Discussion: Quo vadis Model-Fotografie 248

1 month ago
Woran genau hättet ihr bei diesem Bild erkannt, dass es AI-generiert wurde?


Die Personen sind bei KI meist zu schön/makellos, hier eigentlich auch. Hab allerdings heute eine Seite gefunden, mit u.a. auch Darstellungen von alten, nicht so „schönen“ Menschen. Da wäre für mich noch Luft nach oben. Also bewusst Fehler, Asymmetrie, Unreinheiten reinzuprompten.

Ein weiteres Indiz erschliesst sich m.M.n. erst im Photoshop. Kameras neigen bei der gezeigten Lichtsituation zu technischen Problemen, Banding, Abrisse, Artefakte, Rauschen … finde ich hier nicht. Auch wenn man die Regler massiv hochdreht. Das ist alles sehr glatt und gleichmässig, vor allem auch im Hintergrund mit den parkenden Autos.

Ich hab mich mit dem Bild aber auch erst intensiver beschäftigt, nachdem Du das als KI generiert bezeichnet hast. Im normalen Stream hier oder woanders, wäre mir das komplett durchgegangen.
#221Report
1 month ago
@SEE meine Sedcard hier ist für Fotos von realen Models gedacht, da will ich das Bild gar nicht drauf haben. AI-Art poste ich auf anderen Sites. Vermeidbar wäre gewesen, wenn man hier Bilder direkt anhängen könnte, wie das heutzutage allgemein üblich ist.

Zum Rest äussere ich mich besser nicht, denn wie Ecki schon sagte, du schiesst dich nur immer weiter ins Abseits.

@Ecki das Bild wurde komplett mit AI generiert und nicht nachbearbeitet.
#222Report
1 month ago
@Werner genau so ist es. Die meisten Bildmodelle wurden mit eben den Bildern trainiert, die online am besten performen, also perfekte Haut/symmetrische Gesichter/extremes Beauty-Retouching/usw., die AI lernt daraus: "Schön = korrekt".

Ich teste deshalb immer gerne verschiedene Basismodelle, je nachdem in welche Richtung ich mit dem Bild gehen will. Das meiste mache ich mit reaZit, weil es eben schon von Haus aus nicht die extreme Beauty-Schiene fährt. Zusätzlich kann man wie du schon sagst entsprechend dagegenprompten.

Ausserdem muss nicht jedes Bild perfekt sein. Wenn die Message stimmt, oder es einfach ein guter Joke ist, editiere ich da nicht bis zum geht-nicht-mehr drin rum, sondern lasse es einfach so. Auch wenn es eventuell "zu hübsch" aussieht.

Mein persönliches Ziel ist es, reale Fotografie und AI immer stärker miteinander zu verschmelzen. Mich interessiert dabei weniger das Werkzeug als die Bildwirkung und die Frage, was wir überhaupt noch als “echt” wahrnehmen.

PS: Schick mir die Seite die du gefunden hast doch mal per PN. Ich hätte da auch noch eine deutschsprachige, die dich vielleicht interessieren könnte.
#223Report
@ SHUTTERWORK

AI-Art poste ich auf anderen Sites. Vermeidbar wäre gewesen, wenn man hier Bilder direkt anhängen könnte, wie das heutzutage allgemein üblich ist.

Zusätzlich kann man wie du schon sagst entsprechend dagegenprompten.


Die direkte Verlinkung funktioniert so, wenn man imagebam so benutzt, daß das Bild in Vollanzeige sichtbar wird :

