Corona 1,998

1 week ago
@lightbox
Sehr cool! :-)
#1901Report
Es ist schon mehr als nur interessant wie bis heute etliche Leute beinahe militant die "Erklärungen" weniger www-Influencer verfechten. Die völlig konträr sind zu Ergebnissen von (wenigstens) hunderten wissenschaftlicher Institute weltweit. Wissenschaftler unterliegen der Verpflichtung ihre Ergebnisse prüfen zu lassen, dazu sie weltweit zugänglich zu machen.

Jetzt seid Ihr dran, die Ihr "nur mal Eure Meinung sagen dürfen" wollt.
#1902Report
1 week ago
@lightbox (1899): Kann ich voll unterschreiben. Nur irren sich die Wissenschaftler
manchmal sehr ausdauernd, gerade auch in der Medizin. Beispielsweise
gab es bis in die 90er Jahre hinein die kuriosesten Theorien - hauptsächlich
aus dem Psychobereich - zur Entstehung von Magengeschwüren. Heute weiß man, und
das war dann wieder ein Triumph der wissenschaftlicher Methode,
dass Bakterien eine wichtige Rolle spielen (was man davor wegen der
Magensäure für unmöglich gehalten hatte).

@Plentilux (1898).

1. Ich habe wirklich keine Lust, hier Essays zu schreiben. Deshalb nur
dies: Wenn ich auf wissenschaftskritische Strömungen in der Philosophie hinweise,
dann heißt das nicht, dass ich sie mir zu eigen mache. Ich neige eher zum Szientismus.
Das sollten spätestens meine religionskritischen Bemerkungen gezeigt haben.
Aber man muss wissen, dass es diese Strömungen gibt, denn sie wirken
- über die üblichen Multiplikatoren - weit in das Laienpublikum hinein.

So neigen Vertreter der Postmoderne dazu, das Erkenntnisprivileg der
Naturwissenschaften infrage zu stellen. Und Th. S. Kuhn ist unter anderem durch
die These bekannt geworden, dass der Übergang zu neuen Paradigmen (also z. B. auch Theorien)
nicht durch neue Fakten zustande kommt, sondern durch das Aussterben der Vertreter der alten Lehre
("Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen" - ein ebenso brillantes wie einflussreiches
Buch). Dadurch wird der wissenschaftliche Fortschritt völlig vom Wahrheitsbegriff
gelöst, bzw. Wahrheit wird zu einer Frage der Konvention. Wer's richtig deftig mag, lese
Feyerabend.

All diese Dinge schwächen natürlich das Vertrauen in die Wissenschaft(en).
Und begünstigen damit Verschwörungstheorien. Womit wir wieder bei
den Ausgangsfragen wären.

2. Ich habe Homöopathie und TCM nicht identifiziert. Leider hat Deine
Wissenschaftlichkeit Dich und mich nicht vor dieser Unterstellung bewahrt.
Ferner muss ich Dich ganz bestimmt nicht darüber aufklären,
dass TCM etwas viel Umfassenderes und teilweise auch
ausgesprochen Gefährliches ist. Allen anderen rate ich
dann doch: Einfach mal bei Wiki reinschauen.

3. Wenn Du meinst, "dass wissenschaftliches Vorgehen das Beste ist,
was man anwenden kann", stimme ich Dir weitgehend zu. Allerdings
mit ein paar Ausnahmen. Ich würde beispielsweise keine Partnerwahl
nach (natur-)wissenschaftlichen Gesichtspunkten empfehlen. Und leider kann
man auch nicht immer warten, bis "die Wissenschaft" ihr gesichertes Urteil
gesprochen hat.
#1903Report
Es ist schon mehr als nur interessant wie bis heute etliche Leute beinahe militant die "Erklärungen" weniger www-Influencer verfechten. Die völlig konträr sind zu Ergebnissen von (wenigstens) hunderten wissenschaftlicher Institute weltweit. Wissenschaftler unterliegen der Verpflichtung ihre Ergebnisse prüfen zu lassen, dazu sie weltweit zugänglich zu machen.

Jetzt seid Ihr dran, die Ihr "nur mal Eure Meinung sagen dürfen" wollt.
#1904Report
1 week ago
Ganz allgemein, unabhängig von Corona, antworte ich auf
Wissenschaftler unterliegen der Verpflichtung ihre Ergebnisse prüfen zu lassen, dazu sie weltweit zugänglich zu machen.

Die Sache mit dem "Weltweit zugänglich machen" ist eine sehr fragliche: Viele wissenschaftliche Artikel sind hinter enorm teuren Paywalls versteckt. Das mit dem "prüfen lassen" ist zwar grundsätzlich positiv, aber dabei können sich in manchen Bereichen auch große Echokammern bilden.

