Fotobücher: Wenige High- und viele Lowlights? Warum? 94

eckisfotos
Der Gedankengang mit der Weiterbildung ist von mir tatsächlich so gemeint, dass ich mir Fotobücher kaufen WÜRDE, um NEUES zu entdecken (was ja eine Form der Weiterbildung ist). Ich kaufe mir keine Fotobücher, um Werke noch einmal zu sehen, die ich bereits gesehen habe. Ich bin Hobbyfotograf und kein Bildersammler. Natürlich werden andere - vermutlich sogar die Mehrheit - das anders halten.


Sicherlich ist das eine Geschmacksfrage. Man kann es sicherlich so sehen. Den Gegensatz 'Hobbyfotograf und kein Bildersammler', den sehe ich für mich aber so selbstverständlich nicht. Als Hobbyfotograf interessiert mich Fotografie insgesamt und nicht nur, dass ich selbst fotografiere. Hobbymusiker hören ja z. B. i.d.R. auch die eine oder andere Band gerne zu Hause und beschäftigen sich nicht nur damit selbst Musik zu machen. Aber wie gesagt, ich kann die Einstellung sich keine Fotobücher zu Hause anschauen zu wollen ja durchaus verstehen. Es spart auf jeden Fall eine Menge Platz und das ist ja auch etwas. Wenn man z. B. sogar ein fotografisches Gedächtnis hat, wäre das auch extrem praktisch. Dann ist mit einem Ausstellungsbesuch der ganze Ausstellungskatalog auch obsolet, da jederzeit im Kopf gespeichert.

Was Norbert Hess betrifft:
Ich rate jedem, seinen Ausführungen über Versicherungen keinen Glauben zu schenken. Im Zweifelsfall werden google oder eine KI meine Ausführungen bestätigen. Auch im Bereich Versicherungen können Fehler teuer werden.


Es ist zwar weit vom Thema weg.... Obwohl, eigentlich so weit auch wieder nicht. Denn ein weiterer Vorteil von Fotobüchern von Fotografen ist ja häufig, dass man auch etwas über die Fotografen hinter den Fotos erfährt. Ich würde Norbert deshalb in Versicherungsdingen und als Berufsfotograf jeweils als erfahrenen Mann vom Fach bezeichnen. Woran entzündet sich denn die Kritik? Nur am verwendeten Begriff Berufsrechtschutz? Das sollte im Zusammenhang mit Fotografen ja nicht verkehrt sein. Fotograf ist ein freier Beruf und dementsprechend gibt es einen Berufsrechtschutz für Selbstständige, siehe z. B.:

https://www.nuernberger.de/gewerbe/recht-haftung/gewerblicher-rechtsschutz/berufsrechtsschutz-fuer-selbststaendige/

https://tarifo.de/lexikon/berufsrechtsschutz-fuer-selbststaendige/
3 weeks ago
Martin Walltree (@chilloutfotografie)

Zuerst zum wichtigeren Teil in diesem Thread:

In früheren Jahrzehnten legte ich mir auch regelmäßig Neuerscheinungen der damals bekannten und angesagten Kollegen zu. Gerade eben insbesondere aus den von dir genannten Gründen. Die Verweildauer, die Intensität beim Studium der dort gezeigten Arbeiten ist eine ganz andere, als dieses oberflächliche "klicken" am Rechner.

In einem Punkt möchte ich dir allerdings widersprechen. Nicht jeder beherrscht beispielsweise das sogenannte "räumliche sehen". Nicht jeder ist in der Lage in seiner Umwelt das wesentliche vom unwesentlichen zu unterscheiden. Bestimmt ein wichtiger Faktor, warum die Qualität des einen von der des anderen eben abweicht. Gerade als Veranstalter von Workshops über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren musste ich immer wieder erkennen, dass bei allem Interesse nicht jedem in der Praxis dieses "Talent" gegeben ist. Hat also mit fehlender Motivation rein gar nichts zu tun.

