Discussion: Quo vadis Model-Fotografie 191

1 week ago
Für mich bezieht sich also die Frage ''Quo vadis Model-Fotografie'' also auch darauf, wo der Mensch bleibt im Ziel der Abbildung.

Danke für Deine Einlassung. Das ist eine gute Fragestellung, der man nachgehen könnte. Interessiert es die Macher der Mode überhaupt, wo der Mensch bleibt? Wie ehrlich sind die Hersteller in Bezug auf Nachhaltigkeit? Oder sind es nur Marketing Phrasen die in den IG Zielgruppen gut ankommen?
Wie könnte man zB. Ernsthaftigkeit visualisieren?

Dazu habe ich Spasses halber mal Google KI gefragt. Und das kam raus. OK, erinnert etwas an die Ausbildung...aber immerhin.
Aber wen interessiert eine solche Diskussion schon? Wahrscheinlich nur Marcello und mich....?

1. Farbpalette (Gedeckt & Zeitlos)Monochromie:
Schwarz-Weiß-Darstellungen oder starke Graustufen wirken zeitlos und auf das Wesentliche reduziert.Tiefe, dunkle Töne: Dunkelblau, Anthrazit oder Tannengrün vermitteln Stabilität und Vertrauen.Erdige Farben: Brauntöne oder matte, ungesättigte Farben strahlen Ruhe und Bodenständigkeit aus.

2. Typografie & Linienführung
Klare Serifen oder serifenlose Schriften: Nutzen Sie schnörkellose Schrifttypen wie Helvetica, Roboto oder klassische Serifenschriften wie Times New Roman. Sie wirken gebildet, gesetzt und professionell.Präzise Geometrie: Saubere, gerade Linien und exakte rechte Winkel symbolisieren Ordnung und Verlässlichkeit.Vermeidung von Verspieltheit: Zu dünne, kursive oder verschnörkelte Schriften wirken schnell unseriös oder oberflächlich.

3. Bildsprache & KompositionSymmetrie:
Zentrierte oder streng symmetrische Anordnungen von Elementen vermitteln Ausgewogenheit und Kontrolle.Fokus & Tiefe: Ein klares Hauptmotiv mit einem dezenten, unscharfen Hintergrund (geringe Schärfentiefe) lenkt den Blick auf das Wesentliche und zeugt von Klarheit.Architektur und Natur: Motive wie massive Bauwerke, ruhige Berglandschaften oder weite Horizonte stehen für Beständigkeit und Größe.

4. Metaphorische SymboleWaage:
Steht für Ausgewogenheit, Gerechtigkeit und wohlüberlegte Entscheidungen.Monolith / Fels: Symbolisiert Unerschütterlichkeit und Substanz.Kompass / Anker: Zeigt Zielstrebigkeit, Orientierung und Halt.
#101Report
Die Frage, wie sich die People-Fotografie bezogen auf KI weiterentwickelt wird gerade in aktuellen Video von blog.bildpunk angesprochen. In dem Beitrag wird eine Zukunft dort gesehen, wo Fotos Spuren hinterlassen, Spuren davon, dass jemand wirklich dort war. Dass ein Moment stattgefunden hat. Dass ein Bild nicht berechnet, sondern erlebt wurde.

Genau so sehe ich es auch. Und deshalb finde ich das Foto von Natalia, welches hier gezeigt wurde, eigentlich als ein gutes Beispiel an, wie Fotos nicht (mehr) sein sollten. Sicher ist das Foto nach formalen Kriterien gut, aber es lebt nicht. Für mich ist das Foto quasi wie in einem Korsett gefangen, man spürt förmlich den Aufwand den Fotograf und Model betrieben haben um es genau so hinzubekommen.
Ich denke (und weiss es aus unserem Shooting), dass Natalia ein Mensch mit vielen Facetten und Bewegung vor der Kamera ist. Also warum geben wir ihr nicht den Freiraum sich selber vor der Kamera auszudrücken? Ist es die Angst des Fotografens die Kontrolle zu verlieren ? Gewinnen wir aber nicht im Gegenzug die Spuren eine Moments, der wie oben geschrieben, so stattgefunden hat ?

https://www.youtube.com/watch?v=pkoM9lyvO_A
#102Report
1 week ago
#78, #102: Naja, formalästhetische Spielereien wird es immer geben und gab es auch schon immer, auch in der Bildenden Kunst. Diese Bilder bedienen die Lust an Schönheit an sich, ein Bedürfnis, das es immer gab und eigentlich auch keiner Rechtfertigung bedarf. Ich finde, auch Model-Fotografie kann und soll das ruhig betreiben und die Handwerksbegeisterten haben oft gerade auch das im Hinterkopf. Da ist dann das Model irgendwie eine Annäherung an eine (unpersönliche) Idealgestalt. Ein Modell. Ich denke, die KI wird das auch locker hinkriegen (bzw. tut sie das schon), denn die Kombi vieler individueller Schönheiten läuft auf solche unpersönlichen Ideale heraus.

Wenn man Model-Fotografie aber (noch) als Menschenfotografie begreift, geht es höchstens um eine individuelle Schönheit. Es gibt hier ja einige unter uns, die das konsequent betreiben, zum Beispiel diejenigen, denen die Bilder als nachvollziehbares Dokument einer Begegnung dienen, die also auf diesem Wege versuchen, den menschlichen, erlebten Begegnungsmoment zum Betrachter zu transportieren. Das erfordert eine ganz andere fotografische Herangehensweise als im ersten Beispiel. (Die Lücke in der Kontrolle ist schwierig zu fassen.)

Die Not, die See mit der KI-Kennzeichnung hat, ist schwer mit all seinen (schrägen) Vergleichen aufzulösen. Er übersieht jedenfalls das Gewicht des breiten Missbrauchs heute gegenüber damals. Und er wirft den Betrachter-Betrug bei Stunts in denselben Topf wie Fakebilder, die eine Persönlichkeit bewußt missbrauchen. Stunts sollen nicht den Schauspieler in ein falsches Licht rücken, sondern die ausgedachte Filmfigur erzählbar machen. Zum Beispiel.

Unterm Strich geht es mir also nicht darum, dass es zu Recht viele Strömungen in der Model-Fotografie gibt, sondern darum, ob der Trend zu Plattitüde und Gleichmache und Machbarkeit auch die Betrachterinteressen versimpeln wird. Das schlägt sich ja schon in den Millionen (nach Vorgaben) zurechtgestutzter Insta-Selfies nieder. Immerhin geht es aber wohl noch darum, dass jeder sein eigenes Selfie machen und zeigen will. Zur Zeit also noch der Trend zur großen Gemeinschaft mit gleichen Idealen, darin will aber jeder noch individuell erscheinen.

