wo bleibt die kreativität? 294

2 weeks ago
Eine zu kleine Auswahl ist genauso wenig empfehlenswert. Agenturen oder auch Kunden bevorzugen meistens eine größere Auswahl

Alle Bildagentur-Redakteure, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe (und das waren etliche, von mehreren großen Agenturen), sagen stets klipp und klar:

Wer sich als Fotograf bei einer Agentur vorstellen will, sollte sich auf eine Präsentation von maximal 50 Fotos beschränken. Und die 50 müssen sitzen. Mehr guckt sich niemand an. Wenn man mit 30 überzeugen kann: umso besser.

Daß Agentur-Kunden eine größere Auswahl bevorzugen kann ich so nicht bestätigen, eher im Gegenteil. Eine Agentur ist dafür da, den Kunden möglichst passgenau zu beliefern. Niemand möchte mit 100 oder 200 Fotos überschwemmt werden, wenn er ein bestimmtes Bild sucht. Es kostet viel zu viel Zeit, die alle zu sichten.

Davon abgesehen gilt wie immer: es kommt drauf an. Vor allem darauf, wie viele Ressourcen auf der Abnehmerseite zur Verfügung stehen. Vor allem, wie viele personelle (also zeitliche) Ressourcen. Wenn ich einen Tageszeitungs-Redakteur mit 30 Fotos von einem einfachen Termin überschütte, ist der genervt. Wenn ich einen Bildagentur-Redakteur mit 100 Fotos vom Landesparteitag bedenke, ist der glücklich - vorausgesetzt, das Zeugs ist bereits ordentlich beschriftet.

Wer mit Stockfoto-Material arbeitet, ist anfangs begeistert von der Fülle an Fotos. Ziemlich schnell lernt er dann zu schätzen, wenn das massiv reduziert wird.
#281Report
2 weeks ago
@Marcello Rubini:
Wenn das Portfolio das beste zeigt, was ein Fotograf so macht, ist es vielleicht auch repräsentativ, wenn es eine Aneinanderreihung von Varianten ist. Die ist dann stellvertretend für kreative Vielfalt: "Toll, was der Fotograf aus einem Motiv so alles rausholt!" :-)

Da müsste man jetzt erstmal definieren, was man unter "Varianten" verstehen will.

Im Bildagentur-Geschäft versteht man unter "Varianten" leichte Abweichungen desselben Motivs. Hochformat und Querformat sind Varianten eines Motivs. "Kreative Vielfalt" wird - nach dieser Definition jedenfalls - nicht durch verschiedene Varianten eines Motivs unter Beweis gestellt, sondern durch eine unterschiedliche fotografische Behandlung eines Themas.

Wie gesagt: Definitionsfrage - aber man sollte sich als Fotograf hüten, sich in "Varianten" zu verlieben. Will man sich und die eigene Leistung präsentieren, dann sollte man die eine beste Variante auswählen, und den Rest ins Archiv packen. (Vielleicht braucht man ja noch mal irgendwann eine Variante, wo viel Leerraum links oben oder rechts unten für Text ist, oder was auch immer.)
#282Report
2 weeks ago
https://www.instagram.com/sheidlina/


Witzig, gekonnt, nett, bunt, ... aber... wieviel Substanz es hat, wird man in zehn Jahren beurteilen können. Ich vermute: wenig.
Gilt allerdings für sehr viele Bilder sehr vieler Fotografen. Es ist das "gewisse Etwas", das bessere Fotografen von guten unterscheidet. Schwer, vielleicht unmöglich zu definieren oder zu erklären, aber man kann es erkennen. (Ich glaube sogar, daß man vielleicht lernen kann, es zu erkennen.)

Ich finde es aber letztlich unerheblich, ob ein Foto auf einer Skala von 0 bis 10 eine 9 oder 10 erreicht. Alles ab 6,5 ist ansehenswert, man kann sich davon inspirieren lassen, oder auch einfach nur erfreuen.
#283Report
2 weeks ago
Eigentlich kann ich mich den Argumenten von @Tom Rohwer in #281-283 nur voll anschließen.

Zu meinen "aktiven" Zeiten war mir am liebsten wenn ich vom Auftraggeber (egal ob Werbeagentur oder Unternehmen als solchem) einen ganz präzise formulierten Auftrag bekam. Die dann vorgelegten Ergebnisse waren in aller Regel immer derart Themen spezifisch erfasst, dass man sich oftmals auf EIN ganz bestimmtes Foto für eine (zum Beispiel) ganz bestimmte (Produkt) Aussage einigte.

Um so mehr "Auswahl" ich (bei welchem Kunden auch immer) biete, um so schwerer fällt dem dann nämlich die Entscheidung. Die ganz große Gefahr dabei: er kann oder möchte sich vor lauter Vielfalt überhaupt nicht entscheiden!