Ich denke, gut ist, wenn jemand Bildung in naturwissenschaftlichen Fächern oder Mathematik hat - ich lese und höre bevozugt solche Autoren, unabhängig davon wo und als was er tätig ist. Denn diese Autoren können mit einer höheren Wahrscheinlichkeit nicht nur schreiben oder vortragen, sondern auch logisch denken.
#1905Report
1 week ago
@Westhafen Images
"Die Sache mit dem "Weltweit zugänglich machen" ist eine sehr fragliche: Viele wissenschaftliche Artikel sind hinter enorm teuren Paywalls versteckt. Das mit dem "prüfen lassen" ist zwar grundsätzlich positiv, aber dabei können sich in manchen Bereichen auch große Echokammern bilden."

Der Sinn der Paywalls/Abo-Kosten ist, eine professionelle Prüfung des allgemeinen wissenschaftlichen Vorgehens in den veröffentlichten Artikeln finanzieren zu können. Auch ist es lediglich sinnvoll, die Ergebnisse der FACHwelt zugänglich zu machen, da ein interessierter Laie wohl kaum den Inhalt verstehen und richtig im Kontext einordnen könnte. Im Gegenteil. Egal ob beim Klimawandel oder bei Corona (bei Letzterem kann ich es fachlich besser beurteilen) gibt es viele Leute, die entweder bewusst fehlinformieren oder ihr gefährliches Halbwissen wirklich hoffnungslos überschätzen.
Schon die Erkenntnis, dass die Ergebnisse eines Artikels meistens nicht die "volle Wahrheit" enthalten können, sondern allenfalls Hinweise auf Teilaspekte bieten, erscheint schwer vermittelbar.
Gesicherte Erkenntnisse oder spektakuläre Studienergebnisse an die breite Öffentlichkeit zu tragen, wäre eher Aufgabe der Massenmedien.

Der Vorwurf von Echokammern kann eigentlich nur von Leuten kommen, die nie selber wissenschaftlich gearbeitet haben. Vielmehr gibt es den Hang, dass sich konkurrierende Wissenschaftler eher übermäßig kritisieren, insbesondere bei persönlichen Animositäten. Diese Vielschichtigkeit wird aber selten in die breite Öffentlichkeit getragen. In der aktuellen Krise ist es ein paar Mal passiert, siehe verschiedenen Virologen oder die unterschiedlichsten Äusserungen aus der Hamburger Uniklinik von Lohse bis Kluge.

Echokammern entstehen vielmehr in "alternativen Medien", wo sich alle sicher sind, dass "die da oben" (wer auch immer das genau sein mag) ausschließlich "böse" (was auch immer das genau sein mag) sind.
#1906Report
1 week ago
@Rodivo
Danke, wollte nur wissen, auf welche Philosophen du dich genau beziehst. Ich kenne nicht die Originalarbeiten, sondern kenne nur zusammenfassende Übersichtsartikel.
Kritiken an Wisssenschaftlern, wie die Geschichte mit den Generationenwechseln, sollte aber nicht mit Kritik an der wissenschaftlichen Methode an sich gleichgestellt werden. Natürlich gibt es den menschlichen Faktor im täglichen Wissenschaftsbetrieb, siehe auch #1906, das ändert aber nichts an der Sinnhaftigkeit wissenschaftlicher Methodik. Es wird ja versucht, den "Faktor Mensch" möglichst zu minimieren, z.B. mit Verblindungen u.a.

Insbesondere sollte es aber nicht dazu verleiten, wissenschaftliches Vorgehen über Bord zu werfen und sich einen feuchten Kehricht um bestmöglich nachprüfbare Fakten zu kümmern. DANN wären wir bei gewissen "alternativen Medien" Verschwörungstheorien.
#1907Report
1 week ago
@Plentilux
Du schriebst:
"Der Sinn der Paywalls/Abo-Kosten ist, eine professionelle Prüfung des allgemeinen wissenschaftlichen Vorgehens in den veröffentlichten Artikeln finanzieren zu können.Auch ist es lediglich sinnvoll, die Ergebnisse der FACHwelt zugänglich zu machen, da ein interessierter Laie wohl kaum den Inhalt verstehen und richtig im Kontext einordnen könnte."