Ich bin neugierig, wie ausgeprägt die Model-Fotografie künftig noch das Individuelle suchen darf (wenn sie beachtet werden will) oder ob der Tech-Trend dahin geht, das Individuelle als Scheinindividuelles vorzugeben und die Masse der Fotografen folgt dem. Die Neigung, es Vorbildern gleichzutun ist ja nicht zu übersehen, wenn man beispielsweise hier in die ''Neuen Fotos schaut. Und da hat See dann schon recht, dass es egal ist, ob man selbst den Vorgaben gerne nachahmend folgt oder es die KI (oder Voreinstellungen) richten läßt. Das individuelle besteht dann in pfiffigen Prompts und im Aussuchen der ausgespuckten Ergebnisse. Das reicht vielleicht gerade mal für Pop-Kultur, vielleicht noch für Camp.
So lange wie man ablehnt, eine künstlerische Mission (auch nur eine klitzekleine) zu verspüren mit seinem fotografischen Tun, und sie lieber den Technikfeatures preisgibt, ist der Mensch als Thema nicht mehr so wichtig und damit fördert man den Gang der Entwicklung geradlinig. Einerseits.

Andererseits kommt es dann meistens doch anders, wenn den Menschen das Menschliche zu sehr fehlt.
(Deswegen mag ich den Begriff People-Fotografie auch nicht so, der Begriff Menschen-Fotografie enthält schon eine gewisse Forderung.)

Sorry für die Länge des Beitrags!!
#103Report
@ Marcello Rubini

Die Not, die See mit der KI-Kennzeichnung hat, ist schwer mit all seinen (schrägen) Vergleichen aufzulösen. Er übersieht jedenfalls das Gewicht des breiten Missbrauchs heute gegenüber damals. Und er wirft den Betrachter-Betrug bei Stunts in denselben Topf wie Fakebilder, die eine Persönlichkeit bewußt missbrauchen. Stunts sollen nicht den Schauspieler in ein falsches Licht rücken, sondern die ausgedachte Filmfigur erzählbar machen.

Ich bin neugierig, wie ausgeprägt die Model-Fotografie künftig noch das Individuelle suchen darf (wenn sie beachtet werden will) oder ob der Tech-Trend dahin geht, das Individuelle als Scheinindividuelles vorzugeben und die Masse der Fotografen folgt dem. Die Neigung, es Vorbildern gleichzutun ist ja nicht zu übersehen, wenn man beispielsweise hier in die ''Neuen Fotos schaut. Und da hat See dann schon recht, dass es egal ist, ob man selbst den Vorgaben gerne nachahmend folgt oder es die KI (oder Voreinstellungen) richten läßt. Das individuelle besteht dann in pfiffigen Prompts und im Aussuchen der ausgespuckten Ergebnisse.


Mit der KI-Kennzeichnungspflicht ab August habe ich gar kein Problem, ich finde dies schon richtig. Wenn ich aber die moralische Perspektive dazu auch mal retrospektiv wirken lassen möchte, dann hat Tom Rohwer dies auch sehr gut "geerdet" - nämlich so oder so das Vorgeführte nicht einfach für bare Münze zu nehmen, sondern zu hinterfragen.
Politische Bildfälschung und eben auch der Einsatz von Stunts und Doubles in Hollywood, aber auch in Berlin, Hamburg oder München (Adlershof, Babelsberg, Geiselgasteig usw.)
Die ausgedachte Filmfigur, die im Drehbuch vorgesehene Szene könnte z.B. sein : Nackte Kriegerin reitet auf dem Pferd, gerät in feindlichen Beschuß mit Pfeilen oder wird mit heißem Teer übergossen - also Stunt und Double in einem, denn die hochdotierte Hauptdarstellerin will nicht nackt sein, sie will auch keine Schrammen riskieren und schon gar keinen Beinbruch, ihre Haut soll unversehrt bleiben und ihre Lockenpracht nicht verfilzt und verklebt werden.
Hat das Drehbuch dennoch seine Berechtigung - so wie die Idee des Bildgestalters, der eben die für das MK-Bild erdachte Szene arrangiert und inszeniert ? Auch in einem MK-Shooting kann es bei B/G oder G/G eine "angenehme" und eine "unangenehme" Rolle geben, etwa mit dem glamurös aufgestylten Fashionmodel A einerseits und dem freizügigen Bodypainting-Model B andererseits. Wenn dann die A auch noch 450 €/h als Gage bekäme, die B aber nur 90 €/h ?
Erledigt sich die Szene "nackt im Schlamm" durch virtuelle Animation und der "Roger Rabbit"-Film bräuchte keine 3 Mio. händische Zeichnungen mehr, wie auch Alf und Asterix durch KI ganz anders entstünden ..?
Gefälschte Nacktheit durch KI - das ist ein "deepfake", wobei die Person, deren Gesicht verwendet wird, solch eine Szene nicht haben will.
Gefälschte Nacktheit in Hollywood - das ist die gedoublete Szene, wobei die mit ihrem Gesicht gezeigte Person suggeriert, daß auch ihr eigener Körper hierbei vorkäme.
Tatsächlich gibt es in beiden Fällen keine Authentizität zwischen Kopf und Körper .. nur wird ersterenfalls, also beim deepfake der fremde Körper abgelehnt, während man sich im kommerziellen Film gerne dieses fremden Körpers bedient.
Wer also wird oder wurde mißbraucht ? Der bzw. die, die ihren Körper hergab - oder die, deren Gesicht verwendet wurde ?
"Es ginge nicht ums Bild, sondern um die schlüpfrigen Kommentare" - das wurde doch auch schon thematisiert. Was also, wenn deepfakes Lob und Jubel bewirken würden ? Oder wenn es zumeist Männer träfe, die durch deepfakes verfremdet würden : Der eine bekäme ein "mickriges Zipfelchen", der andere eine gewaltige "long dong" Vollausstattung .. und was, wenn der mit dem "Zipfelchen" Post von 10 Frauen bekäme, aber der andere in Haßkommentaren als "schwuler Stricher" bezeichnet würde ? Oder wenn der mit dem vermeintlichen "Zipfelchen" tatsächlich homosexuell wäre und sich bei den Frauen nur artig bedankt ... Wie also weiß man, ob das deepfake gut oder böse, erwünscht oder unerwünscht ist ..? Oder die verschlankende Verschönerung, die doch auch ein fake ist ..? Dann wäre "out of cam" doch das Wahre ..
#104Report
1 week ago
Die KI wird so oder so zum Einsatz kommen - wenn auch nicht innerhalb der MK. Die Missbrauchsmöglichkeiten helfen uns nicht weiter. Gefälschte Fotos hat es schon vor 50 Jahren gegeben. Entscheidend ist doch, was wird auf zukünftigen Bildern zu sehen sein (Stil, Thema, ...).
#105Report
1 week ago
See, ich vertraue darauf, dass es beim Film Drehbücher gibt und darauf bezogene Verträge mit den Schauspielern. Die reden also mit, was mit ihnen geschieht, ob sie die ganze Story überhaupt so mit sich als Darsteller wollen und wenn ja, ob sie just die eine oder andere Szene nicht selbst umsetzen, sondern das per Trick gelöst haben wollen. Plus beidseitiger Vertrauensvorschuss. Wenn da im Nachhinein etwas anders läuft als abgemacht, gibt es Rechtauseinandersetzungen, weil es sich dann eventuell um Mißbrauch handelt. Nicht umsonst wird auch hier in der MK stets auf Vorabsprachen gedrängt.

