruchtbare Diskussion blockierend in der Wirkung, da eine zu sehr auf einen Sache fokussierte Sichtweise die Gefahr von Scheuklappen mit sich bringt, und beim Gegenüber nur Barrieren erzeugt.
Ich würde mich sehr freuen, wenn sich hier auch Frauen an der Diskussion beteiligen würden.
Bisher habe ich mich nicht wirklich um die Person Newtons gekümmert, kann also dazu wenig beitragen. An seinem Fotografischen Werk komme ich selbstverständlich nicht vorbei. Will ich auch nicht. Für mich hat er mit seinen Bildern auf jeden Fall Vorbildcharakter. Mir gefallen die im Großen und Ganzen. Eine Abneigung, Machismus oder Sexismus zeigen mir seine Bilder nicht. Eher, daß Frauen für ihn faszinierend und wichtig waren. Aber auch wenn man seine Bilder nicht mag, sind, oder besser, sollten sie für jeden Frauenfotograf zumindest Lehrmaterial sein, was die Grundlagen angeht.
Von meinem Besuch im Berliner Newton Museum war ich allerdings etwas enttäuscht. Es ist leider wie schon gesagt, etwas 'weichgespült'. Auf jedwede Provokation wurde da anscheinend verzichtet. Aber toll, die Bilder mal in richtig groß zu sehen. Das war es dann schon wert.
#11
2 weeks ago
1. Feministinnen halten die Feststellung, dass Newton ja eben Frauen mochte, besonders starke und selbstbewusste, für zumindestens doppelbödig oder widersprüchlich. Ist das so?

Nein. Die Feststellung ist weder doppelbödig noch widersprüchlich. Das Selbstbewusstsein ist widersprüchlich (und vielschichtig), wie immer.
Daß Newton Frauen mochte ergibt sich aus seinem Werk und aus seinem Umgang mit den Frauen. Newton hat mit dem Bild der "starken Frau" genauso gespielt wie mit dem Bild der "schwachen Frau", und das so gekonnt, daß man nach einer intensiveren Beschäftigung mit Newtons Fotos unweigerlich sich die Frage stellt, ob "Stärke" und "Schwäche" nicht zwei Seiten derselben Medaille sind.

2. Man kann Newtons Fotografie auch als historisch einordnen, halt revolutionär und passend in seiner Zeit. Als aktuelle Erscheinung wäre Newton damit abgehakt und nur mit historischer Betrachtungsweise reizvoll und gewissermaßen korrekt. Oder ist sein Konzept heute noch so aktuell wie damals? Und noch ebenso provokativ?

So provokativ nicht, denn Provokation nutzt sich ab. Das gilt auch, erstaunlicherweise, vor dem Hintergrund einer in den letzten Jahren massiv gesteigerten Prüderie. In Filterblasen und der "Cancel-Culture" sind Provokationen allerdings unerwünscht, viele Leute wünschen, nicht provoziert zu werden. Das ist bedauerlich, und funktioniert glücklicherweise nur in Grenzen.

3. Wenn dem so ist, wie ich vermute, dass Helmut Newtons Fotografie auch für manche von uns noch Vorbildcharakter hat (und ich meine besonders nicht nur die "alten" unter uns), welche Qualitäten sind dabei noch so inspirierend, dass sie auch in der heutigen Ära der Frauendarstellung guten Gewissens als relevant bezeichnet werden können?

Vorbildcharakter hat zunächst mal die enorme handwerkliche Qualität von Newtons Fotos. Sowohl rein fotografisch technisch als auch gestalterisch.
Vorbildcharakter hat die Konsequenz, mit der Newton sich nur nach dem richtet, was das Bild verlangt - und nicht nach dem, das irgendjemanden stören oder verstören könnte. Und die Konsequenz, mit der er auch falsches Lob ignoriert hat.
Vielleicht gibt es niemanden, auf den der schöne Spruch von Nick Nolte als Fotoreporter Russel Price in "Under Fire" so gut und in einem so positiven Sinn zutrifft wie auf Helmut Newton: "Ich mach nur Fotos".

Newton hat tatsächlich immer "nur Fotos" gemacht. Diese Konzentration und das konsequente Ignorieren des überflüssigen "Überbaus" macht m.E. seine Bilder aus - und seine Größe. Denn dazu gehört Mut.

Ob Newtons Fotos "relevant" sind oder nicht, entscheidet die Geschichte, und das macht sie nicht heute oder morgen. Wären Newtons Fotos "irrlevant", würden wir wohl kaum darüber diskutieren, und hätte er wohl kaum ein eigenes "Museum" in Berlin.