https://images4.imagebam.com/78/a9/14/ME1DHUKT_o.png

So wäre das Bild auch auf einer Website oder in einem Blog direkt integriert. So wie beim "dagegenprompten" läßt sich eine weitere Präzisierung erreichen, wie z.B. Anweisungen zur Blitzwirkung. Der Hoodieaufdruck von "score" bis "breasts" war dann aber doch auch so gewollt und beauftragt, also somit im Prompt benannt ? Oder war es der KI, hier also reaZit überlassen, wie der genaue Text lautet ? Ohne Wort für Wort vorzugeben, könnte der Prompt auch etwa so lauten :
"Bilde einen mehrzeiligen Text als Bedruckung des Hoodies" - und dessen Inhalt könnte der Refrain eines bekannten Songs sein oder ein Backrezept für Käsekuchen ...
#224Report
1 month ago
Mein Fazit, kein Mensch braucht heute mehr den klassischen People Fotografen. Erst kürzlich hat der bekannte People Fotograf Felix Rachor nun auch seine Leidenschaft für die Gothic Szene entdeckt. Warum? Weil dort Fotografen noch gefragt sind und weil sich die Leute dort noch über Fotos vom Fotografen freuen. Erst waren es die Handys die teure Fotokameras abgelöst haben und nun ist es die KI die Bildbearbeitung in der bekannten Form überflüssig macht. Das Internet ist voll von guten Handy Fotos und das worauf die Photoshop Experten mit viel Können und Fleißarbeit stolz waren macht heute die KI per Beispielfoto, das man hoch lädt nach seinen Wünschen durch KI bearbeiten lässt und Ergebnisse zurück bekommt auf die früher die Top Experten stolz gewesen wären. Es ist vorbei Leute, ihr habt es nur noch nicht geschnallt.
#225Report
1 month ago
#225: ''Es ist vorbei Leute, ihr habt es nur noch nicht geschnallt.'' Wo du doch so entschieden weitsichtiger bist als wir alle, fehlt uns die entscheidene Konsequenz, die du für dich selbst daraus ziehst. Erzähl mal!
Ich und viele andere in diesem Kreis haben die Konsequenz schon im Vorfeld gezogen, angesichts der Veränderungen, die letztlich auf deine ''Erkenntnis'' hinauslaufen. Und aufgehört (auf diesem Feld). Was aber die kulturell aufmerksame Beobachtung und Nachdenklichkeit nicht behindert hat, wie man hier sieht.

Was ich übrigens wenig verstehe, ist, wie du das Ende der Menschenfotografie als definitiv behauptest und ein paar Zeilen zuvor ein Beispiel gibst, worauf man gucken könnte. Ist der Felix Rachor nun auch so blöd wie wir oder wie soll ich das argumentativ verstehen?
#226Report
1 month ago
Nein der Felix Rachor geht nun genau dort hin wo ich schon lange bin, dahin wo man als Fotograf noch gefragt ist und sich die Leute noch über Fotos freuen. Die People Fotografie ist durchaus nicht tot, auch wenn sie immer mehr durch die Videografie verdrängt wird, es braucht dafür nur niemand mehr einen Fotografen.
#227Report
1 month ago
Ich möchte an dieser Stelle vorschlagen, eine gedankliche Trennung von Modell-Fotografie und People-Fotografie vorzunehmen:

Unter People-Fotografie verstehe ich, das Aussehen konkreter Menschen oder Ereignisse mit Menschen festzuhalten. Beispiel Hochzeitsfotografie. Eine KI wird niemals wissen können, wie sich die einzelnen Menschen auf der Feier bewegt haben. KI kann dabei allenfalls bei einer Nachbearbeitung eine Rolle spielen.

In der Modell-Fotografie geht es oft nicht um das Modell selbst, sondern um eine Aussage oder eine Darstellung (meist von Schönheit). Mit der KI sind hier Szenen möglich, die sonst - wenn überhaupt - nur mit großem Aufwand inszeniert werden können.
#228Report
1 month ago
Der Vorschlag ist vernünftig.

Die Konzentration auf bestimmte Szenen (''die sich über Fotos freuen'') ist auch einleuchtend. Aber dabei geht es dann doch um Modelfotografie und deswegen interpretiere ich den Hinweis dahingehend, dass die Modelfotografie eben nicht vorbei ist (also als Widerspruch). Eher, dass sie sich auf interessante Felder hinbewegt. Und die 08/15-Nummer als ''Original'' zu uninteressant wird. (auch wenn die Fototechnik noch so perfekt ausgeführt wird.) Aber ehrlich gesagt ist die das für mich jetzt schon längst, denn ich empfinde darin zu oft eine gewisse mainstreamige Austauschbarkeit. Ich plädiere hier schon immer für interessante Sichtweisen der Fotografen. Konzentration auf eine exzentrische Darsteller-Szene kann das auch, wenn man es gestalterisch eher passiv angehen will (bis die KI auch das für sich entdeckt).