#105: ''Entscheidend ist doch, was wird auf zukünftigen Bildern zu sehen sein (Stil, Thema, ...).'' Genau. Aber das Wie gehört eben auch zu den Vorgaben. Das ist ein gesellschaftspolitischer Anteil, den man nicht ausklammern kann.
#106Report
1 week ago
ob der Trend zu Plattitüde und Gleichmache und Machbarkeit auch die Betrachterinteressen versimpeln wird. ....


Ich bin neugierig, wie ausgeprägt die Model-Fotografie künftig noch das Individuelle suchen darf (wenn sie beachtet werden will) oder ob der Tech-Trend dahin geht, das Individuelle als Scheinindividuelles vorzugeben und die Masse der Fotografen folgt dem.

Marcello Rubini Danke für Deine Ausführungen.

Was unterscheidet sich hier von der Situation in den siebziger, achtziger Jahren? Gleicht es sich nicht, nur mit dem garvierenden Unterschied, dass die Anzahl der Bilderersteller explodiert ist. Betrachterinteressen erzeugen 'Gleichmache' und 'Gleichmache' erzeugt Betrachterinterssen. Am Beispiel von IG kann man dies perfekt belegen. IG bot die Filter an, diese wurden angenommen und zur Anforderung für Bilderstile gefordert. Gerade in der Fotografie gibt es immer schon Massenphänomene und das obwohl die Fotografie und ihre Urheber eigentlich nach Alleinstellungsmerkmalen sucht.
Gerade in der Modelfotografie ging es noch nie primär um die Modelle oder die Menschen dahinter. Es ging um den Verkauf der Produkte. Wenn ein Fotograf mit einem besonderen Stil dies in den Hintergrund drängte, und die Modelle in den Vordergrund seines Tuns hob, dann wurde das toleriert und gehypt, solange die Auflage stimmte und die Kampagne zum Gesprächsstoff wurde. Es entstanden kleine inszenierte Serien, die zum Interpretieren einluden.
Individualität war doch immer nur der Schein und der Mittel zum Zweck. Der Mensch ist in der Modelfotografie der Gardarobenständer für die Produkte und deren Umsatz. Ein Mittel zum Zweck. Mehr nicht.

In der Portraitfotografie sieht doch das ganze anders aus. Hier gilt nach wie vor die Kommunikation in der Entstehung als der Schlüssel zum Erfolg.
#107Report
1 week ago
Ich sehe das genau so wie einige Vorschreiben. Die KI hilft, ein perfektes Bild von einer perfekten Schönheit in perfektem Ambiente zu schaffen. Wer das so will, soll das so machen.

Wenn es aber um Brüche, um Zufälligkeiten und um die Seele geht, dann kommt man am Gegenüber nicht vorbei. Mal abgesehen, dass ich ausschließlich analog fotografieren, retuschiere ich keine Naben, eine Muttermale etc. weg.
Und bevor ich die Kamera zücke, unterhalte ich mich bei einem Tee mit den Menschen, die dann von mir abgelichtet werden. Schließlich interessieren mich die Menschen und ich möchte ihnen mit dem Ergebnis so nahe kommen, wie es nur eben geht.
#108Report
@ Marcello Rubini
Gewiß ist das so - die hochdotierte Leinwanddiva sagt natürlich, für welche Drehbuchszenen sie gedoublet oder eben virtuell animiert werden will. Viel MK-näher ist oder eben war das Double, denn manches MK-Model übernahm nämlich genau die Double-Rolle und zog dafür blank. Vielleicht wäre die Diva für zusätzliche 50.000 € mehr "über ihren eigenen Schatten" gesprungen, aber da entschied der Produzent, eben das Double für 2.000 € zu engagieren. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ? Wer also wird "unter Wert" verwendet ? Angebot und Nachfrage .. oder Moral und Gerechtigkeit ? Bei einer Gangbang/Gloryhole-Produktion waren trotz 10 € Teilnahmegebühr die anonym bleibenden 3 Dutzend Männer schnell gefunden, die weibliche Darstellerin bei einer Gagenzusage von 1000 € noch gesucht ...
Wenn jetzt die maskierten Männerköpfe per KI ersetzt würden durch einige Prominente ... oder Hitler und Stalin, wie sie es der Lilli Marleen gemeinsam besorgen ...
#109Report
MAINpics schrieb

Der Mensch ist in der Modelfotografie der Gardarobenständer für die Produkte und deren Umsatz. Ein Mittel zum Zweck. Mehr nicht.


Ich denke, das war früher tatsächlich so gewesen. Und es war auch bestimmt durch entsprechende Modezeitschriften, die bezogen auf die Fotografie einfach die Richtung bestimmten. Peter Lindbergh konnte davon ein Lied singen.
Aber heute? Ich denke, die Prozesse sind weitaus demokratischer geworden. Die sozialen Medien geben im Prinzip jedem die Chance auf eine Reichweite, entweder als Musiker, als Designer, als Model oder als Fotograf. Entscheidend für den Erfolg ist dabei sicherlich die eigene Persönlichkeit und die entsprechende Darstellung. Ich denke, je persönlicher und ausgeprägter dabei das Auftreten ist, desto höher ist die Chance, dass sich andere damit identifizieren.
Daher auch hier meine Vermutung: Alles was perfekt und durchdacht, aber auch kühl und emotionslos gestaltbar ist wird durch KI ersetzt. H+M macht das bereits für die Kataloge im grossen Stil.
Aber alles was persönlich fühlbar und authentisch ist, was erlebbar und auch nicht planbar ist kann weiter eine Chance haben. Das bedeutet, dass sich Modefotografie tatsächlich hin zur Peoplefotografie entwickeln könnte.
#110Report
1 week ago
@SEE:
Genau, jahrhundertelang wurden quasi "deepfakes" erstellt ! Es war bei aller Präzision doch nie die exakte Abbildung jedes Quadratzentimeters blanker Haut, jeder Haarsträhne usw.
Die unverfälschte Offenbarung entsteht nur durch das Objektiv, zeigt authentisch genau die Person vor der Kamera.