Aber genau das macht eben aus, weshalb auch in diesem Bereich unseres (Berufs) Lebens der eine in dieser, der andere in jener Liga spielt.

Sorry, jetzt doch noch erneut (und leider) zu eckisfotos:

lese mal http://www.model-kartei.de/fotos/foto/20681445/
In diesem Artikel wird auch meine berufliche Vorgeschichte angerissen. Ich war viele Jahre in leitender Position des inzwischen Welt weit wohl größten Versicherungskonzerns tätig. Zu meinen Mitarbeitern gehörten u.a. drei Volljuristen. Über meinen Schreibtisch liefen Zahlungen (meistens noch in D-Mark) im mittleren 2-stelligen Millionen Bereich. Das alles wohlgemerkt bereits in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Also, eventuell wäre es wohl nicht ganz falsch den Ball hier mal etwas flach zu halten.
3 weeks ago
PS
Sollte das Bild nicht bei jedem erscheinen:
bitte auf meiner SC auf " 8. Galerie" und dort wiederum Bild 3 anklicken.
3 weeks ago
@ eckisfotos

Der Gedankengang mit der Weiterbildung ist von mir tatsächlich so gemeint, dass ich mir Fotobücher kaufen WÜRDE, um NEUES zu entdecken (was ja eine Form der Weiterbildung ist). Ich kaufe mir keine Fotobücher, um Werke noch einmal zu sehen, die ich bereits gesehen habe.

Mal angenommen, Du hast 5 Bücher von Hel.. New... (oder einem anderen berühmten Fotografen). Dann gibt es noch eine rare US-Edition, die für 250 - 300 € gehandelt wird, somit zu teuer, aber in einer New Yorker Bibliothek konntest Du es während Deiner USA-Reise einmal 3 Stunden lang anschauen. Auch jetzt, 3 Jahre später erinnerst Du Dich noch an 8 Bilder daraus, die Dich enorm beeindruckten. Nun erscheint für 59 € eine neue Edition, in der 7 von diesen 8 Bildern enthalten sind - und 450 weitere Bilder, die aber schon in Deinen vorhandenen 5 Bänden enthalten sind.
Wenn ich total fasziniert bin, dann kaufe ich doch diese neue Ausgabe, um jedenfalls diese 7 Bilder immer wieder betrachten zu können ?
3 weeks ago
#44: Ja, das ist auch für mich das schöne an Fotobüchern. Dass man sie und manchmal auch bestimmte Bilder immer wieder betrachten kann. Der Kauf eines Fotobuches ist eine kleine Aneignung der betreffenden Bilder. Deren Originale man sich ja auch nicht leisten kann. Und dann kommt noch der Effekt dazu, diverse Bilder im Laufe der Zeit vergessen zu haben und sie beim Wiederdurchblättern wiederzuentdecken (und wiederzulieben).
Das ist eine ''Liebhaberei'' und unter dem Aspekt der ''Weiterbildung'' darf es auch noch insofern funktionieren, weil man stets Neues am Bekannten entdeckt.
Ja früher hatte ich außerdem noch die von dir erwähnte Sammelleidenschaft. Damit ist Schluß jetzt, kein Platz mehr und das hat leicht überhand genommen.