Und das geht wieder zusammen mit dem, was eingangs schon vielfach vermutet/angedeutet wurde. Individuelles - und zugleich spannendes - Fotografieren, was die KI eben nicht machen kann. Dann ist es eben nicht ''vorbei, Leute.''
#229Report
1 month ago
Die Personen sind bei KI meist zu schön/makellos

Das war schon zu Zeiten von "NeatImage" so, und das kann man auf den Titelseiten der einschlägigen TV-Zeitschriften seit ungefähr 20 Jahren beobachten. Ganz ohne "KI"...
#230Report
1 month ago
Um es vorweg zu nehmen:
Nur Angsthasen werden an der KI scheitern. Egal ob in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens, oder an welchem Arbeitsplatz auch immer. So natürlich auch in der Fotografie.

Warum bitte sollte denn derjenige, welcher eine eigene persönliche Handschrift, die er sich durch seine individuell ganz bestimmten Arbeitsabläufe aufgebaut und erlangt hat, scheitern? Nahezu jeder Tüftler wird schließlich auch weiterhin seine Ideen realisieren.

Wichtig wird, egal ob in der People Fotografie im allgemeinen, oder der Model Fotografie im speziellen sein, sich auf den Märkten behaupten zu können. Dafür bedarf es jedoch einer viel intensiveren Auseinandersetzung mit dem jeweiligen MENSCHEN vor der Kamera. Hinter dessen Kulissen zu kommen, in dessen Intimsphäre eindringen zu dürfen, das notwendige Vertrauen hierfür zu erlangen, das allein wird von elementarer Wichtigkeit sein.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ergibt sich dabei sogar im Schlepptau: der sich spätestens seit dem digitalen Zeitalter immer mehr verfestigte Zustand dieser Auslösung von oftmals Tausenden von Bildern wird in eine Sackgasse führen. Das Interesse vieler "an der Fotografiererei" zum erliegen bringen. Der Hype dieser Knipserei von jedem (sorry) Scheißdreck mal außen vor gelassen.

Dagegen eine regelrechte Wohlfühloase bieten zu können, die sich beispielsweise aus vielen Vorgesprächen, auch dem sammeln erlebter Situationen des abzubildenden Menschen, wo und mit Hilfe von wem auch immer ergeben, wird im Ergebnis zu noch besseren, nämlich ganz PERSÖNLICHEN Ergebnissen führen. Ergebnisse, die die Einzigartigkeit jedes einzelnen von uns viel, viel ausgeprägter und realistischer dokumentieren können, als jede KI dafür jemals in der Lage sein wird.

Ganz nebenbei: diese "perfekte" Technik wird in Folge davon ihren Reiz womöglich total verlieren. Der INHALT einer Fotografie dagegen eine regelrechte Renaissance erlangen.