Beim ersten Satz gehe ich uneingeschränkt mit, beim zweiten nur begrenzt. Fotos zeigen nur sehr selten "authentisch" eine Person oder eine Situation oder was auch immer.
Schon durch die Auswahl von Aufnahmestandpunkt, Licht, Belichtungszeit, Schärfentiefe, Farbe oder S/W, Farbstimmung usw. usf. sind die allermeisten Fotos durchaus subjektiv. So wirklich "objektiv" sind vielleicht Fotos der kriminalpolizeilichen Spurendokumentation - da will man's jedenfalls möglichst so haben.


Ob Maler, Morphing oder KI - es entsteht bestenfalls eine virtuelle Zwillingsschwester.

Ob Maler, Fotografie, Morphing oder KI - es entsteht bestenfalls eine virtuelle Zwillingsschwester...

Wobei interessanterweise manche Maler so "fotorealistisch" malen, daß sie zumindest die klassische Fotografie damit teilweise in den Schatten stellen. (Da denke ich dann immer sofort an den Marine-Maler Jochen Sachse, 1930-2013.)
#111Report
1 week ago
@Chris W.Braunschweiger:
Und deshalb finde ich das Foto von Natalia, welches hier gezeigt wurde, eigentlich als ein gutes Beispiel an, wie Fotos nicht (mehr) sein sollten. Sicher ist das Foto nach formalen Kriterien gut, aber es lebt nicht.

Das liegt meiner Ansicht nach immer im Auge des Betrachters.

Für mich ist das Foto quasi wie in einem Korsett gefangen, man spürt förmlich den Aufwand den Fotograf und Model betrieben haben um es genau so hinzubekommen.

Das spricht aber nicht gegen ein Foto. Und überhaupt auch nicht gegen ein Bild - viele berühmte Maler der Kunstgeschichte haben einen großen Aufwand betrieben, um ein Bild zu hinzubekommen, wie sie es sich vorgestellt hatten und wie es dann am Ende eben auch aussah und wirkte.
Ich denke (und weiss es aus unserem Shooting), dass Natalia ein Mensch mit vielen Facetten und Bewegung vor der Kamera ist. Also warum geben wir ihr nicht den Freiraum sich selber vor der Kamera auszudrücken?

Weil es eine vollkommen andere Sache ist, mit einem Menschen (Model, Schauspieler oder wer auch immer) zusammen Fotos... zu finden, die sich aus dem Sich-ausleben des Abgebildeten und der Interaktion zwischen Fotograf und Abgebildetem usw. ergeben, und andererseits als Fotograf ein bestimmtes Bild im Kopf ("im Sinn") zu haben und nun mit aller zur Verfügung stehenden Kompetenz und Technik und einem dazu passenden und dazu fähigen Model ein Bild zu "erschaffen".

Und zwischen diesen beiden Polen gibt es unzählige Zwischentöne.

Ist es die Angst des Fotografens die Kontrolle zu verlieren ?

Wieso sollte das "Angst" sein müssen? Es kann genausogut auch eben genau die Vorstellung des Fotografen sein.

Gewinnen wir aber nicht im Gegenzug die Spuren eine Moments, der wie oben geschrieben, so stattgefunden hat?

Vielleicht, vielleicht auch nicht. Und selbst Reportage-Fotografie ist alles andere als objektiv, und zeigt durchaus immer wieder mal eine Wirklichkeit, die überhaupt nicht wirklich ist.
(Da denke ich dann sofort immer an den Unterschied zwischen Brassai und Weegee. Beide haben ungefähr zur selben Zeit gearbeitet, und teilweise auch an denselben Themen. Aber während Brassai Pariser Clochards der 1930er Jahre als "Aristokraten" der "Pariser Schattenwelt" portraitiert hat, fotografierte Weegee New Yorker Obdachlose als "dreckige, stinkende Penner". Um es mal bewusst hart auszudrücken.

Beides hat seine Berechtigung, beides enthält Wahrheit. Ich habe manchmal versucht mir vorzustellen, was wohl dabei herausgekommen wäre, wenn ein Fotograf eine Mischung aus Brassais und Weegees Sicht- und Darstellungsweise gemacht hätte.

Ein lauer Mittelweg, denke ich, der weder Brassai noch Weegee auch nur ansatzweise das Wasser hätte reichen können...
#112Report
1 week ago
@Chris W.Braunschweiger:
Aber alles was persönlich fühlbar und authentisch ist, was erlebbar und auch nicht planbar ist kann weiter eine Chance haben. Das bedeutet, dass sich Modefotografie tatsächlich hin zur Peoplefotografie entwickeln könnte.

Ich bin mir sehr sicher, daß die KI auch das hinbekommen wird - aus vorhandenen Bildern und Eindrücken Bilder zu erzeugen, die auf den Betrachter "persönlich fühlbar und authentisch" wirken.

Dieses Phänomen - das etwas, daß überhaupt nicht "echt" ist, "persönlich fühlbar und authentisch" wirkt, gibt es schon seit mehr als einem Jahrhundert. Man nennt es Spielfilm. Wenn der gut ist, empfindet der Zuschauer die Protagonisten im Film als "persönlich fühlbar und authentisch". Und geht tief betroffen aus dem Kino, ob der persönlich-religiösen Konflikte, die jemand in dem Film durchlitten hat. (Nur mal als Beispiel.)

Aber in Wirklichkeit hat der Schauspieler, der das so grandios rüberbringt, daß es sich ins Gehirn einbrennt, persönlich gar nix mit solchen Konflikten zu tun. Und steht persönlich vielleicht sogar für das Gegenteil von dem, was er da im Film so überzeugend darstellt.