Der informative Gang durch die Buchhandlung spielt sich natürlich anders ab und da ist eckisfotos Herangehensweise auch die von vielen von uns. Aber da kaufe ich nicht zur Information, dafür blättere ich vor Ort. Ich kaufe nur, was ich öfter sehen möchte.
3 weeks ago
SEE KnipsbildnerMarcello Rubini
Wir drehen uns im Kreis. Ich glaube, dass ich zu einer großen Mehrheit von Menschen gehöre, denen Fotobücher als Sammlung von Fotos alter Meister völlig "wumpe" sind. Ich gehe auch nicht auf Ausstellungen. Da mag mich gern der eine oder andere wie Norbert Hess als "Kulturbanause" ansehen und falsch behaupten, dass ich diese alten Meister nicht achten würde (doch, ich achte sie). Ich habe aber schlicht keinen Platz im Haus, um ein bestimmtes Sollkontingent von Newtons (da halte ich ohnehin mehr von Isaac Newton) und Picassos aufzuhängen und im Bücheregal machen sich schon Goethe, Schiller und Lessing breit. Und dabei halte ich mich noch für gemäßigt, denn vielen Zeitgenossen reicht ja heute schon ein Blick auf das Minidisplay des Smartphones. Das ist dann auch kein Wunder, wenn der TO im Eingangsbeitrag das aktuelle Angebot negativ kritisiert. Warum also kaufen?
eckisfotos
vielen Zeitgenossen reicht ja heute schon ein Blick auf das Minidisplay des Smartphones. Das ist dann auch kein Wunder, wenn der TO im Eingangsbeitrag das aktuelle Angebot negativ kritisiert. Warum also kaufen?


Klingt logisch... und auch wieder nicht. Nehmen wir das Reality TV. Es wird ja oft beklagt, dass die Qualität des Fernsehens immer weiter abgenommen hat. Das ist offensichtlich gerade in Deutschland so. Und es ist erklärbar. RTL & Co zeigen den letzten, billig zusammengeschusterten Müll und die Leute gucken es, die Werbezeiten werden verkauft. Wenn es also für den deutschen Fernsehmarkt reicht, mit ein paar Laiendarstellern billigst gescriptetes günstig zu produzieren, warum soll ich mir als Sender dann in Deutschland mehr Mühe geben und hochwertiges Fernsehen machen? Funktioniert also wirtschaftlich.

Wenn Fotobücher wegen digitaler Gewohnheiten aber nicht mehr gekauft werden, ergibt es eigentlich keinen Sinn viele mit wenig Mühe produzierte Machwerke auf den Markt zu werfen. Sie werden ja nicht 'trotzdem' gekauft und landen dann irgendwann stark reduziert bei den üblichen Billigbuchvertrieben. Es ergibt ggf. Sinn, wenn es auf den Konsumenten gar nicht ankommt, weil der Verlag sein Geld vielleicht vorher schon verdient hat. Da brachte ich ja schon mal die Frage auf, ob ggf. reiche Gönner (Papa vom fotografierenden Berufssohn, Kunstförderung etc.) schon für Gewinn beim Verlag sorgen, bevor sie die unverkauften Bücher nach Rücksendung durch den Buchhandel verschrotten. So würde es immerhin wirtschaftlich funktionieren. Ansonsten... müsste sich das Problem am Ende von selbst geben. Der richtige Weg gegen schnellen Digitalkonsum wären ja eigentlich sehr hochwertige Bücher, deren Haptik und Optik einfach mehr Bock macht. Die gibt es ja auch. Und die kaufe ich auch heute noch. Aber es ist entsprechend selten, das sowas im Laden auftaucht. Vielleicht ist es aber - und die Theorie gab es auch schon hier - gar nicht seltener als früher. Es kommt einem unter dem vielen (subjektivem) 'Schrott' vielleicht nur so selten vor.
3 weeks ago
Martin Walltree (@chilloutfotografie)
Ist es denn so, dass Fotobücher mehrheitlich noch über richtige Verlage vertrieben werden? Mir schein es so zu sein, dass Künstler ihre Bücher quasi selbst verlegen.