Die Fachwelt ist also da wo die Kohle ist!?
Oder ist die Fachwelt so arm, dass sie sich die Veröffentlichung von Artikeln ohne Paywalls nicht leisten kann?
#1908Report
1 week ago
... und selbst dann würde jeder menschliche Rezipient die großen Informationsmengen immer noch nach seinen gelernten Mustern sortieren und hätte nicht die totale, meiner Ansicht nach ohnehin allenfalls theoretische "Wahrheit" erfahren.


Deiner "theoretischen" Wahrheit steht eine Wirklichkeit gegenüber. Die ist entweder so, oder nicht so, oder anders, aber niemals irgendwie. Und der Wahrheitsbegriff wird problematisch im Bereich der Abstraktion, nicht in eher weltlichen Fragen wie 'Beeinflussen Medien gezielt die Art der Verarbeitung bestimmter Informationen etwa durch Sprachregelungen'. Das ist entweder so, oder es verhält sich anders. Einer Überprüfung stellen sich mächtige Hindernisse entgegen, grundsätzlich ist die Frage aber empirischer Natur, daher beantwortbar und kein Anlass, vor der Wahrheit oder Unwahrheit ihrer Beantwortung zu kapitulieren.

Ich habe mit den Beispielen wie dem der baltischen Staaten versucht, möglichst wenig strittige Situationen als Beispiele aufzugreifen.


Legitimation und Sinn der Osterweiterung des Bündnisses sind maximal kontrovers. Vielleicht nicht, wenn man sich an die großen Medien hält, die vermitteln eine recht klare, eher einseitige Sichtweise.

Ebenso mit der Selbstermächtigung Putins ein möglichst unstrittiges Beispiel für die im Ggs zu D sehr deutlich eingeschränktere Pressefreiheit in Russland.


Putin hat sich aus reinem Eigeninteresse die gesetzliche Grundlage geschaffen, um seine Macht zu halten. Und in unserem grandiosen Land? Da ist diese Möglichkeit bereits gesetzlich verankert! Die Frage ist nicht, wer wann mit welcher Absicht dieses Gesetz aus der Taufe hebt, sondern was sich damit anstellen lässt. Auch mit unserem edlen bundesdeutschen Gesetz lässt es sich ohne weiteres vier Amtsperioden regieren, lässt sich große Macht anballen, erhalten und missbrauchen. Siehe Kohl, siehe Merkel. Korruption und Meinungsverengung sind die Folge. Der starke Fokus auf die Selbstermächtigung eines unbeliebten ausländischen Autokraten, die geradezu brutal undemokratisch vonstatten geht, versperrt dir den Blick dafür, mit wieviel feineren Mitteln demokratische Selbstbestimmung, faire Wahlen und "Pressefreiheit" in unserem Land ausgehebelt werden: Durch ein hochelaboriertes, sauber durchkomponiertes Wechselspiel von Priming und Framing in den Nachrichten auf professionellem Niveau. Du meinst, dir eine Meinung zu bilden, und sie wurde dir schon vorher fertig vorgebildet; du pickst sorgfältig platzierte Zuckerlies vom Boden auf und glaubst, du hättest eine Fährte zu eigener Erkenntnis gefunden. Worin die Menschen sich fundamental unterscheiden, ist, ob sie das als beruhigend oder verstörend empfinden. Du gehörst eindeutig zu Ersteren.

Es wird bezüglich des Syrienkonfliktes in D allenfalls in der 15min. Tagesschau von "Rebellene" gesprochen.


Allenfalls?
Die Tageschau, schnelle Erklärung der Welt in 15 min, bevor Sport oder Tatort für Entspannung sorgen, "allenfalls"?

Ziemlich großes Allenfalls. Für die große Mehrheit rechtschaffener Einfaltspinsel ist sie das Kreditiv schlechthin. Sie teilt die Welt ein in Problemherde und Orte, an denen es uns doch eigentlich verdammt gutgeht (Schland), weil es doch überall sonst ziemlich dreckig läuft. Dort lesen wir vom "Machthaber Assad", dem "Assad-Regime", den "Rebellen" und der "Rebellenhochburg (chrchr) Idlib". Denselben Scheiss lesen wir überall, in der SZ, der FAZ, dem Spiegel, Tagespiegel, ntv, den Privaten, sogar der blöden taz, den Springermedien sowieso. Gegen eine solche Allgegenwart des Gleichklangs sind Differenzierungen völlig machtlos.

Das ist ein festes, alle Medienanstalten umfassendes Wording, das die ÖR längst zugegeben haben (bzw. das dem armen Gniffke rausgerutscht ist; siehe Paul Schreyers lesenswerten Artikel in der TP), und zufällig sind alle wichtigen Positionen von Transatlantikern besetzt. Siehe auch die berühmte Sendung der Anstalt. Im Zusammenhang mit dem Dritten Reich sprach man von Gleichschaltung, auf die heutige Situation darf das nicht angewendet werden, relativiert doch schließlich die Naziverbrechen!, Skandal. Das Prinzip ist trotzdem das gleiche. Das ist deine Pressefreiheit: Ein Fliegenschiss. - Zum Glück gibt es Russland, da können wir uns doch glücklich schätzen.