Davon abgesehen sollte es einem Fotografen egal sein, ob seine Fotos "relevant" sind oder nicht. Ich bin überzeugt, daß das Newton auch völlig egal war, jedenfalls von dem Tag an, als er genug Geld auf der hohen Kante hatte, um sich über seinen Lebensunterhalt keine Gedanken mehr machen zu müssen.

Ich bin aber auch überzeugt, daß Newton sich nicht verbogen hätte, wenn er eines Tages weniger wirtschaftlichen Erfolg mit seinem Fotos gehabt hätte. Ich bin überzeugt, er hätte dann genauso weiter die Fotos gemacht, die er machen wollte, weil er sie machen musste.

Was die "heutige Ära der Frauendarstellung" betrifft... die ist mittlerweile dermaßen verquast, daß gerade der direkte, unverstellte Blick eines Helmut Newton heute wichtiger ist als jemals zuvor. Ich gehe ohnehin fest davon aus, daß die Fotos von Helmut Newton noch beschaut, bestaunt und bewundert werden, wenn seine Kritiker/innen längst im Orkus der Weltgeschichte dem wohlverdienten, gnädigen Vergessen anheimfallen...
2 weeks ago
Bisher habe ich mich nicht wirklich um die Person Newtons gekümmert, kann also dazu wenig beitragen. An seinem Fotografischen Werk komme ich selbstverständlich nicht vorbei. Will ich auch nicht. Für mich hat er mit seinen Bildern auf jeden Fall Vorbildcharakter.

Ich habe zuerst nur Bilder von Newton gesehen, und fand sie genial. Toll. Großartig. Inspirierend.

Dann, viel später, habe ich durch verschiedene Dokumentarfilme, ein bißchen über die Person Newtons erfahren. Und war schwer beeindruckt. Zum einen der Werdegang des vor den Nazis geflohenen jungen jüdischen Deutschen. Dann sein fotografischer Werdegang.

Und dann vor allem auch das, was man in einigen dieser Dokus über seine Art zu arbeiten erfahren kann. Auch und gerade das hat mich sehr beeindruckt, und da passte dann alles perfekt zusammen, da habe ich eine Ahnung davon bekommen, wie jemand solche Fotos machen kann.

Kein ... "genialer Schmierlappen" wie Terry Richardson. Kein... "genialer unterschwellig lüsterner alte Onkel" wie David Hamilton.

Beide finde ich als Fotografen klasse! So wie ich Dieter Wedel als Regisseur klasse finde. Als Model oder als Schauspieler, oder überhaupt, hätte ich mit denen nicht zusammenarbeiten mögen. Und wenn ich es gemusst hätte, wäre es wohl unangenehm gewesen.

Das ist bei Helmut Newton anders. Ich habe auch nie gehört oder gelesen, daß irgendjemand hinterher gesagt hätte, es sei unangenehm gewesen, mit ihm zu arbeiten. Ich glaube übrigens, daß Newton sehr viel Humor gehabt hat, und am meisten über sich selber lachen konnte. In allen Dokus nimmt er sich ja irgendwann selbst auf die Schippe.

Vielleicht auch eine Folge seiner Lebensgeschichte...
2 weeks ago
Ich halte Newton für sehr zeitgemäß - nicht wegen des Frauenbildes an sich, der Mode, dem Glamour usw.
Sondern vor allem wegen des immer mehr um sich greifenden Puritanismus.

Auf der einen Seite gibt es heute wesentlich mehr Fotografen und Models, die sich dem Thema Akt in allen seinen Variationen verschrieben haben und das vielfach auch durchaus ansehnlich umsetzen. Auf der anderen Seite ist es aber immer schwieriger, diese Bilder auch ansprechend platzieren zu können.

Rodivoschreibt davon, dass selbst die Aussteller Bedenken haben, die Aktbilder von HN öffentlich zu zeigen.
Ich sag nur facebook und instagram - ohne da weiter ins Detail gehen zu wollen. Was da geht - bzw. nicht, wissen die meisten.
Auch andere Seiten machen es Aktbildern schwer 500px z.B.. Tumblr hat ausgemistet.

Ich sehe genau hier drin ein Problem. Newton inszenierte seine Models als stark und selbstbewusst. Frauen, die mit ihrer Nacktheit umgingen, als wäre es selbstverständlich. Die sich ihrer erotischen Ausstrahlung sehr bewusst waren. Sich aber nicht dafür schämten, sondern sie ganz bewusst nutzten. Für die es normal zu sein schien, sich knapp bekleidet zu zeigen.
Dieses Selbstbewusste: "ich bin eine Frau und ich stehe zu meinem Körper." Und das ist auch richtig so. Mann kann ja auch halbnackt durch die Gegend laufen und keinen störts.
Ein kräftiges "ihr könnt mich mal" rausschreien an alle die, die meinen das eine teilweise oder völlig unbekleidete Frau ein Skandal sei. Aber das sie eben auch kein Freiwild für die schwanzgesteuerten Kleinhirnakrobaten ist.
2 weeks ago
Gutes Thema über meinen Fotografen auf dem Sieger Treppchen ganz oben.