Die RTL-Schelte kann ich nicht ganz nachvollziehen, aber ich sehe durchaus interessante thematische Überschneidungen. So sehe ich ÖRR-Programme, die sehr abgehoben rüberkommen und mit Mut zur Lücke (analog zu weißen Seiten in Büchern) auffallen. Privatfernsehen kommt durchaus oft mit leicht verdaulicher Kost, weil ja die Zuschauer - vielmehr deren Anzahl - letztlich die Höhe der Werbeeinnahmen beeinflusst. Diese Sender können sich unbeliebte Sendungen schlicht nicht leisten. Vielleicht können die Macher von Fotobüchern daraus lernen.
3 weeks ago
Norbert Hess
Ich achte übrigens auch Dein fotografisches Werk und Deinen beruflichen Werdegang. Ich entnehme Deinen Ausführungen, dass Du in der Schadensbearbeitung der Allianz tätig warst. Daher habe ich mich dort informiert:
https://www.allianz.de/recht-und-eigentum/rechtsschutzversicherung/arbeitsrecht/arbeitsrechtsschutz/#definition
Du findest dort:
"Wer oder was ist nicht versichert?
...
Freiberuflich oder selbst­ständig arbeitende Personen
..."
Beachte einfach das Wort "nicht" in der ersten Zeile.

Was lernen wir daraus?
1) für die meisten Fotografen ist ein solches Versicherungsprodukt ungeeignet.
2) Falsch ist falsch und richtig ist richtig - und zwar unabhängig davon, was man beruflich gemacht hat. Und selbst wenn: Schadensbearbeitung könnte ich locker schlagen.

Wir können die Frage nach Versicherungsmöglichkeiten für Hobbyfotografen gern einmal - in einem neuen Thread - klären.
eckisfotos
Ist es denn so, dass Fotobücher mehrheitlich noch über richtige Verlage vertrieben werden? Mir schein es so zu sein, dass Künstler ihre Bücher quasi selbst verlegen.


Im Buchhandel sind das oft schon immer noch Verlage, sicherlich auch viele kleinere, die man nicht so gut kennt wie Schirmer/Mosel, Taschen etc. https://www.froelichundkaufmann.de/fotografie/

Die RTL-Schelte kann ich nicht ganz nachvollziehen, aber ich sehe durchaus interessante thematische Überschneidungen. So sehe ich ÖRR-Programme, die sehr abgehoben rüberkommen und mit Mut zur Lücke (analog zu weißen Seiten in Büchern) auffallen. Privatfernsehen kommt durchaus oft mit leicht verdaulicher Kost, weil ja die Zuschauer - vielmehr deren Anzahl - letztlich die Höhe der Werbeeinnahmen beeinflusst.


Ich lese oft, dass viele das mit den Länderpunkten bei Tutti Frutti damals nicht verstanden hatten. Vermutlich hat man sich diesem Publikum angepasst. Raketenwissenschaft war das ja nicht gerade.

Diese Sender können sich unbeliebte Sendungen schlicht nicht leisten. Vielleicht können die Macher von Fotobüchern daraus lernen.