Und eher im Gegenteil: kaum eine Dokumentation, die echte, reale Menschen zeigt, kann einen persönlichen Konflikt so gut fühlbar, nachvollziehbar machen wie eine Kinofilm-Produktion, mit Schauspielern, und Beleuchtern, Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann usw. usf.
#113Report
1 week ago
Ich finde in einigen der vorhergehende Beiträge "interessant" auf welche Art zwischen "Modelfotografie" und "Portraitfotografie" unterschieden wird. Vielleicht täusche ich mich, aber bisher war ich davon ausgegangen, dass "Modelfotografie" ein Oberbegriff ist.
Die These, dass es bei "Modelfotografie" nie um das Modell ging, trifft nur in dem Teilbereich zu, wo tatsächlich für Kleidung und andere Produkte geworben wird - und auch da gibt es Ausnahmen.

Produktwerbung ist ebenso aber wie Reportagen ein Gebiet, was bei Amateurfotografen in der MK wohl kaum eine Rolle spielt.
#114Report
1 week ago
Zu aller erst einmal einen großen Dank an nahezu alle Diskutanten, die inhaltlich dazu beitragen, dass hier eine Debatte entstanden ist, die es verdient und die es wirklich Wert ist, sich auch mal wieder aktiv daran zu beteiligen.

Ohne damit andere in die 2. Reihe stellen zu wollen, aber insbesondere Marcello Rubini als auch MAINpics haben daran einen ganz erheblichen Anteil.

Für mich zeigt das weibliche Wesen immer weniger Interesse in einem, nennen wir es einmal "ursprünglichen Stil", dokumentiert zu werden. Immer wieder zur Diskussion führende Aussagen bezüglich ganz bestimmter Darstellungsformen ("open legs" etc.) haben dabei aber nur am Rande zu tun. Jungen Frauen genügt es offensichtlich mit dem Smartphone jede Szene (oftmals selbst) festzuhalten. Hochwertige Bilder, die sie auch im hohen Alter noch mit Stolz anschauen können, die treffen den aktuellen Zeitgeist nur noch in seltensten Fällen.

Wobei wir schon bei einem nicht zu unterschätzenden Ansatz wären: die Zunahme "schlechter" Fotos. Ist aber dieser Sachverhalt in ganz entscheidendem Umfang doch auf die nahezu explodierende Anzahl an vor allem männliche Wesen zurückzuführen, die sich als Hobbie der erotischen Fotografie, in welcher Richtung auch immer, verschrieben haben. Richtet sich der Blick des Betrachters dabei aber nicht ganz entscheidend auf die Qualität des jeweils gezeigten? Nicht wenige glauben mit sehr guten technischen Kenntnissen auch Fotos in ähnlicher Qualität liefern zu können. Frage insoweit: ist denn ein Top Formel 1 Konstrukteur gleichzeitig ein so exzellenter Fahrer, der diesen Boliden auch zu erfolgreichen Zielen führen kann?

Man verzeihe mir, dass ich jetzt etwas ausschweife, wenn hier ein gewisser Thomas Höpker genannt wird. War das Betätigungsfeld dieses Kollegen nicht ein ganz anderes, das mit der klassischen Modelfotografie nichts, aber auch rein gar nichts zu tun hat? Nicht jeder Landschaftsfotograf versteht beispielsweise auch diesen Nerv im Umgang mit Menschen vor seiner Kamera zu treffen.

Für mich sollte im Gegensatz zu dieser dort gezeigten "Moment Fotografie", der Schwerpunkt (oftmals auch auf Bereiche, die mit "Sensations- oder Kriegsberichtsfotografie" beschrieben werden kann) auf völlig andere Elemente gelegt werden:
der sorgfältigen Vorbereitung (wen möchte ich wie und hoffentlich in seiner persönlichen Charakteristik zeigen?), bei der Wahl einer dafür geeigneten Örtlichkeit,
der Verwendung unterstützender Accessoires,
um nur mal einiges zu nennen.
Eine gewisse Fertigkeit bei der technischen Umsetzung, wie in den Details auch immer, setze ich dabei einfach mal voraus.

Alles, aber wirklich alles, steht und fällt doch in diesem Bereich mit der Wahl des geeigneten Models!

Frage insoweit mal zwischendurch: wie bitte soll dafür KI qualifiziert sein? Oder kann die KI denn schon in die Köpfe von Models und auch der Fotografen schauen?

Noch ein kleiner Abstecher insoweit: mich stört ganz erheblich diese ständige Jammerei über die Steigerung der aufgerufenen Model Honorare. Verlangt denn nicht jeder für seine geleistete Arbeit, egal ob aus nicht selbständiger Tätigkeit oder als Freiberufler, eine angemessene Bezahlung? Was kosten denn heute allein schon Grundnahrungsmittel im Verhältnis zu diesen vor nicht einmal 5 Jahren? Ob ich als "Sparfuchs" aber die gleiche Motivation beim Model erfahre, insoweit habe ich meine Zweifel. Und was "denkt" die KI insoweit? Anders ausgedrückt: Wo bleibt eigentlich der reale Mensch? Kann sich dieser Mensch, den ich zu fotografieren gedenke, überhaupt noch mit meiner Arbeit identifizieren? Vor allem, wenn ich nahezu alle Entscheidungen in "die Hand Gottes" (nämlich der KI) lege?

Ach ja: die Diskussion jetzt auch noch auf die Bereiche anderer Kunstrichtungen wie der Malerei zu erweitern, das würde den Rahmen wohl völlig sprengen. Wäre aber einen weiteren Thread sicherlich wert.
#115Report
1 week ago
"Frage insoweit mal zwischendurch: wie bitte soll dafür KI qualifiziert sein? Oder kann die KI denn schon in die Köpfe von Models und auch der Fotografen schauen?"

Das soll sie gar nicht. AI ist nur ein Werkzeug. Wenn du damit umgehen kannst, macht sie genau das was du willst. Kreativ sein muss man selber, genauso als wenn man mit einer Kamera und einem Model arbeitet. Man muss sich ebenfalls vorher überlegen, wie das fertige Bild aussehen soll und wie man das umsetzt.
#116Report
@ Tom Rohwer

Beim ersten Satz gehe ich uneingeschränkt mit, beim zweiten nur begrenzt.

Aber in Wirklichkeit hat der Schauspieler, der das so grandios rüberbringt, daß es sich ins Gehirn einbrennt, persönlich gar nix mit solchen Konflikten zu tun. Und steht persönlich vielleicht sogar für das Gegenteil von dem, was er da im Film so überzeugend darstellt.