Übrigens: nur so bekommt die Fotografie wieder ihren Stellenwert in Bereich der Kunst, die sie auch verdient.
#231Report
1 month ago
Was spricht eigentlich dagegen, die von Norbert Hess beschriebenen "PERSÖNLICHE Ergebnisse" möglichst handwerklich perfekt zu erzielen?
Oder anders formuliert: Zwei Fotografen stehen nebeneinander und fotografieren zufällig gleichzeitig eine besondere Szene, die vielleicht "hochemotional" ist o.ä. Der eine Fotograf liefert ein Bild mit "angemessener" Schärfe und Belichtung und der andere verwackelt und liegt auch in der Belichtung "meilenweit" daneben. Welches Foto ist wohl besser?
Wer sich fragt, warum ich die Frage mit merkwürdigen Begriffen wie "angemessen" aufschreibe: Wenn ich z.B. "perfekt" verwendet hätte, dann würden hier die üblichen Verdächtigen sofort schreiben, dass z.B. eine technisch perfekte Belichtung zu viel gezeigt hätte. usw.
#232Report
1 month ago
Noch einmal zu der von mir vorgeschlagenen Teilung und der Zusammenhang zu dem, was Lichtermeer und Marcello Rubini schrieben:
Es wundert mich nicht, dass die Gothic-Szene an Fotografen und echten Fotografien interessiert ist und sich über Fotos freut. Diese Menschen haben sich mit viel Einsatz ein Outfit zusammengestellt und möchten mit diesem Outfit sichtbar sein. Da macht eine Bildgenerierung durch KI natürlich überhaupt keinen Sinn. Das ist zumindest aus deren Sicht Peoplefotografie. Natürlich kann man auch für Peoplefotografie darüber diskutieren, wie sie im Laufe der Zeit verändert.
Also Fotograf hat man beim Thema Gothic die Wahl. Er kann es auf eine bestimmte Person der Szene "absehen" oder es kommt wirklich nur auf "Gothic" an. Dann kann (!) er sich auch ein Bild generieren lassen.
#233Report
1 month ago
#232 meiner Meinung nach ist der Ausdruck 'perfekt' im Zusammenhang mit der Fotografie völlig irreführend, sogar absurd.
Wenn das nicht Verwackeln eines Bildes ein Kriterium wäre, dann gute Nacht. Genau das war viele Monate in den USA der letzte Schrei. Alle Bilder wurden mit 1/15 Sekunde aufgenommen, weil Bewegung und Verwackeln der modernste sh*t war...

Viel eher glaubt doch der eine Fotograf, es sei für ihn die richtige Lösung, die Augen in den goldenen Schnitt zu legen, während ein anderer die Augen auf Höhe zweier zusammenlaufender Linien bringt. Jeder merkt schnell, es gibt nicht die eine Lösung sondern nur verschiedenen Perspektiven. Und selbst, wenn von der Bildergestaltung aus kommend, der Fotograf glaubt, er hätte die perfekte Perspektive, die perfekte Technik.... dann haben wir über den Ausdruck des Menschen, der fotografiert wird, noch gar nicht gesprochen. Was soll denn bitte beim Ausdruck 'perfekt' sein.
Der eine bevorzugt den offen stehenden ' Fischmund' während der andere das Modell in einen ganz anderen Ausdruck steuert....

Und dennoch meine Hypothese: Wir sehen erst den Anfang von KI in der Fotografie.
Werden Fotografen verdrängt? Mit Sicherheit nicht.
Wird ihr Ansehen und ihre Wertschätzung weiter fallen. Mit Sicherheit.
#234Report
1 month ago
@eckisfotos:
Es wundert mich nicht, dass die Gothic-Szene an Fotografen und echten Fotografien interessiert ist und sich über Fotos freut. Diese Menschen haben sich mit viel Einsatz ein Outfit zusammengestellt und möchten mit diesem Outfit sichtbar sein. Da macht eine Bildgenerierung durch KI natürlich überhaupt keinen Sinn. Das ist zumindest aus deren Sicht Peoplefotografie. Natürlich kann man auch für Peoplefotografie darüber diskutieren, wie sie im Laufe der Zeit verändert.

Das ist völlig richtig - nur: dafür brauchen die Leute aus der Gothic-Szene nicht unbedingt "echte Fotografen". Das können die mittels SmartPhone heute (auch dank eingebauter KI) super gut selber machen.

Ist übrigens immer wieder ein Thema im MK-Forum: "Die... brauchen uns [Fotografen] nicht mehr, das machen die längst alle selbst."

Und da wird es spannend: ein wirklich guter Fotograf mit eigenem Stil und eigener Handschrift (möglichst nicht auf ein paar Klischees verengt) kann für Leute interessant sein, die richtig gute Bilder von sich (oder ihrer "Szene") haben wollen.

Ich habe das gerade in einem anderen Zusammenhang erlebt. Durch "familiären Zufall" bin ich an eine etwas skurrile Sportart geraten: "Mofa-Gelände-Rennen". Da brettern echte Enthusiasten mit mehr oder weniger serienbelassenen Mofas über eine Rennstrecke auf einem Stoppelacker oder einer Wiese. Als Teams, in mehreren Durchgängen, da wird geschraubt und geklebt, mitten im Rennen - alles Motor-Leidenschaft vom schönsten.