Ein Markt billiger Erotik-Fotobücher für einfache Bedürfnisse wird bereits in allen Facetten bedient. Das ist jetzt nur nicht was ich suche und hier meine. Ich hoffe, die Macher hochwertiger Fotobücher nehmen sich dann irgendwann eher ein Beispiel an hochwertigen Streamingangeboten. Es gibt für alles heute entsprechende Streaminganbieter und -kanäle. Wer das Angebot genießen möchte, nimmt dafür auch Geld in die Hand. Sogar für Dokus, die man heute in kaum noch einem Elektronikmarkt findet. Aber auch dort merkt man, dass es im angelsächsischen Raum verbreiteter ist, für sowas auch etwas Geld auszugeben. Hochwertige deutsche Produktionen sind da so rar wie gute deutsche Serien (zumindest von deutschen Fernsehsendern kommen sie nicht, die kommen ja mit Trash TV gut über die Runden, auch da müssen Netflix und Co zeigen wie es geht).
3 weeks ago
@ eckisfotos
@ Marcello Rubini
@ Martin Walltree
Daß es wegen der Erforschung der Lichtbrechung und des Farbspektrums wichtiger oder jedenfalls interessanter sei, sich mehr mit Isaac und weniger mit Helmut Newton zu beschäftigen, kann ich gut akzeptieren. Denn das für mich aktuell interessanteste "neue" Buch betrifft Oldtimer der Marke Opel, es erschien aber schon vor 15 Jahren - und die letzte Fotoausstellung, die ich sah, war über Helmut Newton. Vor 10 oder 15 Jahren hätte ich mir dann vielleicht auch das passende Buch dazu gekauft, denn da war ich mittendrin im Shooting-Thema - und habe nämlich damals das Opel-Buch verpaßt.
Der Autor dieses Oldtimerbuchs hatte die damals 75 bis 85 Jahre alten Originalbilder, Prospekte, Reklame und Dokumente schon gesammelt - denn sonst hätte er dieses Buch nicht schreiben können. Jetzt fing auch ich an, solche nun 90 bis 100 Jahre alten Aufnahmen aus aufgelösten ehemaligen Familienalben zu sammeln. Auch wenn ich mich dadurch nicht weiterentwickle, denn ich schaffe nichts Neues und was ich subjektiv als Weiterbildung erlebe, ist den anderen bereits bekannt, die dieses Buch schon vor 10, 12 oder 15 Jahren kauften und lasen.
Vielleicht habe ich aber schon ein Bild mit bestimmten Extras oder Ausstattungen an solch einem Oldtimer in meinem Fundus, das bisher sogar dem Buchautor entging - dann hätte ich nämlich eine bewahrenswert neue Erkenntnis als Bilddokument, von dem auch die heutige Fachwelt nichts weiß oder nur vage Vermutungen hat, weil die einstigen Firmendokumente dazu im Bombenhagel zerstört wurden. Ein bisher unbekanntes Gemälde, das Picasso vielleicht schon 1935 gemalt haben könnte, wäre doch eine Sensation !? Feuilletons würden sich überschlagen, ttt und Kulturzeit hätten ihre Sendezeit sofort beplant, während der Tutti-Frutti-Zuschauer eher ungerührt bliebe oder die Verschiebung der Sportschau "wegen so 'nem Prütt" bekrittelt ..
Aber welches Buch und welche Sendung sind nun "Schrott" ? Zeitgleich mit "Tutti Frutti" gab es auch "Série Rose" als erotisches Betthupferl nach Vorlagen von Guy de Maupassant, gedreht in Frankreich und deutsch synchronisiert in der DDR - fand ich kulturell sehr bereichernd !
Sind die Expertisen zum "neuen" Picasso nun wissenswerter und bildender als eine DVD zur "Série Rose" ? Wer entscheidet das und wieso soll ich mir dann deshalb die mit etwa 470 Seiten angekündigte Neuauflage eines Buches zulegen, das vielleicht den Titel "Meister der modernen Malerei" trägt, wovon aber die 440 Seiten starke vorletzte Auflage doch schon für 5€ in der Second-Hand-Bücherkiste liegt ? Gäbe es solch eine Entdeckung zu Salvador Dali, wäre dies für mich ein guter Grund, eben diese Neuauflage zu kaufen ....
3 weeks ago
Zitat: "Ein Markt billiger Erotik-Fotobücher für einfache Bedürfnisse wird bereits in allen Facetten bedient."

Ist das wirklich so? Dann wäre die Frage doch, warum das so ist und warum angeblich (jedenfalls hier oft behauptet) die Konsumenten solchen Materials dieses in der MK suchen.

Ferner frage ich mich, warum RTL auch heue noch nach einer Sendung bewertet wird, die (laut meiner Recherche von eben) von 1990 bis 1993 lief. Diese Sendung muss sehr eindrucksvoll gewesen sein. Ich bin jetzt gespannt auf die Erklärung der Länderpunkte. Soweit ich gehört habe, spricht es für hohe Intelligenz, wenn man es nicht verstanden hatte. Mein Kritikpunkt an Privatsender ist, dass die erlaubte Werbezeit bis über die letzte Sekunde hinaus ausgeschöpft wird. Die Qualität des Programms unterscheidet sich in der Summe nicht vom ÖRR. Auch bei der so genannten "Empörungskultur" (der Stuttgarter Bahnhof bekommt keine Klimaanlage) oder dem Vertreten von Minderheitenmeinungen (Gendern) tun sich die Sender allesamt nichts.