Ich würde es mal bezüglich der Konflikte dabei belassen, da werden wir halt nicht zusammenkommen.


Das ist viel weniger ein Problem unterschiedlicher "Meinungen" als eines unterschiedlicher Informationsverarbeitung. Deine Quellen sind alle mehr oder weniger einer Meinung, das Resultat ist homogen, für andere Quellen hast du feste Feindbilder - und all das beunruhigt dich kein Stück.

Widersprechen muss ich dir allerdings weitgehend bei der Beurteilung von Medien und Ideologien. Theoretisch sind deine Ausführungen von mir aus richtig, aber meiner Meinung nach sehr praxisfern.[quote]

Ausgerechnet in dem Punkt sind wir uns überwiegend einig. Was du mit "praxisfern" meinst, versteh ich nicht, auch nicht, wie du darauf kommst, ich solle dir beweisen, dass Rassismus wertvolle Ansätze liefern kann. Sicher ist, dass du das dankbar aufgreifen würdest, um mich zu diffamieren und dich als Gralshüter großer Tugenden zu profilieren, im selben Reaktionsstil und Tonfall wie die großen Tagesmedien, wie an @Lichtermeer hübsch verdeutlicht. Bringst du dich gerne in Sicherheit, indem du andere denunzierst?

[quote]In einem idealen Nachrichtensystem gäbe es mehrere konkurrierende Korrespondenten in jedem Winkel der Welt. Diese würden unabhängig arbeiten und hätten eine gegenseitige Crosscheck-Funktion. In Krisengebieten bräuchte es noch zusätzlich Kriegsreporter, die möglichst direkt "von der Front" recherchieren. Nur so können unabhängig Sachlagen beurteilt werden. Dieses Konstrukt kann natürlich korrumpiert werden und es ist keine Garantie für gute Nachrichten aber es ist die Voraussetzung dafür.


Sehr romantisch und selbstschmeichelnd, aber so läuft das nicht. Die Korrumpierung beginnt lange, bevor man zum ersten Mal auf große Sendung geht. Kein Sender riskiert, dass ein Korrespondent einfach sagt, was er für richtig hält, die Zeiten von Leuten wie Scholl-Latour sind endgültig passé. Jeder Journalist weiß ganz genau, welche Schulen, Parteien, Vereine, Mitgliedschaften, Symposien er zu durchlaufen hat, welche politischen Ansichten seiner Karriere förderlich und welche schädlich sind, um überhaupt Aussichten auf bestimmte Positionen zu bekommen. Meinungsvielfalt gehört ganz sicher nicht dazu, ebensowenig, mit Kollegen um unterschiedliche Standpunkte zu konkurrieren. In diesem System aus Karrieren und Abhängigkeiten gewinnen immer gutausgebildete, moralisch "flexible" Opportunisten. Kriegsjournalismus ist immer entweder "embedded", oder die Leute bekommen mit ihren Reportagen in den Medien keine Stimme, oder sie kommen im Kugel/Bombenhagel um.

Die großen Medien können so ein Konstrukt - wenn auch in den letzten Jahren sehr stark reduziert - bieten.


Zum Piepen. Es gibt keinen "Crosscheck", nur gegenseitige Rückversicherung des ohnehin schon Geklärten. Die großen Anstalten unterhalten feste, prägnante Narrative, man hört einander zu und voneinander ab, echte Meinungsausbrecher gibt es nur jenseits des Kanons, sie gelten als links- oder rechtsextrem oder VT, der Korridor zulässiger Meinungen ist seit den Spätneunzigern drastisch geschrumpft. Es gibt in den Tagesnachrichten keine saubere Trennung von Meinung und Fakten, keine inhaltliche Auseinandersetzung, fast alles wird gesteuert über Sprachregelungen mit wertendem Charakter. Siehe das Assad-Beispiel, siehe die Reduktion von Kritik auf "Verschwörungstheorien". Die ÖR begreifen das als "Einordnung" für den Zuschauer, der zu dumm ist, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Alle diese Dinge werden seit Jahren von gescheiten Leuten scharf kritisiert, sie bekommen nur keine Plattform. So einfach lassen sich

Wir haben hier im Chat mehrere Artikel aus "alternativen Medien" wie Rubikon oder Multipolar gesehen, die das Papier, bzw die Elektronen nicht wert waren, mit denen sie übermittelt wurden. Wir reden hier nicht von kleinen Ungenauigkeiten sondern von groben sachlichen Fehlern, die die Möchtegern-Aussage des Artikels erst ermöglichten. Vorgabe nicht zutreffender Umstände oder schlichte Fehlinformationen.