1. Feministinnen sind leicht verpeilt, sie wollen Freiheit für die Frauen, totale Emanzipation und das Frauen in JEDER Hinsicht alles tun können was Männer auch können oder bestimmt sogar besser egal wo oder in welchem Bereich.
Dazu kann ich nur meine persönliche Meinung kund tun, sollte die Kunst an sich nicht inspirieren, provozieren, fesseln, ein Statement setzen uva.? Was spricht also dagegen Frauen in der Art zu fotografieren wie es Helmut Newton eben gefällt? Ist nicht das Internet mit wesentlich frauenfeindlichen neuen Inhalten bestückt....? Zählen nicht viele Bilder in diversen Bereichen nicht eher als degradierend für Frauen? Alleine in der Erotik/Akt Fotografie gibt es neuere Fotografen die Frauen in Posen ablichten welche ich weitaus schlimmer finde.
Bei HN empfinde ich es so das er Frauen in ihrer natürlichen Form ohne viel Aufhebens fotografiert, er zeigt das reine Wesen und erhebt die Frauen doch eher auf einen Sockel auf dem sie bewundert werden von den Menschen.

Wenn Feministinnen gerne als Männer behandelt werden möchten warum regen sich dann so viele Frauen auf wenn Männer ihnen nicht mehr die Tür aufhalten, im Restaurant bezahlen oder keine Rücksicht in Jobs nehmen? Sicher ein freundlicher Umgang sollte gegeben sein!

Nur weil Frauen vieles auch tun können wie Männer ist es den nötig das sie es auch tun? Wer sieht schon gerne Frauen mit mehr Muskeln als manche Kerle, Gewichtheberinnen, Kugelstosserin oder ähnliches?

2. Ist es wichtig ob es nun historisch ist oder nicht? Wenn jemand wie ich seine Arbeiten mag weil es Frauen in einer Art und Weise zeigt welche mich innehalten lässt. Dann ist mir das genug ich muss nicht immer alles genau analysieren und katalogisieren um zufrieden damit zu sein.
Sicher etliche Fotos sind provokativ und sind eben dreckig aufgrund der Umgebung aber gerade das gefällt mich und es spielt keine Rolle wie alt die Fotos sind.
Gibt es heute vergleichbare Fotografen die Frauen in so einer Art fotografieren....? Ich habe schon viel gesehen aber bisher hat kaum ein anderer Fotograf mich so fesseln können mit mehr als ein paar Fotos wie eben HN.

3. Ich finde nach wie vor die Art und Weise von HN wie er Frauen in Szene setzt auch heute noch immer wieder aufs neue faszinierend eben weil es kaum viel gibt was extra für das Foto geschaffen wird.
Die meisten neueren Fotografen arbeiten in Studios wo alles künstlich erschaffen wird oder arrangieren etliches damit es eben so aussieht. Sicher gibt es auch Fotografen die einfach einen Ort finden und das Modell dort in Szene setzen aber bei HN ist es doch so das die Modelle wenig als gar nichts tragen.
Ihr reiner Körper ist der Blickfang und die Umgebung ist der Rahmen der aber natürlich ist und nicht künstlich erschaffen wurde.
Auch muss das Bild danach im Grunde nicht völlig zu Tode bearbeitet werden, es könnte einfach wie es gemacht wurde bleiben.
Das ist es was ich auch bevorzuge, wenn ich fotografiere interessiert mich wenige die Blende, das Licht usw. für mich zählt in diesem Moment nur das Bild was ich erschaffe.
Auch bearbeite ich meine Fotos fast gar nicht ich mag den Rauhen Charakter des Bildes, für mich zählt mehr der künstlerische Aspekt und nicht das perfekte Bild.

Ein wenig mehr Toleranz im Allgemeinen ist es was ich mir in Berlin wünschen würde, den HN ist nun mal ein Mann der einfach fotografiert was ihm gefällt.
Es muss nicht jedem gefallen aber es kann toleriert werden und immer wieder kann ich nur sagen wie hat er begonnen als Fotograf....
2 weeks ago
Moments § Emotions spricht mir aus der Seele. Wobei die Dinge, die er anspricht, nichts mit Newton zu tun haben. Ich habe mich hier schon über Aktfotografie mokiert, aber nur über solche, die ich als billig und ordinär empfinde.
HN ist definitiv eine ganz anderes Kaliber - was er gemacht hat, ist wirklich Kunst. Wobei man ihn nicht nur auf seine "Nudes" reduzieren sollte, er hat auch z. B. wunderbare Portraits von Schauspielern u.a. gemacht.
2 weeks ago
Portraitideen Nun ja, er hat sogar Naturfotos gemacht, Berlin Wannsee, sehr schön, jedoch der Bezug zu seinen Klassikern ist wenig erkennbar. Aber hier geht es natürlich um die Klassiker, denn die umreißen seine Positionierung.