Zunächst vielen Dank für Deine Zustimmung zum ersten Satz. Desweiteren spielt natürlich die Aufnahmesituation eine Rolle - Perspektive, Licht und Schatten usw. denn so entsteht ja z.B. "verdeckte Freizügigkeit". Ob zufällig oder bewußt gestaltet - das, was auf dem Foto zu sehen ist, ist authentisch. Sicherlich ließe sich ein Schatten im Fotolabor oder am Computer mittels Bildbearbeitung oder KI einfügen, aber ein Detail unsichtbar zu machen ist eben was anderes als fälschend ein fremdes Detail einzufügen.

Zum Schauspieler, der persönlich für das Gegenteil steht : sicherlich kann auch ein überzeugter Atheist die Rolle eines Pastors spielen, aber wenn die Rolle genau das Gegenteil dessen erfordert, was man selber möchte ..
Gerade wenn hochdotierte Stars, die jedes Jahr 5 neue Angebote mit Millionengagen haben, eine Rolle annehmen, obwohl sie das Drehbuch nicht zu 100 % bejahen und alles Unangenehme aufs Double abschieben - was ist dann mit der angeblich so besonderen Herausforderung ?

Oder wie wäre es, wenn ein Model, das schon Teilakt auf Nein hat, sich auf einen Hardcore-Job bewirbt ? Das ergäbe doch nur dann Sinn, wenn sie dabei eine CFNM-Rolle übernähme (also wenn nur der Mann nackt ist und die Frau bekleidet bleibt)
#117Report
@ MAINpics

Individualität war doch immer nur der Schein und der Mittel zum Zweck. Der Mensch ist in der Modelfotografie der Gardarobenständer für die Produkte und deren Umsatz.

In der Portraitfotografie sieht doch das ganze anders aus. Hier gilt nach wie vor die Kommunikation in der Entstehung als der Schlüssel zum Erfolg.


Bei Lippenstift und Wimperntusche geht es aber auch um Produkte, obwohl der Bildausschnitt dann meist nur das Gesicht zeigt. Wir kommen so wieder zu der schon mal aufgeworfenen Frage, ob Lifestyle das Gegenteil von Fashion sei, und ob man vielleicht auch die Begriffe "Persönlichkeitsdarstellung" bzw. "Rollendarstellung" bräuchte ? Kommunikation im Vorlauf der Persönlichkeitsdarstellung ist sicherlich ebenso wichtig wie andererseits das Erfassen der Rollenaufgabe.
#118Report
1 week ago
@Norbert Hess:
Für mich zeigt das weibliche Wesen immer weniger Interesse in einem, nennen wir es einmal "ursprünglichen Stil", dokumentiert zu werden.

Wer soll denn dieses "das weibliche Wesen" sein? Die Frage ist jetzt wirklich ernst gemeint, nicht polemisch.
Ich denke, daß es quer durch alle Gruppen von "fotografierten Frauen" (wie auch Männern) höchst unterschiedliche Interessen gibt. Innerhalb der Gruppe der Models wie innerhalb der Gruppe der Nicht-Models, der privaten Portrait-Kunden, der Hochzeitsfoto-Kunden, der Geschäftskunden...

Und viele Leute, die auf welcher Grundlage auch immer Fotos von sich durch einen Fotografen machen lassen, haben da gar keine "Stil-Vorstellungen", außer vielleicht, daß sie Fotos haben wollen, die "nicht so steif wie beim Fotografen mit Fotostudio in der Fußgängerzone" sind. Also bei den klassischen Handwerksmeister-Fotografen ... wobei ich da auch sagen muss, daß sich in den letzten Jahren dort einiges getan und zum guten verändert hat. Dieser spezielle "Portrait-Foto-Stil", bei dem man unwillkürlich denkt, der Portraitierte wurde kurz vor einer Darmspiegelung fotografiert, so angespannt und ungemütlich guckt er... das ist ja auch viel weniger geworden.
(...)Jungen Frauen genügt es offensichtlich mit dem Smartphone jede Szene (oftmals selbst) festzuhalten.

Das liegt aber auch daran, daß heute viel mehr soziales Leben mit Fotos dokumentiert wird als früher, durch die Leute selbst, eben mittels Smartphone-Selfies oder Smartphone-Bildern gemacht durch gute Freunde u.ä.
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An der Stelle muss jetzt ein kurzer Einschub sein, die Geschichte ist wirklich mega-schräg... *LOL*

Über Silvester 2025/26 waren meine Liebste und ich in Arrecife auf Lanzarote. Dort gibt es einen ziemlich alten Brauch: an Silvester ziehen sich die Mädchen und Frauen, so ca. Alter 14 bis ~45, total schrille, "sexy" Klamotten an und gehen damit auf die Piste. "Sexy Klamotten" ist eine freundliche Umschreibung, auch die Beschreibung "Sie ziehen sich Nutten-Outfits an" wäre nicht falsch. Wir hatten das gar nicht so auf dem Zettel und als wir Nachmittags am 31. in Arrecife herumliefen, wunderten wir uns, wieso wir plötzlich das Rotlicht-Viertel entdeckt hatten, mit all den Damen des horizontalen Gewerbes. Waren sie aber gar nicht, waren nur die Silvester-Outfits.

Gegen 18 Uhr stand ich auf dem Balkon unserer Ferienwohnung, zentral in Arrecife in einer Fußgängerzone. Direkt gegenüber ging ein kleiner Weg ab, der an einem als Parkplatz genutzten Trümmergrundstück vorbei zur nächsten Querstraße führte. Eine Wellblech-Wand auf der einen Seite, eine Hauswand auf der anderen.

Ich gucke nach unten, und sehe plötzlich vier Frauen, Alter so Mitte 20 bis Anfang 30. Nicht direkt in "Nuttenoutfits", aber in quietschengen Jeans und mit freizügigen Tops und High-Heels. Alle offenbar nicht mehr nüchtern, und Prosecco-Flasche in der Hand. Plötzlich dreht sich eine der vier mit dem Rücken zur Wellblech-Wand. Und lässt die Jeans runter, und den String, hockt sich hin und pinkelt gegen die Wand. Großes Gelächter bei den anderen drei, die die Szene samt nacktem Hintern der vierten mit ihren Smartphones fotografierten. Das löste offenbar alle Hemmungen, denn nun ließen auch die anderen die Hosen runter und fotografierten gegenseitig ihre nackten Hintern... Ich war hin und her gerissen, eine Kamera mit 80-200 lag im Nebenraum auf dem Sofa, aber ich dachte, bis ich die Kamera geholt habe, ist die Szene vorbei, und ganz ehrlich: die Szene war einfach so schräg, daß ich mich nicht losreißen konnte...
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Hochwertige Bilder, die sie auch im hohen Alter noch mit Stolz anschauen können, die treffen den aktuellen Zeitgeist nur noch in seltensten Fällen.