Das ist in der Form und solange du kein Beispiel nennst ein blankes Vorurteil von dir.

Du reduzierst die Brauchbarkeit oder Unbrauchbarkeit von Beiträgen auf einen Grad von Professionalisierung, in den genannten Beispielen: Berufsjournalismus und akademische medizinische Kompetenz im Gegensatz zu Laien und selbsternannten Experten. Das ist nichts weiter als blinder Autoritätsglaube, geistiges Duckmäusertum aus Angst. Du zeichnest ein Gebilde von Gelernten, denen grundsätzlich zu trauen ist, und Hochstaplern, denen grundsätzlich nicht zu trauen ist. Für die einen setzt du Redlichkeit voraus, für die anderen nicht, Ende, und das reicht dir, um Information aus bestimmten Quellen zu ignorieren. Das ist so naiv und falsch, wie etwas nur sein kann. Nicht nur, weil Professionalität nichts mit redlichen Absichten zu tun hat, sondern weil der Zweck entscheidet.

Nimm den genannten Multipolar-Artikel: Unabhängig von der Frage, wie fachlich kompetent er ist, relativiert er systematisch die Bedeutung des R-Werts. Diese Aussage allein, am Anfang des Artikels

Die sogenannte Reproduktionszahl ist in aller Munde. Sie muss jedoch erst in einen Zusammenhang gestellt werden – sonst ist es leicht möglich, die Zahl für verschiedene Zwecke zu instrumentalisieren. Das reicht von Sensationslust über Angsterzeugung bis hin zum „Abkürzen“ einer Debatte der politischen Maßnahmen.


ist vollkommen zutreffend und ein wichtiger Beitrag zur Diskussion.

Den R-Wert zu relativieren kann an und für sich eine gute Sache sein, wenn Menschen wie gestört am Endgerät hängen und die Entwicklung des R-Werts in den Nachrichten verfolgen - siehe tägliche Ausflüsse eines Teilnehmers hier im Forum - und in ihrer Verunsicherung die Frage, ob die Situation jetzt gerade besser oder schlechter wird, emotional an diesen blöden R-Wert koppeln. Weil dieser Zustand sie in Angst hält, und da müssen sie raus. Und ich sehe nichts unanständiges daran, grundsätzlich zu bezweifeln, dass mir mit dieser seltsamen Konstante überhaupt eine Information geliefert wird, die für mich wichtig sein sollte. Womöglich sind andere Faktoren viel bedeutsamer. In der akademischen Debatte um CoViD sind gerade die super spreader der heiße Scheiß und die Frage, wie schnell Infektionsketten ohne diese verenden. Das weiß aber ein Laie nicht. Verlässt er sich rein auf die Tagesmedien, fliegt ihm der R-Wert ständig um die Ohren und er kommt aus diesem spin nicht mehr raus.

Ein verfänglicheres Beispiel ist KenFM. Du reduzierst seine Bedeutung auf a) seine Persönlichkeit, b) sein Netzwerk und c) seine berufliche Kompetenz.

Alle Einwände sind richtig: KenFm ist a) ein untersetzter, infantiler, gekränkter Narzisst, und er arbeitet sich an beliebigen Gegnern ab, die für ihn gefühlt in der einen oder anderen Weise mit denen im Bunde stehen, die ihn gekränkt haben (und sei es darin begründet, dass sie mächtiger sind als er). Er ist in seinen Feindbildern eher wahllos. b) Teile seiner Anhängerschaft sind unterirdisch. Diese Seuchenvögel werden medial repräsentiert, in ihren Absichten herabqualifiziert - Spinner, gescheiterte Randfiguren, Wichtigtuer, die ins Licht der Öffentlichkeit drängen - und bestimmen seine Darstellung. (Nicht die Rede ist von einer großen, stillen Zuschauerschaft, die ihn mit Zurückhaltung, aber mit Interesse verfolgt, dies sozial aber nicht gerade kommunizieren würde, weil sie eine gewisse Kennzeichnung scheut.) KenFM ist c) journalistisch inkompetent, weil für ihn die Schlüsse seiner "Interviews" schon feststehen, lange bevor die Aufzeichnung beginnt. Er fordert seine Gesprächspartner unablässig zur Bestätigung der Richtung auf, die seinen Ausführungen zupass kommt - das allein genügt, ihm jede journalistische Kompetenz abzusprechen. Sein gehaspelter, nicht-fließender Ähm,-Redestil ist anstrengend, seine Emotionalität unsympathisch.