Bei Fotobüchern gibt es keine nervige Werbung (man könnte schnell blättern). Auch hier wäre es gut, wenn Bücher den Geschmack der potentiellen Käufer bedienen würden. Offensichtlich ist das nicht der Fall bzw. - wir hatten es schon - der schnelle und billige Blick auf ein kleines Display stellt die Menschen von heute schon zufrieden.
3 weeks ago
#52: ''Auch hier wäre es gut, wenn Bücher den Geschmack der potentiellen Käufer bedienen würden. Offensichtlich ist das nicht der Fall ...''
Das tun sie durchaus, so blöd sind Verlage nicht. Allerdings macht es keinen Sinn, sich auf ein ohnehin desinteressiertes Mainstream-Publikum zu stürzen, das statt in eine Buchhandlung zu gehen lieber mit dem Coffe-to-go-Becher in der Hand aufm Handy herumdaddelt und sich dann für kompetent hält. Es gibt noch ein anderes Publikum, das in Buchhandlungen geht und auch in Ausstellungen (jenseits des Tourismus). Durchaus (und vorwiegend) auch junges. Und da, da braucht man nicht lange als ''Aussenstehender'' zweifeln, geht die Kultur ganz zeitgenössisch weiter. Ohne tiktok.

Selbstverlegte Bücher sind inzwischen kein Novum mehr, aber auch die haben gelernt, dass sie meist ohne Buchhandlungen (und ihr Publikum) nicht auskommen, die müssen persönlich abgegrast werden. Die Buchhandlungen sind allerdings kritisch und verderben sich ihr Sortiment nicht mit Beiläufigem.
Und auch da gibt es noch Unterschiede zwischen Dussmann und dem engagierten Einzelhändler, die kann man nicht alle über einen Kamm scheren.

A propos TV, mal etwa vergleichbar mit privat und arte gesehen. Der Mainstream hackt gerne auf arte und seinem anspruchsvollen Programm herum. Aber das hat seine Zuschauerschaft und arte fährt durchaus zeitgemäß und modern durch die Gegenwartsrealität. (Die Musiksendungen sind ausserdem konkurrenzlos!) Und nutzt auch das Internet erfolgreich. Man muss sich nicht an RTL orientieren.
Ganz parallel zu ''... den Geschmack der potentiellen Käufer bedienen''. arte ist immer noch kein Nischenprogramm, auch wenn Tante Emma das glaubt. (Und am Rande: da wird man auch in Sachen zeitgenössische Fotografie fündig.)
3 weeks ago
Marcello Rubini
Da möchte ich aber die Bilanz von arte sehen - nicht weil ich dem Programm keine Zuschüsse gönne, sondern weil ich davon ausgehe, dass das Verlegen von Büchern keine Zuschüsse erhält.
3 weeks ago
arte ist öffentlich-rechtlich und erhält - wie auch Museen und andere Kultureinrichtungen - öffentliche Kulturmittel. Über solche zu diskutieren geht hier vielleicht etwas weit. Wir reden von ''guten Fotobüchern'' auf dem Markt und am Rande von ''gutem TV''.

(https://corporate.arte.tv/de/finanzierung/)
3 weeks ago
Marcello Rubini

ARTE ist betriebswirtschaftlich eben ein klassischer Zuschussbetrieb und nichts anderes. Er reit sich damit nahtlos in viele unserer kulturellen Programme und Einrichtungen mit ein. Im Gegensatz zu privaten Unternehmen, die sich selbst (re)finanzieren müssen. Ein Blick auf die Haushaltslage vieler Städten und Gemeinden genügt zu der gesamten Thematik wohl.

"Es gibt noch ein anderes Publikum, das in Buchhandlungen geht und auch in Ausstellungen (jenseits des Tourismus)."