Ich habe wirklich vor Jahrzehnten zum letzten Mal ernsthaft Sport fotografiert, damals noch analog, und wirklich alles quer durch den Garten, für eine Lokalzeitung. Ist nicht so ganz meine fotografische Welt, aber ich weiß schon grundsätzlich immer noch, wie's geht. Ich habe drei Rennen gebraucht, bis ich das im Griff hatte. Ganz normal, wenn Du Wahlkampf fotografieren sollst/willst, brauchst du auch ein paar Veranstaltungen, bis du richtig drin ist. Oder Theater, oder...oder...

Die haben natürlich alle ihre Freundinnen und Kumpels mit Smartphones, und da entstehen ordentliche Fotos und auch Videos. Aber die - etwas dramatisierten - "richtigen Zweirad-Renn-Fotos"... das ist dann noch mal eine andere Sache. Und damit stößt du dann durchaus auf Anerkennung bis Begeisterung - "Wow! Wie geil ist das denn?" Klar, da sieht sich der Amateur-Mofa-Rennfahrer plötzlich genauso dramatisch abgebildet wie der Profi-Motocross-Fahrer. Und ist begeistert.

Macht tierisch Spaß (kommt gleich auf mit "Traktor-Pulling", auch so eine total schräge Sache) - Geld verdienen kann man damit allerdings nicht. Und da schließt sich der Kreis dann wieder: die Möglichkeiten sowohl für Fotografen als auch für Models, mit der "Modelfotografie" Geld zu verdienen... die werden durch den Einsatz von "KI" deutlich geschrumpft werden. Aber so ist der Lauf der Dinge - die Diesel- und E-Loks brauchen ja auch keine Heizer mehr...

("Geld verdienen mit Fotos" - schon vor Jahrzehnten spießte das mal in einer Fotozeitschrift jemand auf... die Fotografie sei das einzige Hobby, in dem viele Leute unbedingt mit ihrem Hobby Geld verdienen wollten... Kein Briefmarkensammler würde mit seinen Briefmarken Geld verdienen wollen, kein Amateur-Tänzer, niemand in einer Amateur-Theater-Truppe...)
#235Report
1 month ago
MAINpics #234
Ein wenig schade ist es schon, dass ich so deutlich das Wort "angemessen" anstatt von "perfekt" verwendet hatte und das auch ausreichend begründet habe, genau um zu verhindern, dass jemand auf der Begrifflichkeit herumreitet. Deine Maßstäbe an "perfekt" würde bedeuten, dass man das Wort grundsätzlich auf den Index schreiben kann - nicht nur für Fotos und Bilder.

Und dass da plötzlich noch ein Trend hervorgezaubert wird, der vielleicht für einige Monate in den USA "IN" war, das überrascht mich keineswegs: Der Trend ist, dass irgendein Spezialfall zum Normalfall gemacht wird. Wir sind hier in der MK, wo noch vor kurzer Zeit bemängelt wurde, dass auf vielen Bildern Brüste schärfer als die Augen wären. Und wenn einmal echte Bewegungsunschärfe auf einem Bild ist (wobei feststehende "Teile" knackscharf sind), dann findet sich auch immer jemand, der das ganze Bild für "unscharf" erklärt.

So kann man nicht vernünftig diskutieren.
#236Report
1 month ago
#236 - Doch, so kann man vernünftig argumentieren, finde ich auch. Perfekt meint hier doch nur: wesentlich (!) um handwerklich/technische Perfektion bemüht - als Leitgedanke ist die schon überholt.
Angemessen, da hast du recht, folgt dem Inhalt und ist kein Selbstzweck.