Fazit: eine (fotografische) Arbeit muss das jeweilige Thema erfassen und umsetzen. Nicht in form von Masse, sondern von Klasse.
#284Report
2 weeks ago
#281
Es macht bei der Betrachtung einen Unterschied ob Werbeagentur oder Bilderagentur/Bilddatenbank.
Und es kommt darauf an, wer dort die Verantwortung hat. Das kann ganz unterschiedlich sein. Der eine wünscht Nuancen und mehr Ausschnitt und der nächste will nur eine Aufnahme haben vom Setup und verlässt sich auf die Entscheidung und Auswahl des Fotografen. Ich erlebe bei Werbeagenturen häufiger die Fraktion, die mehr Bildmaterial wünscht, weil Speicher nicht mehr viel kostet.
#285Report
1 week ago
Bei dem Bericht ist mir spontan der MK-Thread in
den Sinn gekommen:

Artikel des RND: Klick hier

Vor der Restaurierung war es nur ein hübsches Bild,
nach der Restaurierung ist es ein kreatives Bild ... ;-)
#286Report
@ Peter Herhold

Sehr...ääähhh...gelungen. :-D

Aber das zeigt, daß nicht nur Bahnhofs- und Flughafenbauer gnadenlos überfordert sein können.
#287Report
1 week ago
@ Norbert Hess:
Fazit: eine (fotografische) Arbeit muss das jeweilige Thema erfassen und umsetzen. Nicht in form von Masse, sondern von Klasse."


Dann reicht es ja eigentlich,
wenn es weltweit ein Akt-, ein topless-
und ein Gesichtsportrait gibt.

Ganz so pauschal und einfach ist das Thema
na dann zum Glück doch nicht. Da können wir
alle aufatmen und mal selber unser ganz
eigenes, unverwechselbares Ding erschaffen !

Viel Spaß und Freude dabei !

______________________________________________________

@ Peter & Patrick:

Auf der einen Seite Geiz und auf der anderen Seite die Unfähigkeit
einer Selbsteinschätzung und zu € 1.200 "nein" zu sagen.
Meiner bescheidenen Meinung nach ist beides der Ausdruck von
absolut fehlendem Verantwortungsbewusstsein und die Folge von
fast überall auftretendem Fehlen des "zur Verantwortung ziehen".

In der Politik führt solches Versagen ja recht oft zu einem doppelt
so hoch bezahlten Posten. Beispiele sind ja ausreichend bekannt.
#288Report
1 week ago
@Fotocowboy
Ohne dir zu nahe treten zu wollen: die Werbebranche funktioniert oftmals eben etwas anders.

Und glaube mir bitte: mit den Werbern, mit denen ich zusammen arbeitete, die waren schon ziemlich erfolgreich. Übrigens über Jahrzehnte!
#289Report
1 week ago
@ Norbert Hess:

Gar kein Zweifel.
...und selbst diese sehr erfolgreiche Werber
wollen ja für dasselbe Produkt immer wieder neue,
andere, kreative Bilder. Über Jahrzehnte hinweg. Richtig ?

Also wir widersprechen uns einander doch gar nicht.
#290Report
1 week ago
Ach noch was @Fotocowboy:
Ist dir schon mal aufgefallen dass bei einer Produktwerbung nahezu ausschließlich Immer die gleiche Szenerie Verwendung findet. Egal ob auf einem Foto oder einem Werbespot. Compris?
#291Report
1 week ago
...und das oft sogar in gleicher Farbgebung.
Ich hau mich wech !
#292Report
1 week ago
Zitat: Patrick Michael Weber ...

@ Peter Herhold

Sehr...ääähhh...gelungen. :-D

Aber das zeigt, daß nicht nur Bahnhofs- und Flughafenbauer
gnadenlos überfordert sein können.


Es ist wie Photoshop, nur analog mit Pinsel und Farben ... ;-)

Ich habe schon viele Fotos gesehen, die direkt aus der Kamera
sehr hübsch waren. Nur die Fotografen meinten dann, es per
Bilbearbeitung noch etwas "kreativer" gestalten zu müssen,
was oft vollkommen in die Hose geht ...
#293Report
1 week ago
Bei dem Bericht ist mir spontan der MK-Thread in den Sinn gekommen:

Artikel des RND: Klick hier

Vor der Restaurierung war es nur ein hübsches Bild, nach der Restaurierung ist es ein kreatives Bild ... ;-)

Nun ja. Wer für 1200 € ein Gemälde restauriert haben will, sollte sich hinterher nicht wundern. Insofern passt es sogar sehr gut zum MK-Thread.
#294Report

Topic has been closed