Das mag wohl so sein und hier und da bestimmt zutreffen. Kauft die Mehrzahl dieses Publikums aber auch die dort offerierten Produkte? Meine Erfahrungen insoweit beruhen leider nicht selten auf dem Gegenteil. Die Frage, welche sich mir insoweit regelmäßig stellt: würde dieses Klientel sich exakt so verhalten, wenn damit Kosten aus der eigenen Tasche anfielen? Stichwort "Eintritt". Wie hoch ist eigentlich der Anteil unserer sogenannten "jungen Künstler", deren Arbeit sich finanziell tatsächlich auch rechnet? Bezogen wieder auf diese eingangs angesprochenen betriebswirtschaftlichen Gründe.
3 weeks ago
Wenn die Diskussion hier darauf abhebt, dass Kunst, Kultur etc. nur dahingehend beurteilt werden können und sollen, dass sie ''sich rechnen'', bin ich raus. Und wünsche allen, die sich nur in kommerziell bewertbaren Kulturprodukten aufhalten wollen (und die auch danach bewerten), viel Spass!
Danke euch für die vielen Gedanken! Das ggf. veränderte Konsumverhalten (digital, Smartphone wischen etc.) hat für mich die beschriebene Schwemme von unambitionierten Büchern noch nicht zufriedenstellend erklären können. Es dürfte sie dann schlicht erst Recht nicht geben.

Wenn wir davon ausgehen, dass der Markt für gedruckte Fotobücher schrumpft und heute fast nur noch Enthusiasten, Sammler und Fotografen 50 bis 100 Euro für einen Bildband ausgeben: Warum wird dann genau an dieser kritischen Zielgruppe anscheinend oft vorbei produziert? Ein Massenprodukt kann man über Stückzahlen verramschen. Ein Nischenprodukt für Kenner und Liebhaber lebt aber vor allem von Qualität und sinnvoller Kuratierung.

Nach ein bisschen weiterer Recherche kristallisieren sich für mich drei Gründe heraus, warum die eher unterdurchschnittlichen Bücher trotzdem so zahlreich im Regal stehen.

1) Da wäre der Trend zu einer Art Eggleston-Style / der Schnappschuss-Ästhetik. So wie er sie selbst einführte, ist das für mich eigentlich eine begrüßenswerte Stilrichtung, da Natürlichkeit für mich gegenüber der stark gekünstelten Pose und Situation vorzuziehen ist. Authentizität ist an sich gut. Doch es scheint so, dass heute nichts mehr zu banal ist und so ist manches junge Fotobuch von einer Schnappschusssammlung für mich nicht mehr zu unterscheiden. Dabei will man sich anscheinend von der technisch makellosen Fotografie (Raw-Content vs. Instagram Style) abheben. Was der eine als fotografische Belanglosigkeit empfindet, verkaufen der Verlag und der Künstler dann als erfrischende Dekonstruktion des Alltags. Ist es nicht witzig, dass wir so ein Streben nach Überperfektion mit KI und auf der anderen Seite die Rückentwicklung zum Schnappschuss sehen? Beide Extreme scheinen mir nicht sinnvoll.

2) Dann wäre da noch Pay-to-Publish. Anscheinend finanzieren sich tatsächlich einige dieser Bücher nicht in erster Linie über den Verkauf an Kunden im Laden. Da fließen Kulturfördergelder, Stipendien, Galerie-Zuschüsse oder schlicht Eigenkapital der Fotografen (ggf. eigene Abnahmeverpflichtung) oder ihres Backgrounds. Der Verlag hat sein Geld (und seine Marge) dann schon verdient, bevor das Buch überhaupt im Laden ankommt. Das finanzielle Risiko liegt dann nicht beim Verlag. Es gibt dazu ein paar Quellen, u. a. Jörg Colberg taucht dazu auf, der auch ein Buch über Fotobücher mit entsprechenden Hinweisen herausgebracht hat. Das erklärt, warum der Inhalt die Konsumenten wohl oft gar nicht überzeugen muss und es ist dann eine Annäherung an 'Vanity Press', wo ein Buch ja auch quasi verlegt ist aber nur auf der Liste steht und nicht im Laden. Es kann gedruckt werden. Ob es auf Dauer gut gehen kann, sich durch solche Modelle ein Prestige zu versprechen, während man das Prestige eines verlegten Buches damit selbst zerstört?