Wenn Norbert Hess schreibt ''...diese ''perfekte'' Technik wird in Folge davon ihren Reiz womöglich total verlieren. Der INHALT einer Fotografie dagegen eine regelrechte Renaissance erlangen.'' schließt auch er ja nicht aus, dass man den Inhalt möglichst gut aufbereitet. Sondern betont nur, dass er (wie auch Mainpics und ich) glaubt, dass die technische Aufbereitung nicht mehr das Entscheidende am Fotografieren sein wird. Wie es ja hier bekanntlich viele so sehen möchten und betreiben. Ich glaube auch, dass die KI das wird gut machen können und der handwerkliche Perfektionsanspruch als Thema des Machens sich damit erübrigt. Aber innovative Inhalte kann sie wahrscheinlich nicht. Und die innovativen, menschlich und emotional anfassenden Aspekte sind das, was die Menschen auch in Zukunft begehren. Hoffentlich :-)

(... wer sich an technischer Perfektion aufgeilen will, wird jetzt schon von den existierenden Möglichkeiten, z.B. Photoshop, gut bedient und künftig mit KI noch besser. Dieses kulturelle Gelüste wird sicher irgendwie bleiben, okay, aber wohl nicht mehr nennenswert von Fotografen bedient werden.)
#237Report
1 month ago
Marcello Rubini
Sorry nein!
Wenn ich ausdrücklich "perfekt" nicht anwende, dann kann man nicht genau auf diesem Wort herumreiten. Das ist eben keine vernünftige Diskussion. Ebenso destruktiv ist es, einen angeblichen temporären Hype auf unscharfe Bilder in den Ring zu werfen. Ich würde hier einmal zwischen gezielt eingesetzter Unvollkommenheit (dazu könnte man mit viel Phantasie auch lowkey zählen - zumindest aber Unschärfe oder Dunkelheit in Teilen des Bildes, um anderes hervorzuheben), logische Unvollkommenheit (z.B. Bewegungsunschärfe um Bewegung zu zeigen) und zufällige Unvollkommenheit, die schlicht durch falschen Umgang mit der Kamera entstanden ist. Bei letzterem würde Kunst dann rein zufällig entstehen. Daran glaube ich nicht.

Speziell, was die Unschärfe betrifft: Es ist viel einfacher, Teile eines scharfen Bildes in der Nachbearbeitung unscharf zu machen als umgekehrt. Es kann nie schaden, wenn man mit seiner Kamera umgehen kann. Und wenn sich Künstler hinstellen und die Unvollkommenheit herausstellen, dann haben sie damit eben NICHT gesagt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Sie haben es in vielen Fällen absichtlich gemacht.
#238Report
1 month ago
Und dann gibt es vielleicht sogar noch einen weiteren Aspekt zur Unvollkommenheit, an den letztgenannten anschließend. Man sieht ein ''verdorbenes'' Bild, das ungewollt eine faszinerende Wirkung erzielt. Zufall. Man überlegt, woher die kommt und ob man ähnlichen Zufall auch gesteuert einsetzen kann. So sind zum Beispiel viele surrealistische Werke in der Kunst entstanden, siehe den wunderbaren Max Ernst, der darin Meister war.

Hier liest das Beispiel mit den unschafen Bildern sich für mich eher so, als ob ein optischer Spass, flüchtig wie Instagram, gewohnte Sehweisen ablösen soll. Aus der gegebenen Beschreibung kann man den künstlerischen Wert nicht beurteilen, nicht mal vermuten. Das Beispielhafte daran ist für mich, dass die üblichen Perfektionsmaßstäbe an Fotografie experimentell negiert wurden. Und man eben trotzdem bzw. gerade deswegen Spass am Bildergucken hat, vielleicht auch am Machen, jedenfalls an pfiffigen und originellen Varianten und Ideen. Ohne solche wirds mit dem Prinzip eben nix.
#239Report
1 month ago
Am Rande der Diskussion erlaube ich mir auf eine Ausstellung ab 13. Juni 2026 mit Werken von Christian Tagliavini und Eugenio Recuenco in der Galerie CAMERA WORK in Berlin hinzuweisen. Deswegen, weil auch deren Beispiele zeigen, dass die ungewöhnlichen fotografischen Sichtweisen unverwechselbar und eigen sind. Sowas kann KI vielleicht nachahmen, aber die originellen Bildfindungen eben nicht.
#240Report

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