Aber KenFM thematisiert Kritik aus allen möglichen Bereichen - politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, sozialer, ökologischer Art - die berechtigt und wichtig ist, und erreicht damit Menschen. Das allein ist sinnvoll und richtig, wenn man in einem globalen System lebt, das seinen unvermeidlichen Kollaps mit zunehmend brüchigen Stabilisierungsprophylaxen immer wieder aufschiebt. Welche Absichten dieser Mensch verfolgt, wie er sein Ego pudert, ist mir vollkommen wurscht, wenn er ein Gegenformat zu 45 Sekunden-Nachrichtenbeiträgen, Live-Tickern oder Talk Shows anbietet, die der Profilierung von Marionetten dienen und an deren Ende die Zuschauer dümmer sind als vorher, eine Alternative zu dem ganzen Gemenge aus informationeller Selektion, Unterschlagung und Überschwemmung: Ein Format, in dem Gäste 1,5 bis 2,5 Stunden Zeit bekommen, ihre Ansichten en detail und ohne permanente Gegenrede auszuführen. Das allein - überhaupt irgendein Format, das der Vertiefung eines kritischen Themas dient! - ist von sagenhaftem Nutzen und gibt KenFM jede erdenkliche Daseinsberechtigung.

Du und deinesgleichen glauben, Quellen wie er seien rundweg abzulehnen wegen der erheblichen Menge unnützen Beifangs: Seinem affigen Auftritt, dem großspurigen, ausladenden Geschwafel um hintergründige Mächte, düsteren Zukunftsszenarien, der Gleichbehandlung von Spekulation, Wahrscheinlichkeit und Faktizität; und aus deiner Echokammer hallt es: Wer bei KenFM auftritt, erklärt sich mit diesem Auftritt einverstanden, kann folglich keine ernstzunehmende Persönlichkeit sein und verdient es, ignoriert zu werden. - Das ist nichts als ein geistiges Stoppschild und abschätzige Naserümpferei, hinter denen eine menschenverachtende Maxime steht: - Als sei der Normalmensch nicht selbst in der Lage, relevantes von irrelevantem, Übertreibung von Sachlichkeit zu trennen, muss sein Denken betreut werden von kompetenten Autoritäten, die seine Aufmerksamkeit auf die "guten" Informationskanäle lenkt - und ihm die "falschen" aberzieht. Anmaßender und undemokratischer geht es kaum, diese Tendenz ist nachgerade antiaufklärerisch. Sich auf Seite derer zu verordnen, die sich kategorisch gegen "Verschwörungstheoretiker" aufstellen, ist Respektlosigkeit vor dem eigenen Verstand. Das Resultat sind Leute, die im selben staatstragenden Ton 1:1 das Lied ihrer Betreuer nachschwätzen

In Zeiten der Krise - wie hier bei Corona - haben Anhänger von
Verschwörungen, Aluhüten, politischem Extremismus und auch
anderen abstrusen Theorien zwar Hochkonjunktur


und sich einbilden, damit auf der Seite der Besonnenen und Vernünftigen zu stehen.

Wenn man in einer Zeit lebt, in dem aus der AFD wahre Aussagen kommen, läuft etwas schief. Wahrheit oder Unwahrheit an der Persönlichkeit oder Gruppenzugehörigkeit eines Menschen festzumachen, ist hohl wie das Vakuum, und eines der wichtigsten Geschäfte der Medien. Deren einziges Mittel, sich mit gegenläufiger Information zu befassen, ist Diffamierung: Linke, Rechte, Spinner, Diktatoren, Freiheitsfeinde, es lebe die goldene Mitte. Diese sich bürgerlich gebende Mitte ist der wahre und einzige Fundamentalist. Es spielt keine Rolle, welche Reputation, politische Orientierung, welche Absichten und welche psychologischen Probleme ein Mensch hat; entscheidend ist, ob er Information veräußert, die geeignet ist, die Menschen nachdenklich werden zu lassen. Dazu kann die Bemerkung beitragen - um innerhalb der Landesgrenze zu bleiben - dass Deutschland ein besetzter Staat ist, oder dass eine unbegrenzte Flüchtlingsaufnahme das Land logistisch wie politisch zum Kollaps bringen würde. Für alle politische Realität gilt: Man kann sich weder seinen Kritiker noch seinen Laudator aussuchen. Wenn berechtigte Kritik aus der AFD kommt: Armes Deutschland.