Ich wage keine Prognose, ob die das in hohem Alter mit altersweisem Vergnügen wieder angucken werden, oder sich schon am nächsten Morgen verfluchen, daß sie das auf Instagram oder wo auch immer eingestellt haben... Ich wage nur die starke Vermutung, daß es mühsam sein dürfte, nicht nur in Spanien Models zu finden, mit denen man so eine Szene nachstellen könnte. Da müsste man wohl schon in der Hardcore-Porno-Branche suchen...

Wobei wir schon bei einem nicht zu unterschätzenden Ansatz wären: die Zunahme "schlechter" Fotos.

Die Zahl schlechter Fotos steigt statistisch zwangsläufig mit der Zahl der Fotos überhaupt. Und die ist exponentiell gestiegen...
Ist aber dieser Sachverhalt in ganz entscheidendem Umfang doch auf die nahezu explodierende Anzahl an vor allem männliche Wesen zurückzuführen, die sich als Hobbie der erotischen Fotografie, in welcher Richtung auch immer, verschrieben haben.

Das widerspricht der These, daß sich immer weniger Models finden lassen.

Richtet sich der Blick des Betrachters dabei aber nicht ganz entscheidend auf die Qualität des jeweils gezeigten?

"Den Betrachter" gibt es nicht, und viele Leute haben ganz andere Qualitätsmaßstäbe für als gut empfundene Fotos als Profifotografen oder engagierte Hobby-Fotografen oder gar Kulturwissenschaftler.

Man verzeihe mir, dass ich jetzt etwas ausschweife, wenn hier ein gewisser Thomas Höpker genannt wird. War das Betätigungsfeld dieses Kollegen nicht ein ganz anderes, das mit der klassischen Modelfotografie nichts, aber auch rein gar nichts zu tun hat?

Höpker hat in seinem Berufsleben (von "Kristall" über "Stern" bis zu "Magnum") wirklich alles fotografiert, und auch mit Models. Darum geht es aber gar nicht. Ich erwähnte Höpker ausschließlich wegen seiner an sich selbst gerichteten Qualitätsansprüche. Weil ich es äußerst bemerkenswert finde, daß ein zur Weltspitze zählenden Fotograf so selbstkritisch ist, daß er über seine eigene Arbeit sagt, er sei froh, wenn ihm ein oder zwei oder drei wirklich gute Fotos in einem ganzen Jahr gelingen.


Nicht jeder Landschaftsfotograf versteht beispielsweise auch diesen Nerv im Umgang mit Menschen vor seiner Kamera zu treffen.

Darum geht es doch gar nicht. Es geht allein um den extrem selbstkritischen Qualitätsmaßstab, den ein Fotograf an sich selbst stellt, dessen fotografisches Können und dessen fotografische Qualität meiner Ansicht nach außer jedem Zweifel stehen.

Für mich sollte im Gegensatz zu dieser dort gezeigten "Moment Fotografie", der Schwerpunkt (oftmals auch auf Bereiche, die mit "Sensations- oder Kriegsberichtsfotografie" beschrieben werden kann) auf völlig andere Elemente gelegt werden:
der sorgfältigen Vorbereitung (wen möchte ich wie und hoffentlich in seiner persönlichen Charakteristik zeigen?), bei der Wahl einer dafür geeigneten Örtlichkeit,
der Verwendung unterstützender Accessoires,
um nur mal einiges zu nennen.
Eine gewisse Fertigkeit bei der technischen Umsetzung, wie in den Details auch immer, setze ich dabei einfach mal voraus.

Auch darum geht es überhaupt nicht...

Alles, aber wirklich alles, steht und fällt doch in diesem Bereich mit der Wahl des geeigneten Models!

Ein erstklassiger Fotograf kann mit einem nur mäßig geeigneten Model mit Sicherheit bessere Fotos machen als ein mäßiger Fotograf mit einem erstklassigen Model.

Frage insoweit mal zwischendurch: wie bitte soll dafür KI qualifiziert sein? Oder kann die KI denn schon in die Köpfe von Models und auch der Fotografen schauen?

Muss sie doch auch gar nicht. Die KI nimmt vorhandenes Material und setzt es neu zusammen. Mal ganz extrem vereinfacht gesagt.
Damit macht sie übrigens nicht viel anderes als es Fotografen machen. In der Fotografie gibt es, großzügig geschätzt, vielleicht auf der ganzen Welt alle fünf Jahre mal eine wirklich neue fotografische Idee. Alles andere ist inspiriert von vorhandenen Fotos und Ideen, die von mehr oder weniger guten Fotografen mehr oder weniger gut neu aufgegriffen, zerlegt und wieder zusammengesetzt werden.

Noch ein kleiner Abstecher insoweit: mich stört ganz erheblich diese ständige Jammerei über die Steigerung der aufgerufenen Model Honorare. Verlangt denn nicht jeder für seine geleistete Arbeit, egal ob aus nicht selbständiger Tätigkeit oder als Freiberufler, eine angemessene Bezahlung?

Nö. Weder Uber-Fahrer noch Paketboten machen das, und viele andere Arbeitnehmer auch nicht. Sie würden vielleicht gern, aber sie haben gar nicht die realistische Möglichkeit.
Das ist mir aber auch völlig egal. Jeder kann soviel für seine Arbeit, seine Leistung, seine Kreativität fordern wie er mag. 1 Euro, 100 Euro, 1 Million Euro.
Spitzenfußballspieler sind dabei sehr erfolgreich, Spitzen-"Stars" auch, und seit einiger Zeit auch so einige "Spitzen-Influencer". Warum? Weil es genügend Leute gibt, die diese Beträge dafür zu zahlen bereit sind. Direkt oder indirekt. Da fasse ich mich durchaus manchmal an den Kopf, denke dann aber immer an das kluge alte Sprichwort: "Neid ist die ehrlichste Form der Anerkennung."

Wo bleibt eigentlich der reale Mensch? Kann sich dieser Mensch, den ich zu fotografieren gedenke, überhaupt noch mit meiner Arbeit identifizieren? Vor allem, wenn ich nahezu alle Entscheidungen in "die Hand Gottes" (nämlich der KI) lege?

Das schöne ist: das kann jeder selbst entscheiden.
#119Report
1 week ago
@SEE:
Mit der KI-Kennzeichnungspflicht ab August habe ich gar kein Problem, ich finde dies schon richtig.

Wer glaubt, daß das funktionieren wird, der glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten...