3) Und dann wäre da wohl noch der Einfluss der Buchgestalter, die ja nicht nur Fotobücher und diese ggf. nicht immer zielgerichtet für die Fotos gestalten. Sie verstehen das Buch selbst als ihr Kunstprojekt. Da wird der weiße Raum, die Papiergrammatur und die Typografie wichtiger als das Bildmaterial, dem der Fotograf selbst wohl fast immer den größten Raum einräumen würde. Doch das Foto ist so nur ein austauschbarer Inhalt, den sie halt im nach ihrem Gusto designten Werk unterbringen. Es wird zum bloßen Stilelement degradiert. Es wäre nicht das erste Mal, dass am Konsumenten vorbei gearbeitet wird. Ob das korrigiert werden kann, bevor das Genre den Bach runter geht?

Aber all diese Thesen setzen natürlich voraus, dass ich mit meinem Eindruck richtig liege und sich die auf mich unambitioniert und belanglos wirkenden Schnappschuss-Werke nicht in Wahrheit verkaufen wie geschnitten Brot...
3 weeks ago
@ Martin Walltree
Zu Deinem 2. ist nicht nur das Schrottbuch selbst zu nennen, sondern auch die fake-Rezension, also künstliches Hypen, damit gute Bücher auf hintere Ränge abgedrängt werden.
Da die KI nicht nur Texte erzeugt, sondern mittlerweile auch glaubhafte Bilder, "schreibt" demnächst einer einen "Top"-Reiseführer, obwohl er noch nie dort war, und eine verfaßt das "No.1"-Kochbuch, obwohl sie weder zur Bratpfanne noch zum Backblech griff.
3 weeks ago
Marcello Rubini
Mir ist klar, dass es nicht darum geht, Kunst über/durch den betriebswirtschaftlichen Erfolg zu bewerten. Das will ich auch gar nicht tun. Fakt ist aber, dass es "Zuschussbetriebe" nur in den Bereichen gibt, wo auch Förderungen fließen. Ansonsten kommt das tolle Fotobuch eben nicht auf den Markt oder nur dann, wenn der Herausgeber riskiert, auf den Verlusten sitzenzubleiben. Die Frage von Martin Walltree (@chilloutfotografie) ist natürlich berechtigt: Warum kommen schlechte Bücher auf den Markt? Ich kann es nur vermuten: Gute Künstler haben es vielleicht nicht nötig, ins Risiko zu gehen. Künstler, die wirklich von ihrer Kunst mehr schlecht als recht leben, die können es vielleicht auch nicht. Bei Hobbykünstlern, die mit einem anderen Beruf viel Geld verdienen oder verdient haben und ohnehin viel Geld ins Hobby pumpen, sitzt das Geld für eine Vorfinanzierung eines Bildbandes vielleicht lockerer.

Ich habe es aber auch so verstanden, dass es nicht (nur) um schlechte Fotos in Bildbänden geht, sondern um die Aufmachung der Bildbände selbst (also zu kleine Bilder, freie Seiten, ...). Da muss ich an die letzten Museen denken, die ich besucht habe. Teilweise stehen die Exponate dicht an dicht - teilweise ist aber auch sehr viel Platz. Ich kann das in nur wenigen Fällen nachvollziehen, beispielsweise als ich Gelegenheit hatte, eine Briefmarke aus Mauritius zu betrachten. Die hatte auch rund 30qm Platz für sich allein - und die Besucher und die drei Wachleute.

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