Zu behaupten, dass eine den ÖR vorgeworfene "Einfärbung" bei den "alternativen Medien" nicht vorhanden sei, finde ich auch absolut lächerlich. Mag sein, dass manchen die "Färberichtung" besser gefällt, dass heißt aber nicht, dass sie näher an der Wahrheit liegt.


Zu behaupten, dass eine den alternativen Medien vorgeworfene "Einfärbung" bei den ÖR nicht vorhanden sei, finde ich auch absolut lächerlich.

Dass dieser Käse sich 1:1 auf deine edlen ÖR übertragen lässt, dass sie folglich ebensowenig Vertrauen verdienen, ist dir sicher klar, oder?
Von "alternativen Medien" sprichst übrigens eigentlich nur du. Was du mit diesem Sammelbegriff meinst, lässt sich bestenfalls erahnen.

...die Wahrheit steht eh nur in der Prawda...


Nein, die Unwahrheit steht überall.

Das heißt also, das Resultat entscheidet über die Werthaftigkeit von Debatten und Meinungsfreiheit


Richtig. Was genau ist das Problem damit?

Fragt sich nur, wer darüber entscheidet, was ein angemessenes Resultat wäre.


Wie philosophisch. Hast du noch mehr solche Gretchenfragen auf Lager? Kleiner Anker für den Anfang: Das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl von Menschen, Mills.

Anders gesagt: Wie es keine absoluten Werte gibt, gibt es auch keine absoluten Resultate


Genauso ist es. Werte sind an sich kontrovers, und kein Resultat einer von Werten bestimmten Handlung entsprach je absolut den Werten. Wo genau liegt nochmal das Problem?

... und selbst dann würde jeder menschliche Rezipient die großen Informationsmengen immer noch nach seinen gelernten Mustern sortieren und hätte nicht die totale, meiner Ansicht nach ohnehin allenfalls theoretische "Wahrheit" erfahren.


Deiner "theoretischen" Wahrheit steht eine Wirklichkeit gegenüber. Die ist entweder so, oder nicht so, oder anders, aber niemals irgendwie. Und der Wahrheitsbegriff wird problematisch im Bereich der Abstraktion, nicht in eher weltlichen Fragen wie 'Beeinflussen Medien gezielt die Art der Verarbeitung bestimmter Informationen etwa durch Sprachregelungen'. Das ist entweder so, oder es verhält sich anders. Einer Überprüfung stellen sich mächtige Hindernisse entgegen, grundsätzlich ist die Frage aber empirischer Natur, daher beantwortbar und kein Anlass, vor der Wahrheit oder Unwahrheit ihrer Beantwortung zu kapitulieren.
#1909Report
1 week ago
Zitat: Plentilux ...

Mit mehr Bildung meinst du vermutlich angeblich "weiche" Fächer wie Philosophie?
Das kommt allerdings aktuell in der "versucht windschnittigen" Schulbildung eher
zu kurz. Man sollte sich vielleicht auch in Deutsch vielleicht wieder mehr Rhetorik
anschauen. Dann würde man Scheinargumente vielleicht eher als solche erkennen.

Es muss nicht mal ein "Phhilosophiestudium" sein, sondern ein Gewicht auf
einfache Schulfächer wie Wirtschafts- und Sozialkunde, Gemeinschaftskunde,
Geschichte oder Deutsch würde bereits ausreichen, um nicht auf Aluhutträger,
Radikale, Influecer, Verschwörugstheoretiker und anders Gesindel reinzufallen.

Also eine "gesunde Allgemeinbildung", denn Mathematik, Physik, Chemie und
Biologie sind lediglich die Grundlagen der Wissenschaft und absolut nutzlos,
wenn Einfalt die bevorzugte Weisheit ist ...

Frei nach Richard Wagner im Lohengrin und in seiner sehr weisen Voraussicht:

"So hilf uns, Gott, zu dieser Frist, weil unsre Weisheit Einfalt ist!"
#1910Report
1 week ago
@Plentilux (1907)
Ich bin überzeugt davon, dass wir in puncto Wertschätzung
der Wissenschaft(en) ganz dicht
beieinander sind. Wir kommen nur zu unterschiedlichen Betonungen,
weil Du auf der Basis eines idealisierten Begriffs von Wissenschaftlichkeit argumentierst, während ich
aufgrund gewisser Vorkenntnisse und gewisser Erfahrungen als Patient mehr
den realen Wissenschaftsprozess im Blick habe, wobei beides in
unterschiedlichen Kontexten seine Berechtigung hat. Diesen Unterschied hat selbst der famose Wissenschaftstheoretiker aspan übersehen.