Ich nutze auch schon seit längerer Zeit »KI«, oder genauer gesagt: ein KI-basiertes System. Nicht im Bereich der Fotografie, da gibt es für mich keine Notwendigkeit. (Bis jetzt.) Sondern im Bereich von Übersetzungen. Und ich sage ganz klar: selbstverständlich werde ich das nicht als »KI-gestützt« kenntlich machen. Ich denke ja gar nicht dran...

Wenn ich ein Werkzeug benutzen will, dann benutze ich dieses Werkzeug. Zur Erstellung aller möglichen Dinge braucht man Werkzeuge, und es geht keinen was an, wie ich mit welchem Werkzeug arbeite. Ich sage ja auch nicht zu meinen Fotos, ob ich analog oder digital fotografiert habe, mit Nikon oder Canon - es sei denn, ich möchte das aus irgendeinem Grund dazu sagen.

Und ich bin auch sicher, daß sich diese Kennzeichnungspflicht genausowenig durchsetzen lässt wie eine Pflicht, an »Fake-News« einen Hinweis zu pappen »Dies hier sind Fake-News!« Das ist doch, pardon, alles nur noch Schwachsinn. KI-generierte Bilder, Tonaufnahmen usw. werden früher oder später zu entsprechender Forensik führen, so daß man sie von originären Bildern oder Tonaufnahmen unterscheiden kann - mehr oder weniger zuverlässig. Und dann geht das Hase- und-Igel-Spiel wieder von vorne los.

Die ausgedachte Filmfigur, die im Drehbuch vorgesehene Szene könnte z.B. sein : Nackte Kriegerin reitet auf dem Pferd, gerät in feindlichen Beschuß mit Pfeilen oder wird mit heißem Teer übergossen - also Stunt und Double in einem, denn die hochdotierte Hauptdarstellerin will nicht nackt sein, sie will auch keine Schrammen riskieren und schon gar keinen Beinbruch, ihre Haut soll unversehrt bleiben und ihre Lockenpracht nicht verfilzt und verklebt werden.
Hat das Drehbuch dennoch seine Berechtigung

Das ist jedenfalls nicht von »KI« oder »Nicht-KI« abhängig, sondern allein von der Frage: gibt's Leute, die sich sowas anschauen wollen? Und dann macht man es, oder eben nicht. Und normalerweise wählt man den einfachsten und billigsten Weg - es sei denn, man will Rolls-Royce verkaufen, die müssen möglichst teuer sein.

Gefälschte Nacktheit durch KI - das ist ein »deepfake«, wobei die Person, deren Gesicht verwendet wird, solch eine Szene nicht haben will.

Das ist eine Frage von Persönlichkeitsrechten, nicht von KI. Sowas war auch vor Jahrzehnten möglich, es war nur erheblich schwieriger, und wurde deshalb nur selten gemacht.
Gefälschte Nacktheit in Hollywood - das ist die gedoublete Szene, wobei die mit ihrem Gesicht gezeigte Person suggeriert, daß auch ihr eigener Körper hierbei vorkäme.

Das gab's schon vor den Zeiten digitaler Kameras...
»Es ginge nicht ums Bild, sondern um die schlüpfrigen Kommentare« - das wurde doch auch schon thematisiert. Was also, wenn deepfakes Lob und Jubel bewirken würden ?

Dann hätte jemand eine guten Job gemacht, weil er ein Bild hergestellt hat, das auf Lob und Jubel stößt.

Mich stört - bis jetzt - an »KI« vor allem, daß es keine »Künstliche Intelligenz« ist, sondern maximal »Simulierte Intelligenz«, und ich nicht mal wirklich den Begriff »Intelligenz« hier verwenden mag. Die Qualität der Suchergebnisse von Google, Amazon oder Ebay wird von Jahr zu Jahr beschissener, und das liegt gerade an den »verbesserten Algorithmen« und der ach so tollen »KI«.

Vorgestern nutzte ich die Google-Bildersuche, weil ich Fotos suchte, mit denen ich zeigen kann, was eine »Magnum-Rille« ist. (Für Nicht-Insider: das ist ein Begriff aus der Handfeuerwaffentechnik.)

Also suche ich »Magnum-Rille«, und »Magnumrille«. Extra in »«

Etwa 60 Prozent der Suchtreffer zeigten Fotos von Tom Selleck alias Thomas Magnum im Hawaii-Hemd...

Herr, schmeiß Hirn vom Himmel auf die »KI«... Ich habe spaßeshalber geguckt. Auf keiner der ersten paar Dutzend Suchtreffer-Seiten stand irgendwo der Begriff »Magnum-Rille«.

Fazit: Suchergebnis weitgehend unbrauchbar, weil die Google-KI meinte, denken zu können und denken zu sollen...

2000: du gibst in die Google-Suche ein: »Bundesknazler«. Und bekommst als Ergebnis: keine Treffer gefunden.
Hä? Ach so. Tippfehler. Meine Schuld. Oder aber: ein Treffer - das Kabarett »Die Bundesknazler«. Okay. Das ist dann ja auch völlig korrekt.

2022: du gibst in die Google-Suche ein: »Bundesknazler«. Und Google antwortet: »Meinten Sie Bundeskanzler?« Und darunter »Nach Bundesknazler suchen«. Das lässt jedenfalls beide Optionen offen.

2025: du gibst in die Google-Suche ein: »Bundesknazler«. Und Google antwortet: »Meinten Sie Bundeskanzler?« Und darunter »Nach Bundesknazler suchen«. Wenn du anklickst »Nach Bundesknazler suchen«, weil du die Kabarett-Truppe suchst, bekommst du trotzdem tausende Treffer für »Bundeskanzler«..

2027: du gibst in die Google-Suche ein: »Bundesknazler«. Und Google antwortet: »Sie meinten Bundeskanzler.« Und gibt dir nur Treffer für Bundeskanzler. Weil es meint besser zu wissen was ich suche...

2032: du gibst in die Google-Suche ein: »Bundesknazler«. Und Google antwortet: »Bevor Sie nach Bundeskanzler suchen können, absolvieren Sie bitte die Hate-Speech-Prüfung und weisen Sie nach, daß Sie sich in den letzten 12 Monaten hinreichend über gesunde Ernährung informiert haben.«

Wir sind meistens auch nicht besser als unsere Politiker, und versuchen sehr gern, Probleme zu lösen, die überhaupt nicht relevant sind, während wir die relevanten geflissentlich ignorieren...

Ich bitte um Nachsicht für den Rant... ;-/
#120Report

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