Dass im Helmut Newton Museum (Privatmuseum, wird von seiner Frau geführt) nur verhalten gezeigt wird, ist mir neu. Ich bin da öfters, weil es bei mir quasi zu Fuß um die Ecke ist. Und die vorletzte Ausstellung zeigte alle Bilder der "Taschen"-Publikation, ausnahmslos. Und die repräsentiert schon das Oevre relativ umfassend (hat H.N. ja auch selbst kuratiert). Der Verdacht ist also nicht zu erhärten.

Kürzlich habe ich den aktuellen Film von Gero von Boehm (The Bad and the Beautiful) gesehen, der ist super gemacht. Hat hier jemand den auch schon gesehen? Läuft irgendwann im TV, nächstes Jahr wohl. Erstaunlich ist, dass auch berühmte Schauspielerinnen (z.B. Ch. Rampling, H. Schygulla), die nie nackt irgendwo aufgetreten sind, "aus Grundvertrauen" mit ihm geshootet haben. Newton forderte da nichts, die Frauen waren von sich aus recht mutig. Erzählen sie. Und alle sind (rückblickend) begeistert von dem Gentlemantyp, der er wohl war.

Aber die Aktion mit der Sprayaktion an der Bildermauer ist da von einem anderen Stern. In genau derselben Zeit. Da rückt Kunst in die Sphäre von Politik, Ideologie und gesellschaftlichem Selbstverständnis. Längst akzeptierte (manche sagen ja schon veraltete) Positionen werden plötzlich aggressiv bekämpft, in einer nun wirklich ziemlich aufgeklärten Stadt. Gefährlich, das zu ignorieren oder abzutun. Ich finde das schon nachdenkenswert.

Tolle Beiträge und gedankliche Anregungen bisher, Danke!

Es gibt hier doch mehrere Verächter erotischer Nacktfotos. Können die sich vielleicht auch mal einklinken?
2 weeks ago
Einen link packe ich hier noch dazu - denn Helmut Newton wird darin auch erwähnt :

https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/ausstellung-body-performance-zeigt-fotografierte-aktionen-li.4191

Vieles wurde hier schon gesagt, zu den feministischen Aktionen fällt mir deren Absolutheitsanspruch ein, der reicht von solchen Sprayaktionen bis zur Forderung des totalen Prostitutionsverbots.
So wie Männer nicht alle gleich sind, sind auch Frauen nicht alle gleich : Es gibt Schauspielerinnen, Cheerleaderinnen, Akrobatinnen, Tänzerinnen, Messehostessen und Models, sowie eben auch Dominas und Callgirls ... sie setzen ihre Körper ein, sie pflegen ihre Schönheit und Attraktivität - und sie tun dies gerne ! Und wenn und weil sie nicht völlig naiv sind, dann wissen sie auch, wie das bei Männern ankommt. Hinzu kommt, daß auch Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen so inszenierten, daß vorrangig Männer dann daran Interesse zeigten, so wie dies z.B. vor 15 Jahren bei der Berliner Performance von Vanessa Beecroft der Fall war.

Diese Plakataktion zeigt vielleicht ganz gut den aktuellen gesellschaftspolitischen Stand :

https://ab-jetzt.org/mannlichkeit-entscheidest-du-2/

Ob man da mit der einstigen "Cowboy-Männlichkeit" rauchen - saufen - schießen dagegenhalten soll ?? ;-))

Übrigens bietet Berlin derzeit somit 2 "konträre" Fotoausstellungen - Helmut Newton einerseits, und "Masculinities" andererseits ... und beides hat doch seine Berechtigung !

https://www.morgenpost.de/berlin/article230680424/Wie-geht-Maennlichkeit-Masculinities-im-Gropius-Bau.html
Vor kurzem lief ja auf Arte eine ausführliche Doku über sein Leben. Ich denke, was damals provokant war, bringt uns heute nur ein müdes Gähnen ins Gesicht.
Ein Aspekt in der Doku hat mich aber überrascht: Ich dachte immer, viele seiner Fotos von Frauen erinnern mich an etwas unbestimmtes - und im Film wurde es erwähnt. Es ist die Anlehnung an Leni Riefenstahls inszeniertem Körperkult.
Und das machte ihn mir plötzlich irgendwie unsympathisch.
#20

Topic has been closed