Wir müssen das hier nicht ausdiskutieren. Daher will ich jetzt nicht auch noch
Deinen Begriff "der" wissenschaftlichen Methode
hinterfragen (die es natürlich ebenso wenig
gibt wie "die" Wissenschaft), sondern vielmehr in aller Form versprechen:
Das war mein letztes Wort zu diesem Thema.
Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und
viel Spaß mit aspan!
#1911Report
1 week ago
Zitat: aspan...
Putin hat sich aus reinem Eigeninteresse die gesetzliche Grundlage
geschaffen, um seine Macht zu halten. Und in unserem grandiosen
Land?

In unserem grandiosen Land kannst Du die aktuelle Regierung abwählen,
falls sich eine Mehrheit dafür bildet. Das finde ich fabelhaft und nenne es
Demokratie. Den Rest Deines letzten Kommentars halte ich für dummes
Zeug, auch wenn er sehr lang war ...
#1912Report
Hmm, das wird den VTlern ganz schön den Vorurteils-Aluhut vom Kopf wehen:
https://www.n-tv.de/panorama/Thueringen-schafft-Corona-Regeln-ab-article21799276.html

Zu Deutsch: "Die Sache ist erledigt, gehen Sie bitte weiter, hier gibts nichts zu sehen"
#1913Report
Zu Deutsch: "Die Sache ist erledigt, gehen Sie bitte weiter, hier gibts nichts zu sehen"

Die Sache ist leider überhaupt nicht erledigt - der angerichtete volkswirtschaftliche Schaden kommt erst in dem nächsten Monaten und Jahren...
#1914Report
1 week ago
Wenn alle anderen Bundesländer mitziehen, ist es zumindest eine Chance auf Schadensbegrenzung.
Allerdings werden wir wohl jetzt schon mit jahrzehntelangen Folgen zu kämpfen haben.
#1915Report
Der wirtschaftliche Schaden war und ist unvermeidbar. Quasi "alternativlos". Egal welche Strategie man fährt.
Das beweisen die Zahlen aus Schweden:
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/groesster-einbruch-seit-den-50er-jahren-coronavirus-trifft-auch-schwedens-wirtschaft-hart/25791886.html
#1916Report
1 week ago
Der wirtschaftliche Schaden ist zu verkraften, aber Tote
können nicht auferstehen - wenn man nicht unbedingt
religiös veranlagt ist ...
#1917Report
Eben. Genau das habe ich (zumindest glaube ich es...) hier auch ein paar mal geschrieben.
#1918Report
1 week ago
@Andreas von Speyer
Mal abgesehen davon, dass ich nicht nur den wirtschaftlichen Schaden meine...
Solche Art von Nachrichten halte ich für "schwierig", weil sie nicht alles beleuchten!
Natürlich trifft ein fast weltweiter Lockdown jede Volkswirtschaft, aber hätte Schweden den gleichen Weg eingeschlagen wie die meisten Länder, wäre es noch eine Nummer schlimmer geworden für Schweden. Denk mal alleine an die Gastronomie und den Einzelhandel (Maskenpflicht lähmt jeden Einkaufsbummel).
Hätten mehr Länder den schwedischen Weg eingeschlagen, wären die wirtschaftlichen Schäden natürlich noch einmal deutlich kleiner.
Alternativlos in Bezug auf die Größenordnung war es sicherlich nicht!
#1919Report
@Lichtsieb:
Gerade die Gastronomie in Schweden hat es richtig hart getroffen:
https://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/coronavirus-was-wir-von-schweden-lernen-koennen-a-1306685.html
"Obwohl Handel und Gastronomie unter Auflagen weiterarbeiten dürfen, sind ihre Geschäfte stark rückläufig. So zeigen etwa Abrechnungsdaten des Softwareunternehmens Caspeco, dass die Umsätze in Restaurants seit Mitte März um gut zwei Drittel unter Vorjahr bleiben. Das Verbrauchervertrauen ist im April auch in Schweden so stark eingebrochen wie zuletzt in der Weltfinanzkrise".

Man kann es auch brutal mathematisch ausdrücken:
Schweden hat pro eine Million Einwohner ca. 4 mal soviele Tote wie Deutschland. Der schwedischen Wirtschaft geht es aber im Moment nicht 4 mal so gut wie der deutschen Wirtschaft.
"Die Strategie war, diese Menschen zu schützen, und dieser Teil hat nicht funktioniert", sagt der Chefepidemiologe Tegnell.
#1920Report

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